Angestellte und Selbständige tauschen Lebenszeit mit Geld. Unternehmer stellen die Arbeitszeit ihrer Mitarbeiter dem Kunden in Rechnung. Leidenschaftliche Selbstversorger vergessen bei ihren Tun die Zeit. Und so wie heute noch bei den Naturvölkern, spielte zu alten Zeiten auch bei uns die Zeit überhaupt keine Rolle. Das deutet bereits darauf hin, dass zumindest die getaktete Zeit nur eine gesellschaftliche Erfindung ist. Im wahren Leben nehmen viele Menschen aber die Zeit als eine feste Variable wahr – sie rennen buchstäblich der Zeit nach. Keine Zeit für die wesentlichen Dinge im Leben. Die heutige Industrie könnte ohne Zeit nicht überleben. Ohne zeitliche Skalierung sind Unternehmen nicht wettbewerbsfähig. Spätesten seit Einstein weiß man aber, dass die Zeit immer vom Betrachter abhängt und auch die Erdanziehung und Geschwindigkeit einen Einfluss darauf nimmt. Im Weltraum spielt nicht nur diese Zeit eine entscheidende Rolle, sondern auch der Raum, die Anziehung und Energie zur Maße. Alles hängt irgendwie (variabel) miteinander zusammen. So auch auf unserer Erde. Ein Pilot im Düsenjet nimmt die Zeit anders war, als derjenige der den Jet an sich vorbeifliegen sieht.

Horizontale Zeitvorstellung – Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

Die moderne Gesellschaft teilt sich die Zeit heute in die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ein. Die Vergangenheit war einmal, die Gegenwart findet jetzt statt und die Zukunft wird sein. So denken die meisten von uns und so ist der Alltag auch ausgerichtet. Das hat fatale Folgen. Die Vergangenheit wird mit Vorwürfen belastet oder es wird nach etwas längst vergangenen nachgetrauert. Und wichtige Dinge und Vorhaben werden in eine ungewisse Zukunft verschoben, ohne zu wissen, ob man zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch lebt oder zumindest gesundheitlich noch fit genug ist. Das schafft Zukunftsängste. Schaut man sich die Tiere und Pflanzen an, so hat man den Eindruck, dass diese zwar einen immer wieder biologisch kehrenden Zyklus, aber eben keine Zeit kennen. Bei den Menschen kennen insbesondere die (fast ausgestorbenen) Naturvölker keine Zeit. In dessen Sprachen gibt es keine Begriffe für die Vergangenheit und Zukunft, aber auch keine Worte für Hass oder Angst. Alles findet in diesem Moment, im Hier und Jetzt, statt. Alleine diese Erkenntnisse weisen doch darauf hin, dass die Zeit, so wie wir sie heute kennen, nur eine Modeerscheinung von uns modernen Menschen ist.

Vertikale Zeitvorstellung – der Moment

Im Gegensatz zur horizontalen Zeitvorstellung verläuft die Zeit nach dieser Vorstellung nicht horizontal, also von links (Vergangenheit) nach rechts (Zukunft), sondern vertikal von unten/oben nach oben/unten. Bei einer vertikalen Zeitvorstellung findet alles in diesem Moment statt. So als ob der Urknall gerade eben erst stattgefunden hat. Was es auch tut, denn das Weltall dehnt sich noch weiter aus. Es gibt demnach keine Vergangenheit oder Zukunft. Diese sind reine Gedankenkonstrukte und existieren höchstens in unserem Verstand. Du kannst dir diesen Moment wie eine Sammlung von aufgestapelten Büchern vorstellen. Die ganzen (unendlichen) Bücher stellen deine Existenz dar. Jedes Buch ist unterschiedlich dick und stellt eines deiner vielen Leben dar. Ein Buch davon ist dein jetzige Leben. In diesem findest du eine begrenzte Anzahl von Blättern, die deine Lebenszeit ist. Dann kommen die Kapitel und Themen, die deine einzelnen Lebensabschnitte oder auch deine Sinne des Lebens darstellen. Damit du das Buch auch bis zum Ende (dieses Lebens) ersinnst, musst du jede Seite „erfahren“ haben. Solltest du allerdings zu sehr davon abweichen, dann wirst du über Schicksale, Leid und Krankheiten wieder zurückgeholt. Dafür sorgt deine Seele, die deinen Seelenplan kennt. Deshalb ist es so wichtig auf seine Gefühle (Liebe) zu hören, die Ausdruck der Seele sind – wir sind ein Wesen aus Körper, Geist und Seele. Nachdem du dieses Buch hoffentlich vollständig gelesen hast, wirst du die äußere Hülle deines Körpers verlassen (Sterben), die Relativität von Raum und Zeit kurz verlassen und in einem neuen Körper (Geburt) das nächste Buch oder das noch nicht beendete Kapitel weiter ersinnen und die Schöpfung erfahren. Du wirst Schöpfer deiner Erfahrung und ersinnst dich jedes mal von neuem, bis wir alle unsere Bücher „durcherfahren“ haben und wieder mit unserem eigentlichen Schöpfer vereint sind.

Die Zeit steht still, wir sind es die sich bewegen

Da alles im Moment stattfindet, stellt sich natürlich die Frage, warum die Zeit dann als horizontaler Zeitverlauf von der Vergangenheit über die Gegenwart bis hin zur Zukunft wahrgenommen wird. Dafür gibt es eine Erklärung. Wir sind ein Wesen aus Körper, Geist und Seele. Unser physischer Körper ermöglicht es uns, sich im „Raum“ der Relativität (eingeschränkt) zu bewegen. Wenn wir uns nun in diesem Raum bewegen, dann tun wir das immer im Verhältnis zu anderen Objekten. Dabei entsteht der Eindruck, dass sich die Zeit bewegt. In Wirklichkeit sind wir es aber, die sich bewegen: Wir selbst, die anderen, die Planeten und andere Materie. Die Zeit selbst steht einfach nur still. Der Zusammenhang zwischen der Geschwindigkeit und dem Raumvolumen (Entfernung) macht das deutlicher. Je weiter wir uns vom Ursprung entfernen, desto größer ist die Krümmung des Raumes und entsprechend die wahrgenommene Zeitdifferenz. Und je schneller wir uns bewegen, desto geringer wird diese wieder. Ein Beispiel: Stelle dir unser Sonnensystem vor. Unsere Erde umkreist die Sonne mit einer mittleren Geschwindigkeit von 29,78 Kilometer pro Sekunde bei einer Entfernung von 149,6 Mio. Kilometer. Wenn sich nun der Raum im Weltall mit unserem Sonnensystem ausdehnt (was sie auch tatsächlich tut), dann vergrößert sich die Entfernung zwischen unserer Erde und der Sonne. Die Folge ist, dass die Erde jetzt länger als die wahrgenommenen 365 Tage benötigt, bis sie die Sonne vollständig umkreist hat. Umgekehrt braucht die Erde für die vollständige Umkreisung der Sonne weniger, wenn diese sich schneller als die 29,78 Kilometer pro Sekunde bewegen würde. Möglich wäre aber auch, dass sich sowohl die Entfernung vergrößert, als auch die Geschwindigkeit zunimmt. Dann könnte es bei den wahrgenommenen 365 Tage bleiben. Sowohl die Entfernung als auch die Geschwindigkeit haben Auswirkung auf die Krümmung des Raumes. Die genannten 365 Tage und andere Zeiteinheiten sind nichts anderes, als eine Maßeinheit um die Bewegung im Raum zu berechnen. Ein horizontaler Zeitverlauf ist sie aber definitiv nicht.

Einsteins Relativitätstheorie – Alles hängt vom Betrachter ab

Selbst die Wissenschaft hat spätestens seit Albert Einsteins spezieller und später allgemeiner Relativitätstheorie erkannt, dass es keine absolute Zeit und Raum geben kann. Vielmehr gibt es eine absolute Licht-/Geschwindigkeit, die immer gleich schnell ist. Auf dieser Grundlage hat man festgestellt, dass sich die Zeit mehr ausdehnt und der Raum mehr verdichtet, je schneller wir uns bewegen. Oder anders ausgedrückt: Je schneller wir uns bewegen und uns der Lichtgeschwindigkeit nähern, desto langsamer wird die Zeit. Die Zeit würde höchstwahrscheinlich ganz still stehen, wenn die Lichtgeschwindigkeit erreicht werden würde. Oder theoretisch uns sogar Zeitreisen ermöglichen, wenn wir noch schneller wären. Da die Maße und Energie aber im direkten Verhältnis zueinander stehen (e = mc²), dürfte die Lichtgeschwindigkeit aber niemals mittels physischer Materie erreicht werden (nichtphysische wie die Seele, Gedanken, der Geist hingegen schon). Umgekehrt ist es aber auch denkbar, dass sich die Zeit nicht verändert, wenn wir uns überhaupt nicht mehr bewegen – also komplett still stehen. Hier dürfen wir aber nicht vergessen, dass sich alles um uns herum bewegt, die uns mehr oder weniger beeinflussen. Vom eigenen Gedanken, den Herzschlag über die fremden Einflüsse bis hin zu den Planeten. Den eigentlichen Durchbruch dieser Theorie sehe ich aber darin, dass die Wahrnehmung von Raum und Zeit heute nicht mehr als absolut angesehen wird, sondern relativ vom einzelnen Betrachter abhängt. Für den einen Beobachter ist eine Sekunde oder ein Zentimeter länger und für den anderen kürzer. Wenn wir im fahrenden Zug sitzen und aus dem Fenster schauen, dann bewegt sich die Landschaft und wenn wir in der Landschaft stehen, dann bewegt sich der vorbeifahrende Zug. Neben der Geschwindigkeit hat aber auch noch die zurückgelegte Entfernung einen wesentlichen Einfluss, die eine Veränderung der Schwerkraft und eine Krümmung von Raum und Zeit mit sich bringt. Astronauten beispielsweise altern während ihres Aufenthaltes im Weltall physisch tatsächlich langsamer als wir hier auf der Erde.

The Time Machine – Vierdimensionale Zeitvorstellung (4D)

Im Zusammenhang mit der Relativitätstheorie kann man sich die Zeit auch visuell oder mathematisch als vierte Dimension (4D) vorstellen. Im Gegensatz zum dreidimensionalen Raum (wie man es von den 3D-Kinos kennt), der aus der Länge, Breite und Höhe besteht, wird die vierte Dimension noch um die eindimensionale Zeit besetzt. Diese Darstellung wird auch als Raumzeit oder Raum-Zeit-Kontinuum bezeichnet. Man kann sich das vorstellen wie eine achteckige Kiste (3D), wo sich in der Kiste noch eine weitere achteckige Kiste (3D) befindet. Beide Kisten sind miteinander verbunden und bilden zusammen einen Hyperraum in der vierten Dimension (4D). Im weiteren Verlauf schlängeln sich die beiden Kisten nun abwechselnd durch dessen zweidimensionale Quadrate (2D, z.B. Breite und Höhe). Anschaulich ist das im Roman The Time Machine (1895) vom Schriftsteller Herbert George Wells durch den Zeitreisenden erklärt. Dieser wurde mehrmals verfilmt, den ich dir hinsichtlich Zeitvorstellung unbedingt empfehle (deutscher Titel: Die Zeitmaschine).

Exkurs: Entwicklung der getakteten Zeit

Die getaktete Zeit wie wir sie heute kennen hat sich geschichtlich so entwickelt. Natürliche Sonnenuhren gab es bereits seit der Antike. Diese Uhren konnten nur tagsüber an Sonnentagen abgelesen werden, verliefen nicht gleichmäßig und waren auch nicht überall zeitgleich mit anderen Orten übereinstimmend. Seit dem Spätmittelalter wurden im christlichen Abendland zunehmend gleichmäßig laufende und getaktete mechanische Uhren verwendet. Kirchen und hohe Gebäude wurden mit Glocken ausgestattet, die zur vollen Stunden läuteten. Später kamen noch von außen sichtbare Stundenzeiger ohne Minutenzeiger hinzu. Der Bauer auf dem Feld orientierte sich immer weniger an den natürlichen und astronomischen Gegebenheiten, sondern mehr an die von der Obrigkeit vorgegebenen und für alle einheitlich geltenden Zeiten. Der Bezug zur Natur und das Wissen der Astrologie gingen entsprechend verloren. Bereits im Hochmittelalter spielte die bäuerliche Selbstversorgung eine immer weniger eine Rolle. Nebenprodukte wie Kleidung, Werkzeuge und Fuhrwerke wurden nicht mehr selbst, sondern von immer mehr Handwerkern gefertigt – die Zünfte entstanden. Die Städtegründungen unterstützen diesen Trend. Die Spezialisierungen und steigende Abhängigkeiten der Bauern und Handwerkern erforderten genauere Zeiten. Als die mechanischen Uhren Ende des 17. Jahrhunderts genauer wurden, folgten die groben Minuten. Wobei noch bis zu den Anfängen der Bahn viele Bahnhöfe unterschiedliche Zeiten aufwiesen. Und als die Industrialisierung dann Ende des 18. Jahrhunderts zunahm und das harte bäuerliche Leben spätestens nach den beiden Weltkriegen von den meisten Menschen aufgegeben wurden, um als Arbeiter und Angestellte ihren Lebensunterhalt in fremden Unternehmen zu bestreiten, wurden sekundengenaue Minuten für die Arbeitszeit und Produktion unausweichlich. Viele alte handwerkliche Berufe, die Vorreiter der Industrialisierung waren, verschwanden zunehmend dank des Industriezeitalters.

Vor der Erfindung der getakteten Zeit spielte die Zeit im Alltag kaum eine Rolle, solange man von seiner Arbeit über-/leben konnte. Man lebte im Moment und in zyklischen Abläufen. Die Tradition, erbliche Nachfolge, gesellschaftlich erwartete Rollen, Vorgaben der Zünfte, religiöse Zeremonien und regionale Gebundenheit waren einfach wichtiger. Erst mit der Industrialisierung und Liberalisierung nahm die Bedeutung für die Faktoren Zeit und Geld zu. Ausgaben und Einnahmen wurden gegenübergestellt. Um die Arbeitszeit und den zeitlichen Arbeitsaufwand genau kalkulieren zu können, musste die Zeit genauer werden. Genau getaktete Minuten- und Sekundenangaben waren für die immer größer werdenden und konkurrierenden Unternehmen überlebensnotwendig. Heute reichen selbst die Sekunden bei der Produktion und Logistik oft nicht mehr aus. Der Zeitfaktor Mensch wird immer teuer. Das digitale Zeitalter wird den Zeittrend und das Wachstum der Unternehmen sicherlich vorerst fortführen, aber den Menschen sich auch mehr selbst verwirklichen lassen können – weg vom abhängigen modernen Sklaven. Du siehst, die Zeit ist nichts anderes als eine Erfindung wie heute das Internet und die digitale Weiterentwicklung. Das gleiche gilt für die Tage, Wochen, Monate und Jahre.

Fazit

Diese veränderbare und von der Bewegung abhängige Zeitwahrnehmung zeigt, dass es keine absolute Zeit und Gleichzeitigkeit nach der gängigen Zeitvorstellung geben kann. Vielleicht kennst du das. Wenn wir uns im Raum nicht oder kaum bewegen (z.B. die Aussicht genießen), dann scheint die Zeit auf einmal still zu stehen. Wir sind im Moment angekommen. Und wenn wir viel tun und damit viel Raum einnehmen, dann scheint die Zeit wie im Fluge zu vergehen. Tätigkeiten die uns Freude bereiten scheinen schneller vorüberzugehen, als solche die keinen Spaß machen. Hier kann sich jeder seine Meinung bilden.