Werde Selbstversorger und versorge dich selbst

Vielfalt in einem Naturkreislauf vereint

Selbstversorger sein bedeutet mehr als nur sich selbst zu versorgen. Viele Angestellte wie Fachkräfte, Manager und Führungskräfte denken bei Freiheit, Unabhängigkeit und Selbstbestimmtheit gleich an die Selbstständigkeit. Dabei gibt es zwischen Angestellten und Selbständigen nicht einmal so große Unterschiede:

Beide sind auf irgendetwas spezialisiert und tauschen Lebenszeit mit Geld. Nur Unternehmer und Selbstversorger weichen davon ab. Im Gegensatz zum Unternehmer sind jedoch Selbstversorger kaum auf das Geld anderer angewiesen. Das macht sie unabhängig. Und Unabhängigkeit bedeutet Freiheit und Selbstbestimmtheit.

Es geht um so viel mehr

Selbstversorger haben erkannt, dass das Leben nicht nur aus Geld verdienen und Karriere machen besteht. Nicht wenige haben erst durch die Selbstversorgung zu sich selbst gefunden und den Sinn des Lebens erkannt. Andere wiederum sind dadurch erst wieder Gesund geworden. Oder erkannt das Loslassen befreit und weniger oft mehr ist.

Hier verwundert es nicht, dass viele Selbstversorger auch Minimalisten sind. Das dürfte alles dem bewussten Umgang mit der Natur, den Naturalien und sich selbst geschuldet sein.

Schädling und zugleich NützlingEin Selbstversorger durchlebt innerhalb eines geschlossenen und nachhaltigen Ökosystems die gesamten Arbeitsprozesse selbst – so wie auch das Universum untrennbar miteinander verbunden ist. Das was produziert wird, wird auch selbst wieder verbraucht. Leben und Tod stehen nahe beieinander. Der natürliche Kreislauf steht zusammen mit den universellen Gesetzmäßigkeiten ganz weit vorne.

Gewinne, Wachstum oder Zeit-gegen-Geld spielt bei Selbstversorgern hingegen kaum eine Rolle. Lehrmeister, Mitarbeiter und Kollegen sind die eigene Familie, Tiere, Pflanzen, Insekten, Bakterien und vielleicht noch einige Tauschpartner. Kurz, man ist von Arbeitgebern, Kunden und dem Staat weitgehend unabhängig und kann einfach sein Ding machen – je autarker desto stärker.

Wiese mit ObstbestandWas ein Selbstversorger so den ganzen Tag über treibt

Die eigene Versorgung mit den grundlegendsten Dingen steht für einen Selbstversorger ganz weit vorne: Getreide, Gemüse und Obst anbauen, Wildkräuter und Pilze sammeln, Holz ernten und Tierisches erzeugen. Das alles wird dann verarbeitet und ggf. haltbar gemacht.

Zwischendrin wird noch das handwerkliche Geschick für Kleidung, Haus und Hof bewiesen. Auch die Verarbeitung von Überschüssen für den Wochenmarkt oder Tauschkreis ist möglich. Alles im Naturkreislauf und ohne arbeitsteilige Trennung.

Selbstversorger kennen die Freiheit – nicht die Freizeit. Ausflüge sind reine Wissenserweiterungen.

Und doch gibt es Unterschiede

Kaninchen beim RelaxenJede Selbstversorgung ist einzigartig: Angefangen vom reinen Sammeln ohne eigene Grundstücke, über den Anbau auf den Balkon bzw. im Hausgarten oder mehrere verteilte Grundstücke, bis hin zum autarken Bauernhof mit viel Land drum herum.

Manche ohne Tiere mit regelmäßigen Fernreisen, andere mit Wald und Spezialmaschinen und andere wiederum sind noch nebenbei selbständig bzw. irgendwo angestellt oder haben sich auf etwas spezialisiert. Alles ist möglich.

Nach der Hauswirtschaft kam die Betriebswirtschaft

Die Selbstversorgung gab es schon immer. Naturvölker noch als Jäger und Sammler und später der Ackerbau mit der folgenden Staatenbildung und Zivilisation.

Noch bis zur Industrialisierung hatte im deutschsprachigen Raum die Hauswirtschaft eine primäre Rolle gespielt. Alte Zeiten im Odenwälder FreilandmuseumAlle Mitglieder wie Bauer, Weib, Kinder, Knecht, Magd und die unmittelbare Nachbarschaft bildeten im und um den Haushalt eine Wohn- und Arbeitseinheit, die mehr oder weniger das Leben jedes einzelnen sicherte. Ähnlich war die Kooperation mit Handwerkern innerhalb einer Dorfgemeinschaft.

Damit das funktionierte gab es eine klare Rollenverteilung. Heute würde man eher von solidarischer Gemeinschaft, Natural– oder Subsistenzwirtschaft sprechen. Die ärmeren unter ihnen waren landlos und mussten deshalb primär als Tagelöhner Geld oder Naturalien verdienen. Dennoch waren auch sie Selbstversorger (Kaninchen statt Kühe). Genauso wie damals tauschen heute noch „mittellose“ Menschen Lebenszeit mit Geld ein.

Obwohl es Ähnlichkeiten mit der damaligen Hauswirtschaft gibt, ist die Betriebswirtschaft in Unternehmen definitiv nicht dasselbe. Der Wohn-, Arbeitsort und die Arbeitsprozesse sind bei Angestellten strikt getrennt. Durch Spezialisierung kennen viele nur die einseitige Arbeitsbelastung, andere fachspezifischen Kenntnisse fehlen komplett. Angestellte sind jederzeit austauschbar und gelten als Kostenfaktor. Nicht die Bedürfnisse des abhängig Beschäftigten zählen, sondern ausschließlich die Ziele des Unternehmers bzw. der Anteileigner. Nicht selten wird konkurriert statt kooperiert.

Mache jetzt den Systemwechsel. Steige aus der Konsum- und Wegwerfgesellschaft aus und beziehe deinen Grundbedarf lieber über naturbezogene Kreisläufe. So bist du kaum noch auf das Geld anderer angewiesen.

“Ich brauche durchschnittlich nicht mehr als 15 Stunden in der Woche, um mich selbst zu versorgen. Das reicht völlig.”

Angestellte und die Abhängigkeit zum Geld

Angestellte sind einerseits Verbraucher über den Einzelhandel und andererseits Produzent über den Arbeitgeber. Alles schön getrennt. Als Verbraucher wird konsumiert und als Produzent ist man arbeitsteilig über die Industrie, das Handwerk oder als Dienstleister beteiligt. Die zentrale Motivation ist immer das Geld. Schulden verstärken das Ganze noch.

Und genau dort liegt die Abhängigkeit gegenüber dem Arbeitgeber, aber auch zum Sozialstaat und den Banken. Ohne Wohlwollen der Geldgeber können Angestellte nicht überleben. Wer wertloses Giralgeld möchte, der muss sich immer wieder unterordnen und sich nach fremden Regeln richten.

Karriere machen und gute Schulnoten bedeuten nichts anderes wie Anpassungsfähigkeit. Schule, Ausbildung und Studium bereitet alle Angestellten daraufhin vor. Nicht der eigene Wille und die freie Entfaltung zählt, sondern die staatlichen Lehrpläne und die praktische Umsetzung im Unternehmen.

Wem jahrzehntelang im 9/5-Job die Leidenschaft fehlt und wer die eigenen Werte tagtäglich unterdrückt, wird früher oder später unter Burnout oder chronische Krankheiten leiden. Körperliche Leiden spiegeln nicht selten ein seelisches Ungleichgewicht. Viele Angestellte sind schlichtweg abhängig, unfrei, fremdbestimmt und unmotiviert.

Selbstversorger haben eine andere Währung

Viele Angestellte können sich einfach nicht vorstellen, dass man mit der eigenen Selbstversorgung weitgehend auch ohne Geld gut leben kann. Das bringt ihr fremdbestimmtes Weltbild völlig durcheinander. Manche scheuen auch nur die Arbeit, die aber zeitlich betrachtet sogar deutlich unter denen eines Angestellten liegt.

Währung von SelbstversorgernDie Währung von uns Selbstversorgern ist wie bei den Naturvölkern das Sonnenlicht für die Photosynthese, Wasser für den Durst, der Wind für die Bestäubung, fruchtbarer Boden für das Wachstum und alle anderen natürlichen Ressourcen. Also alles Gottgegebene.

Bis zur Industrialisierung hinein war so gut wie jeder noch Selbstversorger. Spätestens seit dem Wirtschaftswunder starb die Selbstversorgung jedoch systembedingt über die Jahrzehnte weitgehend aus. Das Geld, die Freizeit, der Materialismus und Konsum wurden immer wichtiger. Heute machen wir Selbstversorger das Ganze aus Überzeugung und Leidenschaft.

Viele Selbstversorger sind hoch qualifiziert und könnten in der Wirtschaft viel Geld verdienen – tun es aber nicht. Die Gründe sind dabei vielfältig: Manche wollen einfach nur den getakteten Arbeitsdruck entkommen, sich biologisch vom eigenen Garten ernähren, täglich etwas sinnvolles machen und andere wiederum fühlen sich zur Natur hingezogen, möchten der Umweltzerstörung bzw. Wegwerfgesellschaft entgegenwirken, das Tierleid beenden oder ein politisches Zeichen setzen.

Uns Selbstversorger gibt es schlichtweg nicht

Die meisten Menschen sind heute eindeutig die abhängig Beschäftigten – Fachkräfte, Manager, Führungskräfte und einige mehr. Danach kommen die Selbständigen und Unternehmer selbst – wozu auch Land- und Forstwirte gehören. Erst dann kommen irgendwann wir Selbstversorger. Hier verwundert es nicht, dass fast alle politischen Entscheidungen und die Medien auf die großen Zielgruppen ausgerichtet sind. Politiker wollen wiedergewählt und die Lobbyisten unterstützt werden.

Viele Verbote und EinschränkungenPolitisch ist die Selbstversorgung nicht gewünscht: Wenn alle autark leben würden, dann würden konsum- und wachstumsorientierte Systeme sofort in sich zusammenbrechen und die Menschen wären frei – die meisten Umweltprobleme und Gesundheitsprobleme gleich mit gelöst. Und genau das mögen macht- und geldgetriebene Eliten überhaupt nicht. Gesetze und Richtlinien sehen entsprechend aus.

Der bürokratische Aufwand kann für einen Selbstversorger demnach sehr hoch sein. Viele Dinge die bei unseren Großeltern noch erlaubt waren sind heute verboten und andere wiederum unterliegen der Meldepflicht, Überwachung, Sachkunde und Genehmigung. Das meiste von der Europäischen Union. Hier ein Video-Beispiel wie komplex das Ganze sein kann.

Der Wandel hat schon längst begonnen

Immer mehr Selbstversorger sind auch digital unterwegs und vernetzen sich. Das ist dem geschuldet, da Gleichgesinnte nicht gerade ums Eck wohnen. Man unterstützt sich, lernt voneinander oder tauscht untereinander. Kooperieren statt Konkurrieren.

Manche verdienen sich nebenbei noch etwas, um die Dinge zu bezahlen, die nicht ohne Geld beglichen werden können (Tribute). Andere wiederum bauen sich mit anderen Selbstversorgern eine neue bewusste Gesellschaft auf. Statt als Einzelkämpfer versuchen sie sich manche in einer geldlosen Gemeinschaft. Angefangen vom einfachen Netzwerk einzelner über eine Interessengemeinschaft bis hin zu einer nach außen geschlossenen Wohn- oder Dorfgemeinschaft.

Entweder es steht primär die eigene Selbstversorgung oder die der Gemeinschaft im Vordergrund, wo letzteres auch reine Spezialisierungen entstehen können. Alles was selbst nicht gestemmt werden kann, wird möglichst mit Naturalien oder durch Eigenleistung getauscht. Tauschringe sind gute Beispiele dafür. Andere wiederum verschenken bedingungslos ihren Überfluss. Die Varianten sind einfach vielfältig.