Unerwünschte Werbung und Zeitung im Briefkasten

Wer kennt nicht die ganzen Flyer, Handzettel, Wurf- und Reklamesendungen von Unternehmen, Parteien und Religionsgemeinschaften. Die Rede ist von Werbung in Briefkästen und Zeitungsrohren. Meist unpersönlich, aber auch teil- oder persönlich adressiert.

Hinzu kommen noch kostenlose Zeitungen, Magazine und Broschüren, die zwar Werbematerial oder Werbeanzeigen enthalten, aber wegen des redaktionellen Inhalts nicht als Werbung zählen. Deshalb bringen auch Werbestopper nichts.

Werbung im Briefkasten und Zeitungsrohr musst du explizit widersprechen (Opt-out)

Es ist schon verrückt. Wenn dir jemand privat eine „absatzfördernde“ E-Mail schreibt, dann braucht der Absender vorher dein Einverständnis (Opt-in). Newsletter sind so ein Beispiel. Sollte hingegen derselbe Absender dir denselben Inhalt auf dem Postweg schicken, dann musst du diesem explizit widersprechen (Opt-out). So sieht ganz grob die Rechtslage aus.

Deine Daten für teiladressierte und persönlich adressierte Sendungen bekommen Werbende zum Beispiel von öffentlichen Verzeichnissen, anderen Unternehmen, amtlichen Melderegistern, Verträgen bzw. Kontakten mit dir oder vom Adresshandel. Um deine Daten zu nutzen oder herauszugeben, reicht meist schon ein berechtigtes Interesse oder (ehemaliges) Vertragsverhältnis aus. Du musst nicht immer gefragt werden.

Und das Beste: Alle außer dir verdienen daran, wenn du der Werbung nicht widersprichst. Selbst Behörden verdienen mit und die Abfallwirtschaft profitiert davon. Wenn du dich jetzt noch von der Werbung einlullen lässt und was kaufst, dann verlierst du sogar noch Geld nebst Steuern und Lebenszeit. Bewusster Konsum sieht anders aus.

So wirst du die Werbung im Briefkasten fast los

Zugegeben, ganz werbefrei wirst du wohl nie sein. Alleine schon aus dem Grund, da uns Menschen im Alltag schnell „Fehler“ passieren und wir in einem so absurdem System leben. Was wir aber tun können, ist die Werbeflut zu reduzieren. Und das tun wir, indem wir diesem klar und deutlich widersprechen (Opt-out).

    • Beschrifte deinen Briefkasten mit „Keine Werbung“. Hierfür gibt es spezielle Aufkleber in vielen Baumärkten und Onlineshops. Damit hältst du alle nicht-adressierten Werbesendungen und Werbung politischer Parteien fern. Das gilt auch gegenüber teiladressierten Sendungen (z.B. „an die Bewohner des Hauses …“) von werbenden Unternehmen, jedoch nicht unbedingt für den Zusteller (Meinungen gehen stark auseinander).

Keine Werbung

    • Wenn du darüber hinaus keine Anzeigeblätter möchtest, dann verwende „Keine Werbung und keine kostenlosen Zeitungen [Wochenblätter, Magazine etc.]“ oder Ähnliches. Diese bekommst du kostenlos bei Werbeblocker.org und Wohllebens Waldakademie (ggf. Versandkosten) oder drucke dir einen geeigneten Text aus und laminiere es wettergeschützt ein.

Keine Werbung und keine kostenlosen Zeitungen!

    • Überlege dir immer, wem du deine Daten gibst und mit wem du Verträge eingehst. Je weniger Probeabos du eingehst, du an Umfragen oder Gewinnspielen teilnimmst und so weiter, desto weniger Werbung wirst du letztendlich bekommen. Denn ohne Datenbestand, keine personalisierte Werbung.

„schließe nicht mehr Verträge ab, als unbedingt nötig“

    • Lass dich kostenlos auf die großen Robinsonlisten setzen. Werbende können so ihre Werbelisten abgleichen und unerwünschte Kontakte wie dich löschen. Das hilft aber nur bei personalisierten Werbesendungen und wo du kein Kunde bist oder sonst nicht zugestimmt hast. Von Werbenden, die diese Listen nicht abgleichen, bekommst du weiterhin adressierte Werbung. Und lass dich nur in solchen Robinsonlisten eintragen, die nichts kosten und wo du nichts unterschreiben brauchst. Alles andere ist unseriös.

Deutschland: Robinsonliste und DDV

Schweiz: SDV Konsumenteninfo

Österreich: ECG-Liste (nur E-Mail)

    • Verweigere die Annahme und schicke den Brief zurück. Nehme den ungeöffneten Brief, schreibe „Annahme verweigert“ darauf und werfe ihn in den nächsten öffentlichen und richtigen (!) Briefkasten. Dann brauchst du kein Porto zu zahlen. Oder verweigere die Annahme gleich bei der Zustellung, wenn du den Zusteller antriffst.

Annahme verweigert

    • Schreibe das betreffende Werbeunternehmen an:

(1) Fordere, die Zusendung von Werbematerialien zukünftig zu unterlassen

und / oder

(2) Widerspreche der Verarbeitung deiner personenbezogenen Daten zum Zweck der Direktwerbung. Ein Beispiel:

„hiermit widerspreche ich der Verarbeitung meiner personenbezogenen Daten zum Zweck der Direktwerbung“

Grundlage ist u.a. Art. 21 DSGVO. Oft steckt keine böse Absicht dahinter, sollte sich aber ein Werbender hartnäckig zeigen, dann bleibt eigentlich nur der Weg zur Datenschutzbehörde. Die können dann Bußgelder verhängen.

    • Gehe zur Meldebehörde des Wohnsitzes und widerspreche der Auskunftserteilung. Hilft nur bedingt gegenüber Mandatsträgern, Presse und Rundfunk (Alters- und Ehejubiläen), Bundeswehr, Religionsgemeinschaft, Adressbuchverlage, Parteien und Vergleichbares.
       

      Eine Auskunft an werbende Unternehmen ist damit nicht ausgeschlossen, auch wenn die Daten theoretisch nicht für Werbung verarbeitet werden dürfen. Du könntest auch eine Auskunftssperre beantragen, hierzu brauchst du aber unbedingt ein „schutzwürdiges Interesse“.

Im Interesse aller

Wenn du das mehr oder weniger umsetzt, dann handelst du im Interesse aller. Nicht nur unserer Umwelt und deiner Lebenszeit zuliebe, auch Zusteller und letztendlich Werbeträger wissen dann genau, dass du an Werbung nicht interessierst bist. Es bringt ja nichts, wenn die Flyer, Zeitungen etc. ungelesen im Mülleimer landen.