Tiere sind wunderbare Wesen. Als Wegbegleiter geben sie uns viel Mitgefühl und Liebe. Darüber hinaus lassen sich mit Nutztieren viele tierische Produkte wie Pullover, Käse, Butter, Pflegeartikel herstellen und als natürlicher Pflanzenschutz verwenden. Dabei stehen Leben und Tod nahe beieinander. Auf pflanzliche Nahrung können wir Menschen nicht verzichten, auf tierische hingegen im großen und ganzen schon. Manche Nährstoffe kann man mit Pflanzen ausgleichen, aber eben nicht alle. Es spricht daher nichts dagegen gelegentlich ein Stück Fleisch, Buttermilch und ein paar Eier zu essen. Zuviel davon macht jedoch Krank. Im Gegensatz zur konventionellen Massentierhaltung hat ein Selbstversorger das Tierwohl und die Qualität der tierischen Erzeugnisse selbst in der Hand. Ein halbes Hähnchen für ein paar Euro gibt es bei uns Selbstversorgern nicht. Auch wenn wir auf tierische Erzeugnisse komplett verzichten, lässt sich die Selbstversorgung ohne tierische Unterstützung nicht realisieren. Die Natur kennt ja auch keine Trennung zwischen Mensch, Tier (wozu ich auch Insekten zähle) und Pflanze. Alles ist ein Geben und Nehmen. Alle kultivierten Pflanzen müssen beispielsweise früher oder später mit natürlichen Mist gedüngt werden. Pflanzlicher Kompost reicht nicht aus. Hier bleibt nur die Tiere selbst zu halten oder die tierischen Erzeugnisse anderweitig zu besorgen.

Vom Wildtier zum Nutztier oder Heimtier

Wildtiere wie Wildschwein, Reh und Wolf sind herrenlos und leben weitgehend unabhängig von uns Menschen. Spätestens mit der Sesshaftigkeit und dem Ackerbau wurden ursprünglich wild lebende Tiere vom Menschen domestiziert. Diese wurden also von ihren Artgenossen über mehrere Generationen möglichst genetisch isoliert und in der genetischen Entwicklung beeinflusst. Aus dieser gezielten Züchtung und Auslese entstand sozusagen eine Vielfalt neuer Arten: Unsere Haustiere waren geboren. Überlebensfähig dürften unsere Liebsten in der Wildnis nicht mehr sein (z.B. ein weißes Kaninchen), dafür bringen Nutztiere (z.B. Hühner, Wachtel, Schaf, Ziege, Schwein, Rind, Pferd, Esel) und Heimtiere (z.B. Katze, Hund, nicht domestizierte Schlangen) viele der gewünschten Eigenschaften mit sich. Bei Nutztieren sind insbesondere die höheren Erträge von u.a. Milch, Eier, Fleisch, Honig und Wolle zu Ernährungs- und Bekleidungszwecken zu nennen. Heutzutage sterben viele dieser Nutztiere jedoch aus, da sich die industrielle Landwirtschaft nur noch auf ein handvoll leidender „Hochleistungstiere“ konzentriert (Massentierhaltung) und die Nachfrage bestimmter Eigenschaften nicht mehr vorhanden ist (z.B. pflanzliche Baumwolle statt tierische Wolle). Und genau hier sind wir Selbstversorger die Garanten der Artenvielfalt, da wir genau diese altbewährten Eigenschaften (Robustheit, Krankheitsresistenzen, Vielfalt usw.) von Nutztieren für unsere unabhängige Versorgung benötigen. Das gleiche gilt für domestizierte Pflanzen. Umgekehrt entstehen aber auch heute noch domestizierte Tiere: Einerseits bewusst durch gezielte Züchtung und andererseits durch die veränderten Umweltbedingungen. Wir dürfen nicht vergessen, dass auch Wildtiere den menschlichen Einflüssen unterliegen (z.B. Flächenrückgang) und so die genetische Entwicklung beeinflusst wird.

Einfach tierisch

Tiere gehören zusammen mit den Insekten und Pflanzen zu einem gesunden Ökosystem einfach dazu. Was aber nicht bedeutet, dass du jetzt als angehender Selbstversorger unbedingt Nutztiere halten musst und vielleicht wieder zum Fleischesser wirst. Du kannst auch bereits vorhandene Wildtiere wie Insekten, Eidechsen, Vögel und Igel fest in dein Selbstversorger- und Ökosystem mit einbinden, wobei sich die Artenvielfalt in dicht besiedelten Ballungsräumen und reinen Monokulturgebieten sicherlich in Grenzen hält. Oder du hältst nur Nutztiere ohne Schlachtung, um andere tierische Erzeugnisse wie den leckeren Honig, Bienenwachs als Schuhcreme, Eier fürs Spätzle oder Spiegelei, Milch zum Käsen oder Buttern, Mist für den Garten und Schafwolle für die Kleidung oder als natürlicher Dünger zu gewinnen. Auch das Holzrücken, der Pflanzenschutz, die Blütenbestäubung, Landschaftspflege und Bodenbearbeitung lässt sich gut mit Nutztieren umsetzen. Wen du allerdings nicht auf das leckere Fleisch verzichten möchtest, dann solltest du ab sofort kein Fleisch mehr aus unbestimmter Herkunft im Supermarkt kaufen, sondern lieber deine eigenen Nutztiere artgerecht halten. Das Tierwohl, die Haltungsform und Schlachtung liegt dann bei dir selbst, wobei man letzteres auch von einem vertrauenswürdigen Schlachthof erledigen lassen kann. So kannst du dazu beitragen, dass sich die industrielle Massentierhaltung und das Tierleid reduziert. Viele Nutztiere sind daraufhin gezüchtet worden, das sie wegen ihrer gezüchteten Eigenschaften irgendwann einmal geschlachtet werden. Tut wir das nicht, dann leiden die Tiere im höheren Alter nur unnötig. Deshalb ist es bei bestimmten Tierarten manchmal besser diese vorzeitig zu schlachten und einen Nutzen daraus zu ziehen. Oder du hältst nur solche Tiere, die für ein hohes Alter ausgelegt sind. Wer Tiere hält, muss sich der Verantwortung unbedingt bewusst werden. Tiere haben immer Vorrang, auch vor sich selbst. Nur einmal täglich füttern reicht definitiv nicht aus: Ausmisten, nachschauen, Geburten, Tierpersönlichkeit, Tierarztbesuche, krankheitsbedingte Nottötung, ggf. Schlachtung und vieles mehr gehört einfach mit dazu.

Grundsätzliches – Veterinäramt, Tierseuchenkasse und SVLFG

Angefangen vom Grundgesetz über das Tierschutzgesetz und EU-Verordnungen bis hin zur Auslegung der Bestimmungen durch die Behörden. Als Tierhalter unterliegst du direkt oder indirekt der Überwachung durch das örtliche Veterinäramt. Diese ist entweder in deinem Land-/Kreis oder deiner kreisfreien Stadt angegliedert. Das ist sozusagen die Überwachungszentrale vieler Gesetze und Verordnungen die dich und deine Tiere betreffen. Viele Dinge sind verboten und andere wiederum unterliegen neben der Überwachung der Anzeigepflicht, Dokumentation, Sachkunde, Genehmigung oder eines Sachkundenachweises. Die gute Nachricht ist aber: Anfangs ist der bürokratische Aufwand wirklich sehr hoch. Alles ist für dich Neuland. Aber sobald du mit deinen Tieren erst einmal amtlich gemeldet bist, dann automatisiert sich auch vieles. Auf ein paar mehr Tiere kommt es dann auch nicht mehr an. Ähnlich, jedoch mit anderer Zuständigkeit, ist es gegenüber der Tierseuchenkasse und für manche auch in den Sozialversicherungszweigen der SVLFG. Die meisten für dich verbindlichen Regelungen kommen direkt oder indirekt von der Europäischen Union. Das bedeutet: Wenn du das nicht möchtest, dann musst du ins außereuropäische Ausland auswandern oder einen EU-Staat oder Region finden, die viele dieser unsinnigen Regelungen in der Praxis nicht umsetzen (das gibt es tatsächlich noch). Oder du lässt dich nicht erwischen;-)

Mindestanforderungen an das Tierwohl

In der Europäischen Union gibt es eine Verordnung, die u.a. die Begriffe Tier, Nutztier, Wildtier und Heimtier definiert (Art. 3 der Verordnung (EG) Nr. 1069/2009). Diese hat in den Mitgliedsstaaten unmittelbare Geltung. Damit wird eine klare rechtliche Trennung und die unterschiedliche Behandlung von Tieren bereits klargestellt. In Deutschland steht im Bürgerlichen Gesetzbuch: „Tiere sind keine Sachen. Sie werden durch besondere Gesetze geschützt. Auf sie sind die für Sachen geltenden Vorschriften entsprechend anzuwenden, soweit nicht etwas anderes bestimmt ist“ (§ 90a BGB). Daraus leitet sich bereits ab, dass es noch weitere Gesetze und Vorschriften geben muss. Und tatsächlich. Eines davon ist das Tierschutzgesetz (TierSchG), dass jeden Tierhalter betrifft und u.a. die grundlegendsten Anforderungen an die Haltung und Tötung von Tieren stellt. Wer Nutztiere zu Erwerbszwecken hält muss sich darüber hinaus noch an die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung (TierSchNutztV) halten, die konkret auf die Anforderungen von Kälbern, Legehennen, Masthühnern, Schweinen, Kaninchen und Pelztieren eingeht. Bestimmte Tiere wiederum haben sogar ein eigenes Gesetz, beispielsweise die Hundegesetze in manchen Bundesländern. Und auch auf herrenlose Wildtiere greifen diverse Regelungen zu (z.B. BNatSchG, BJagdG, JWMG). Das sind nur einige Beispiele, die aber bereits deutlich macht, dass Tiere unterschiedlich behandelt werden müssen und sich die Mindestanforderungen für die Tiere auf verschiedene Vorschriften verstreuen können. Zumal die übergeordneten Gesetze sehr Allgemein gehalten sind, was zuständige Behörden und Gerichte zu ihren Gunsten auslegen können. Was du deinen Tieren zumutest und was noch zulässig ist, hängt demnach vom eingesetzten Zweck (Nutz- oder Heimtier), von der Tierart und Örtlichkeit ab. Den letzteres haben auch die örtlichen Veterinärämter ein Wörtchen mitzureden. Als Tierhalter bist du (nicht das Tier) deutlich besser dran, wenn du das Tier als Nutztier hältst. Hier liegen die geringsten rechtlichen Anforderungen. Das sieht man in der industriellen Landwirtschaft und den Schlachtbetrieben immer wieder. Leider nicht immer zum Wohle der Tiere – insbesondere in der Massentierhaltung. Umgekehrt genießen Heimtiere die vollsten möglichen Tierrechte. Mit Heimtieren könnte man niemals das machen, was man mit Nutztieren machen kann. Und genau hier kommen wir Selbstversorger ins Spiel. Rechtlich gelten viele von uns nicht als (erwerbsmäßige) Landwirte. Andererseits nutzen wir viele unserer Tiere aber als Nutztiere. Das passt nach den Vorstellungen der politischen Elite nicht zusammen. Hier ist es manchmal schwer zu sagen, wie viel Platz wir beispielsweise unseren Tieren zugestehen müssen. Nutztiere haben rechtlich betrachtet nämlich andere Anforderungen als Heimtiere. Wobei diese Unterscheidung für uns Selbstversorger keine Rolle spielen darf. Denn egal ob Nutz-, Wild- oder Haustier, alle Tiere sind beseelte Wesen, denen man die bestmögliche und artgerechteste Haltungsform auch bieten sollte. Das übertrifft alle gesetzlichen Anforderungen. Die Tiere werden es dir mit leckeren Eiern und Honig danken. Alles ist ein Geben und Nehmen (Karma). Weiterhin sollten wir Selbstversorger und Tierhalter Vorbilder gegenüber der teils kranken Gesellschaft sein und zeigen das es auch anders geht.

Kleintiere sind relativ unbürokratisch

Aus rechtlicher Sicht ist es am besten nur kleine Nutztiere (hier Kleintiere genannt) wie Kaninchen, Meerschweinchen, Geflügel und vielleicht noch ein paar Bienenvölker ausschließlich für die eigene Selbstversorgung zu halten. Dann vermeidest du unter anderem die bei Schlachtung lästige amtliche Schlachttier- und Fleischuntersuchung – zumindest solange du keine bedenklichen Merkmale am Tierkörper feststellst. Allerdings gelten bei der Schlachtung und die Tierhaltung an sich die gleichen Grundsätze wie bei Huftieren auch. Kaninchen und Co benötigen überhaupt keine Anzeige gegenüber dem Veterinäramt. Andere Kleintiere wie Hühner, Enten, Fasane, Perlhühner, Rebhühner, Tauben, Truthühner, Wachteln oder Bienenvölker sind zwar von der Anzahl (Durchschnitt) her anzeigepflichtig (§ 26 ViehVerkV§ 1a BienSeuchV), diese müssen aber nicht individuell gekennzeichnet werden. In manchen Bundesländern besteht nicht einmal eine Melde- und Beitragspflicht zur Tierseuchenkasse. Die Dokumentationspflichten musst du jedoch bei allen angezeigten Tieren einhalten (es gibt Mustervorlagen) – dass wird bei Kontrollen immer gefragt. Bei Geflügel besteht auch eine allgemeine Impfpflicht (GeflPestSchV). Deine Hühner und Truthühner (Puten) müssen daher kostenpflichtig gegen die Newcastle-Krankheit geimpft werden. Dazu muss ein Tierarzt neben der Grundimpfung regelmäßig zu dir kommen und den Impfstoff über die Tränke, Augen oder das Nasenloch verabreichen (§ 43 TierImpfStV). Die Kosten sind für ein paar Hühner und Puten entsprechend hoch. Als „gewerblicher“ oder „beruflicher“ Tierhalter könntest du das noch selbst tun (§ 44 TierImpfStV). Manche Tierhalter mit kleinen Bestand verabreichen den Impfstoff noch selbst, nachdem der bereits „zubereitete“ Impfstoff in ausgewählten Tierarztpraxen oder auch Kleintierzuchtvereinen zu festen Terminen abholt wurde. Hier kann es Absprachen mit den örtlichen Veterinäramt geben. Das spart Kosten für den Tierarzt und Impfstoff (der eigentlich für 500+ Hühner vorgesehen ist). Andere Geflügel müssen theoretisch auch geimpft werden. Allerdings gibt es nicht immer ein zugelassener Impfstoff, was eine Impfung unmöglich macht. Wachteln und Fasane gehören beispielsweise dazu. Wenn du also wie ich nichts von Impfungen hältst, dann sind zum Beispiel Wachteln die bessere Lösung für dich. Zumal diese deutlich weniger Platz brauchen als Hühner. Die gekauften Eiern in Supermärkten sind alle von geimpften Hühnern. Noch ein großer Vorteil von Kleintieren ist es, dass diese fast überall gehalten werden können und mit dem Bau- oder Mietrecht kaum in Berührung kommen (hier gibt es einige Urteile). Also auch in Wohngebieten oder auf Freizeitgrundstücken. Und wenn du mal Überschüsse an tierischen Erzeugnissen wie „unsortierte Eier“ und Honig haben solltest, dann kannst du das relativ einfach „ab Hof“ verkaufen oder tauschen. Das ist bei Fleischerzeugnissen und im Einzelhandel so nicht möglich. Allerdings sind auch hier die Vorschriften sehr umfangreich, was den Rahmen dieses Artikels übertreffen würde.

Huftiere haben die strengsten Regelungen

Bei domestizierten Huftieren wie Rindern, Schweinen, Schafe, Ziegen und Einhufern (Pferde, Esel, Maultiere usw.) sieht das schon ganz anders aus. Hier wird jedes einzelne Tier überwacht. Zuerst einmal musst du diese gegenüber dem örtlichen Veterinäramt anzeigen (§ 26 ViehVerkV). Bei Schweinen, Schafen und Ziegen wird dann noch eine jährliche Bestandsmeldung von dir verlangt (§ 26 Abs. 3 ViehVerkV). Zusätzlich müssen Rinder, Schafe, Ziegen, Schweine und Einhufer mit amtlichen Ohrmarken, Mikrochip oder anderen Transpondern gekennzeichnet werden (Verordnung (EG) Nr. 911/2004; §§ 27, 34, 39 und 44 ViehVerkV). In den meisten Fällen besteht darüber hinaus noch eine Melde- und Beitragspflicht zur Tierseuchenkasse. Das ist aber von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Wenn du deine Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen und Einhufer schlachten möchtest, dann ist noch ein amtstierärztliche Schlachttieruntersuchung vor (Befreiung möglich) und Fleischuntersuchung nach der Schlachtung erforderlich. Bei bestimmten Tieren wie Schweine und Einhufer kommt noch eine Trichinenuntersuchung hinzu. Die Entsorgung von Schlachtabfällen (Konfiskat) und Kadavern darf dabei nur über vorgeschriebene Wege und zugelassene Fachbetriebe erfolgen (Tierkörperbeseitigung, z.B. TierNebV, TierNebG). Für die Betreuung, Ruhigstellung, Betäubung, Schlachtung und Tötung werden zwar Kenntnisse und Fähigkeiten (Sachkunde) von dir verlangt, du benötigst allerdings keinen Sachkundenachweis (wichtig ist nur das das Tier nicht leidet). Zumindest solange du nur Hausschlachtungen durchführst und nicht berufs- oder gewerbsmäßig tätig bist (Art. 21 Verordnung (EG) Nr. 1099/2009; § 4 Abs. 1a TierSchG; § 4 TierSchlV). Das setzt aber voraus, dass du dein bei dir Zuhause gewonnenes Fleisch ausschließlich in deinen eigenen Haushalt verwendest. Ein Verschenken oder Verkaufen deiner tierischen Erzeugnisse an Bekannte, Freunde, Tauschpartner oder über den Wochenmarkt ist somit rechtlich ausgeschlossen. Ansonsten kann es erforderlich sein, die Schlachtung in einen zugelassenen Schlachthof durchführen zu lassen. Beachten sollte man noch, das Huftiere nicht überall untergebracht werden dürfen. In reinen Wohngebieten kann es da schnell mit Nachbarn zu Problemen kommen. Landwirtschaftliche Flächen wie eine Wiese sind hier viel besser geeignet. Und auch die bauliche Unterbringung deiner Tiere sollte vorher geklärt werden, nicht das baurechtlich noch etwas im Wege steht.

Ohne Bienen läuft nichts

Eigene Bienen sind faszinierend. Honigbienen erfreuen sich seit dem großen Insektensterben wieder großer Beliebtheit, wohingegen wild lebende Insekten wie Wildbienen seit den letzten Jahrzehnten dramatisch aussterben (bisher bis zu 80% ist die Rede). Die Folge sind das Aussterben der heimischen Vögel und Pflanzen, da diese keine Nahrung mehr finden bzw. keine Bestäubung mehr stattfindet. Viele Insekten haben sich dabei auf eine Pflanzenart und viele Vögel auf eine Insektenart spezialisiert. Für uns Selbstversorger und indirekt auch für den Rest der Menschheit sind Insekten daher überlebenswichtig. Mit Honigbienen können wir einen Ausgleich schaffen, aber ohne wild lebende Insekten niemals das Ökosystem aufrecht erhalten. Honigbienen bestäuben unsere Obstbäume und produzieren für uns Selbstversorger den so süßen Honig, Wachs für die Schuhe, Propolis für Wunden und einiges mehr. Es gibt diverse Behausungen für die nützlichen Honigbienen, die bekannteste dürfte wohl die Magazinbeute mit den zusammenhängenden Zargen und innen befindlichen Rähmchen bzw. Waben sein. Wer es lieber traditionell mag kann auch auf Klotzbeuten oder Korbbeuten zurückgreifen. Andere modernere Varianten sind für Anfänger auch interessant, allerdings macht man sich teilweise von bestimmten Lieferanten abhängig. Wenn du handwerklich etwas begabt bist, dann kannst du die Beuten auch selbst bauen (Anleitungen im Internet). Zwei bis drei Magazinbeuten reichen für den Selbstversorgerhaushalt vollkommen aus. Wenn du jetzt loslegen möchtest, dann solltest du dir zuerst das notwendige Bienenwissen aneignen und dich möglichst von einem erfahrenen Imker in den ersten Jahre begleiten lassen. Anfängerfehler und zu spätes eingreifen kann zum Verlust deiner ganzen Bienenvölker führen (z.B. Varroamilbe, Königinverlust, Bienenschwarm) – das geht ganz schnell.

Ob du es glaubst oder nicht: Baurechtlich zählen selbst die kleinen mobilen Beuten als bauliche Anlage und deshalb benötigst du in manchen Bundesländern zumindest theoretisch eine Baugenehmigung. Ich kenne allerdings keinen Imker der diesen jemals beantragt hat. Wenn du dich auf die Selbstversorgung begrenzt und höchstens gelegentlich ein paar Honiggläser verkaufst, dann zählt das ganze – bis zu 30 Bienenvölker – einkommensteuerrechtlich als Liebhaberei (Umsatzsteuer kann beim Verkauf trotzdem anfallen). Und gegenüber der landwirtschaftlichen Sozialversicherung (SVLFG) entsteht nur eine beitragspflichtige Mitgliedschaft, sobald das ganze gewerblich mit mehr als 25 (Berufsgenossenschaft) bzw. 100 Völker (Alters-, Kranken, Pflegekasse) oder neben bzw. als Bestandteil einer Landwirtschaft betrieben wird. Angezeigt werden müssen deine Bienenvölker mit Anzahl und Standort aber unbedingt beim zuständigen Veterinäramt, woraufhin du eine Registriernummer erhältst. Diesem musst du eine amtliche und gültige Gesundheitsbescheinigung aus dem Herkunftskreis der Bienenvölker einreichen, dass sicherstellt das deine Bienen keine Amerikanische Faulbrut haben und auch nicht aus solch einem Sperrgebiet stammen. Solange sich die Bienen im gleichen Landkreis bzw. kreisfreien Stadt befinden (gleiche Amtszuständigkeit), kann erfahrungsgemäß auf die Bescheinigung verzichtet werden. Wenn die Bienenvölker nur vorübergehend an einem Ort aufgestellt werden (z.B. Bienenwanderung), so muss zusätzlich ein Schild mit Völkeranzahl, Name uns Anschrift mit angebracht werden. Grundlage hierfür ist insbesondere die Bienenseuchen-Verordnung. Weiterhin müssen deine Bienen bei der Tierseuchenkasse angezeigt werden. Die Meldepflichten, genauen Regelungen und Beitragskosten unterscheiden sich jedoch in jedem Bundesland. Wegen des großen Insektensterbens wird aber zunehmend auf die Beiträge in manchen Bundesländern verzichtet. Beim Honigverkauf kommen noch weitere Regelungen dazu. Imkervereine oder das Internet können dir dabei helfen.

Zu guter Letzt

Ich hoffe ich konnte dich etwas in die allgemeine Tierhaltung einführen. Das ist aber noch lange nicht alles. Auf andere relevante Anforderungen bin ich hier überhaupt nicht eingegangen, da diese stark von der einzelnen Tierart abhängt. Zeitliches, Finanzielles, weitere Vorschriften und solche Dinge. Am besten du schaust erst einmal, welche Tiere für dich überhaupt in Frage kommen. Anschließend kannst du dich detailliert mit den Anforderungen deiner Wunschtiere befassen. Und lasse dich von den ganzen Vorschriften und Staatsdienern nicht abschrecken. Das Leben hat dir diese Aufgabe gestellt, dann wirst du auch Mittel und Wege finden. Schaue immer über den Tellerrand hinaus und mache es dir nicht so kompliziert.