In einem natürlichen Kreislauf gehören Tiere einfach dazu. Egal ob Nutz-, Heim- oder Wildtier: Alle sind sie unsere Wegbegleiter und versorgen uns mit Eiern, Milch, Fleisch, Wolle und vieles mehr, aus denen wir dann leckere Spiegeleier, Butter, Käse, Braten, Pflegeartikel und warme Pullover herstellen. Unseren Pflanzen geben Tiere mit ihren Hinterlassenschaften einen wertvollen Naturdünger ab. Wer den Aufwand nicht scheut, auf das Tierwohl bedacht ist und biologische Erzeugnisse möchte, kommt um die eigene Tierhaltung einfach nicht herum.

Vom Wildtier zum Nutztier oder Heimtier

Wildtiere wie Wildschwein, Reh, Hase und Wolf sind herrenlos und leben weitgehend unabhängig von uns Menschen. Spätestens mit der Sesshaftigkeit und dem Ackerbau wurden ursprünglich wildlebende Tiere vom Menschen domestiziert. Diese wurden also von ihren Artgenossen über mehrere Generationen genetisch isoliert und in der genetischen Entwicklung beeinflusst. Aus dieser gezielten Züchtung und Auslese entstand sozusagen eine Vielfalt neuer Arten: Unsere Haustiere waren geboren.

Überlebensfähig dürften unsere Liebsten in der Wildnis nicht mehr sein (z.B. weißes Kaninchen), dafür bringen Heimtiere (z.B. Katze, Hund) und Nutztiere (z.B. Hühner, Schaf, Ziege, Schwein, Rind, Pferd) viele der gewünschten Eigenschaften mit sich. Letzteres sind insbesondere die höheren Erträge von u.a. Milch, Eier, Fleisch, Honig und Wolle für die Ernährung und Bekleidung zu nennen. Heutzutage sterben viele dieser Nutztiere jedoch aus, da sich die industrielle Landwirtschaft nur noch auf ein handvoll leidender „Hochleistungstiere“ konzentriert (Massentierhaltung) und die Nachfrage bestimmter Eigenschaften nicht mehr vorhanden ist (z.B. pflanzliche Baumwolle statt tierische Wolle).

Und genau hier sind wir Selbstversorger die Garanten der Artenvielfalt, da wir genau diese altbewährten Eigenschaften (Robustheit, Krankheitsresistenzen, Vielfalt usw.) von Nutztieren für unsere unabhängige Versorgung benötigen. Das gleiche gilt für domestiziertes Gemüse, Obst und Kräuter.

Suche dir geeignete Tierarten und Tierrassen

Im Grunde ist es bei Nutztieren genauso wie bei Nutzpflanzen. Zuallererst machst du dir eine Liste, was genau du möchtest. Daraus leiten sich dann deine Tierarten wie zum Beispiel Hühner, Kaninchen, Schafe, Kühe und Bienen ab.

Wenn du kein Veganer oder Ähnliches bist, dann wirst du wahrscheinlich nicht auf das Frühstücksei, die Milch für den Kaffee und den Sonntagsbraten verzichten wollen. Dafür brauchst du Geflügel (z.B. Hühner, Wachteln) und milchgebende Säugetiere (z.B. Kuh, Ziege), die du dann vielleicht irgendwann schlachtest. Somit hast du schon mal Eier, Milch, Fleisch, Mist, Wolle, Federn und Klauen (u.a.), aus denen du deine biologische Lebensmittel, unbehandelte Kleidung und vieles mehr herstellen und mit denen du deine Nutzpflanzen mit wichtigen Nährstoffen versorgen kannst.

Der nächste Schritt ist schon schwieriger. Jetzt suchst du dir aus den gewählten Tierarten die geeigneten Tierrassen heraus. Besonders die „alten Rassen“ sind dafür geeignet, da diese meist auf die Bedürfnisse von uns Selbstversorgern hin gezüchtet wurden und sich über die Jahrhunderte bewährt haben. Achte bei der Auswahl auf die Mindestanzahl (die meisten Tiere kann man nicht einzeln halten), geographische Gegebenheiten (passen diese Tiere zu deinem Grundstück), Robustheit (z.B. Krankheitsanfälligkeiten) und den zu erwartenden Ertrag (z.B. Lege-, Milch- Fleischleistung).

Kleintiere reichen meist völlig aus, um sich selbst zu versorgen

Eines Vorweg: Wenn du dich nur mit dem Nötigsten versorgen möchtest, dann brauchst du kein Großvieh wie Pferd, Kuh und Esel. Es reicht völlig aus, wenn du sozusagen nur ein paar Kaninchen, Wachteln, Hühner (Kleintiere), Bienenvölker und vielleicht noch Ziegen oder Schafe hast. Damit wären u.a. deine tierischen Grundnahrungsmittel gedeckt. Nur wenn du mit deinen Tieren großflächig Äcker und Weiden bewirtschaftest, empfehlen sich größere Huftiere. Und das auch nur, wenn du eine Großfamilie bzw. Gemeinschaft versorgst oder auf Wochenmärkten ein Teil deiner Ernte verkaufst (Erwerbslandwirtschaft).

Kleintiere haben eben ihre Vorteile. Den je weniger und kleiner deine Tiere, desto geringer ist der zeitliche und finanzielle Aufwand: Heu und Stroh machen, Ausmisten, Tierarztkosten, Stallgröße, gesetzliche Vorgaben und solche Dinge. Weiterhin brauchst du keinen teuren Bauernhof und sparst dir dessen Unterhaltungskosten. Das ist alles nicht zu unterschätzen. Kleintiere sind zudem kaum reglementiert (z.B. Schlachtung, Baurecht) und lassen sich im Gegensatz zu Huftieren fast überall unterbringen. Selbst in reinen Wohngebieten spricht meistens nichts dagegen.

 

Kaninchen

Kaninchen geben uns den Mist für unsere Pflanzen, Fleisch für die Nahrung und andere verwertbare Naturalien. Beim Freilauf übernehmen diese für uns auch die Mäharbeiten.

Kaninchen hältst du in Gruppen und möglichst ganzjährig im Gehege. Stallhaltung mit gelegentlichen Auslauf ist aber auch möglich. Oft ist es notwendig die Rammler (männlich) vorher zu kastrieren, damit diese sich nicht mit anderen Rammlern zerfleischen oder die Zibben (weiblich) begatten. Das Gehege und den Stall solltest du so schützen, dass deine Nager sich nicht durchbuddeln und vor Greifvögeln, Mardern, Füchsen und Wölfen geschützt sind (enge Maschen).

Mit kalten Temperaturen kommen gesunde Kaninchen super aus, nur heiße Sommertage können zu schaffen machen. Ein gefüllter Wassernapf muss den Tieren daher immer zur Verfügung stehen, aber auch im Winter durch den fehlenden Wasseranteil im Heu (z.B. in Schneeform). Dann benötigen deine Liebsten noch einen Unterschlupf bzw. Erdloch, wind- und sonnengeschützte Ecken und eine „erhöhte Fläche“. Die Einstreu muss trocken und saugfähig sein und mindestens einmal wöchentlich erneuert werden (ausmisten) – beispielsweise mit Stroh oder Holzspäne.

Die Hauptnahrung orientiert sich an wildlebende Hasen: Im wesentlichen getrocknete Gräser und Kräuter aus Blumenwiesen (Heu) und frische Äste zum nagen. Frisches Wiesengras ist auch möglich, es sollte aber immer Heu mit dazu gegeben werden. Gelegentlich kannst du auch etwas Kohlgemüse und heimisches Obst geben. Auf Pellets solltest du möglichst verzichten, diese sind im Übermaß ungesund und machen definitiv krank (Masthaltung). Über die Winterzeit ab und zu ein paar Körner spricht aber nichts dagegen (ein Teelöffel je Tier und Tag).

Da der Kaninchendarm sehr empfindlich ist, muss durchgehend Nahrung zur Verfügung stehen. Wenn ein Kaninchen ein paar Stunden bis zu einen Tag nichts isst, dann liegt bereits ein Notfall vor und kann daran sterben.

Schafe

Auch Schafe geben uns den Mist für unsere Pflanzen und das Fleisch. Hinzu kommt je nach Schafart noch die Wolle und Milch. Und selbst an Hanglagen erledigen diese problemlos die Landschaftspflege.

Schafe sind Herdentiere. Diese kannst du entweder ganzjährig auf einer Wiese halten oder nur über die Vegetationszeit. Letzteres erfolgt anschließend die winterliche Einstallung oder Schlachtung. Als Einzäunung reicht meistens ein einfacher Schafzaun oder mobiler Elektro-Weidezaun aus. In gefährdeten Gebieten solltest du noch Vorkehrungen gegen Wolfsangriffe treffen (z.B. spezielle Herdenschutzhunde).

Wichtig ist, dass deine Schafe einen Unterschlupf haben (z.B. Überdachung, Hänger, Schuppen), die vor extremen Witterungen schützt. Sollte das Futter auf deiner Wiese nicht ausreichen, dann muss unbedingt Heu dazu gefüttert werden. Als Wiederkäuer sind diese auf Raufutter angewiesen. Auch das Wasser und ein Salzstein darf nicht fehlen. Manche Schäfer füttern zusätzlich mit Melasse, Pellets oder Brot. Ich sehe das kritisch, wenn es sicherlich berechtigte Gründe dafür gibt.

Viele Schafarten müssen regelmäßig geschert werden. Die Wolle kannst du dann beispielsweise zum Spinnen, als Pflanzenschutz oder zum Düngen nehmen. Manchmal kommt noch eine Entwurmung dazu. Und wenn sich mehrere Böcke (männlich) von sich aus nicht vertragen, dann müssen diese kastriert oder getrennt werden. Dasselbe gilt wenn du keinen Nachwuchs möchtest.

Ziegen

Im wesentlichen gilt bei Ziegen dasselbe wie bei Schafen. Auch diese geben uns je nach Ziegenart den Mist, das Fleisch, die Milch und Wolle. Darüber hinaus fressen diese nicht nur das Gras und die Kräuter, sondern auch das dornige Gestrüpp und die Blätter von Sträuchern und Bäumen. Da Ziegen sehr schlau und bewegungsfreudig sind, kommen diese fast überall heran. Selbst vor Kulturpflanzen und Ausbruchsversuchen schrecken sie nicht zurück. Hier solltest du entsprechende Schutzmaßnahmen treffen.

Vom Charakter her unterscheiden sich Ziegen total von den genügsamen Schafen. Sie sind eigensinnig, wählerisch, interessiert, hellwach und passen sich nicht einfach so an (ich-bezogen). Dennoch sind es Herdentiere, die in Gruppen leben. Im Gegensatz zu Schafen benötigen deine Ziegen zusätzlich eine erhöhte Fläche, dass jederzeit bestiegen werden kann. Oft reicht schon ein einfacher Podest, das Unterschlupfdach oder ein Baum aus.

Ziegen sind genauso wie Schafe Wiederkäuer (Raufutter) und benötigen einen geeigneten Unterschlupf, geschützte Plätzchen, ständig Wasser, einen Salzstein und neben dem Weidegras ggf. zusätzliches Heu.

Haushühner

Mit Hühnern bleibt kein Grashalm stehen. Den ganzen Tag scharren sie am Boden nach Samenkörner, Beeren, Insekten und Pflanzenteilen. Sie geben uns frische Eier, Federn, einen leckeren Braten und schnell verfügbaren Mist mit sehr hohen Nährstoffgehalt (vorsichtig verwenden). Je nach Hühnerrasse gibt es Legehennen mit einer Legeleistung meist bis 220 Eier/Jahr und Masthühner mit viel Fleischansatz.

Artgerecht leben mehrere Hennen zusammen mit einem Hahn, der sie beschützt, führt und begattet (Hühnerschar im Verhältnis 1:7 bis 1:15). Fehlt der Hahn, dann legen die Hennen dennoch fleißig ihre (unbefruchteten) Eier. Sind mehrere Hähne im Gehege, kann es zu Rangordnungskämpfen und Untergruppen kommen. Soweit du die befruchteten Eier liegen lässt, brüten manche Hennen ihre Küken aus. Heutzutage wird das aber vorwiegend von Brutmaschinen übernommen.

Da ein Huhn den Nährstoffbedarf kaum decken kann, solltest du neben dem Wasser u.a. auch Körner (Mais, Weizen, Gerste, Hafer, Roggen, Hirse, Buchweizen), Muschelkalk bzw. Eierschalen (Kalk bzw. Kalzium), eiweißreiche Nahrung, Grünfutter, (gekochtes) Gemüse, Obst, Küchenabfälle (Nudeln, Reis) oder Ergänzungsfutter anbieten. Alternativ kannst du auch auf industrielles Alleinfutter zurückgreifen, wo der Nährstoffgehalt für Legehennen, Küken oder Masthühner genau abgestimmt ist.

Damit deine Hühner gesund bleiben und ihre Parasiten loswerden, benötigen diese ein Staub- bzw. Sandbad. Das tun sie entweder von selbst in aufgescharrten Erdlöchern (Huderkuhle) bzw. mit staubfähiger Einstreu oder in deine aufgestellten Sandkisten. Als Stalleinstreu eignet sich mehr oder weniger Sand, Erde, Torf, Rindenmulch, Holzspäne, Laub, Heu, Stroh, Hanfhäcksel und Bio-Papier (Aktenschredder).

Nachdem deine Hühner pünktlich zur Abenddämmerung in den Stall gegangen sind und ruhend auf der Sitzstange sitzen, verschließt du über den Abend den Hühnerstall. Vergisst du das, dann kann der Marder oder Fuchs rein und ein Blutbad anrichten. Da Hühner zwar nicht Wegfliegen, aber Anfliegen können, ist ein hoher Zaun ratsam.

Wachteln

Auch Wachteln geben uns Eier (heilende Wirkung wird nachgesagt), Federn, Fleisch und den sehr hohen und schnell verfügbaren Nährstoffgehalt im Mist. Im Gegensatz zu Haushühnern sind Wachteln zwar deutlich kleiner, aber die Legeleistung mit bis zu 330 Eiern pro Jahr ist doch beachtlich (ca. 12 Gramm/Ei).

Wie bei Hühnern gibt es auch hier speziell gezüchtete Lege- und Mastwachtel (Japanwachtel): Je Farbschlag die leichte (110-150 Gramm), mittlere (160-250 Gramm) und schwere (300-500 Gramm) Zuchtlinie. Daneben gibt es noch die Zierwachtel (z.B. kalifornische Schopfwachtel), die aber für die Eier- und Fleischgewinnung weniger geeignet ist.

Gut bewährt hat sich ein komplett umschlossenes Außenvoliere, der mit einem Stall verbunden ist (mit Untergrab- und Windschutz). So können deine Wachteln nicht davonfliegen und sind vor Raubtieren geschützt. Den Boden füllst du z.B. mit Holzspänen, Sand oder anderem Scharmaterial (siehe Haushühner).

In das Gehege baust du ein paar Versteckmöglichkeiten und Nester rein, auch wenn einige Wachteln ihre Eier trotzdem kreuz und quer legen werden (tägliches Eiersuchen). Das ganze schmückst du nun mit Naturalien aus. Für das Sandbad eignet sich eine mit Spielsand befüllte Kiste. Dann stellst du noch einen Futterautomat und eine Tränke rein. Eine Sitzstange brauchst du nicht, Wachteln ruhen meistens im Freien auf dem Boden.

Das Futter selbst zusammenmischen lohnt sich für ein paar Wachteln kaum, zumal man als Anfänger von der Nährstoffzusammensetzung sehr viel falsch machen kann (Wachteln reagieren sehr empfindlich). Dafür gibt es sehr gutes Alleinfutter (z.B. Mifuma ZZH). Neben diesem solltest du möglichst etwas zerkleinertes Obst und Grünfutter dazugeben. Mehlwürmer geht auch, aber nicht zu viel davon.

Honigbienen

Honigbienen bestäuben unsere Obstbäume und produzieren den so süßen Honig und das Wachs für die Schuhe. Und auch in Sachen Heilung unterstützen sie uns mit Propolis (Kittharz), Pollen, Gelee Royal (Königinfuttersaft) und Bienengift.

Ein Bienenvolk besteht neben einer eierlegenden Königin aus zigtausenden Arbeiterinnen – im Frühjahr und Sommer zwecks Begattung auch männliche Drohnen. In den aufgebauten Beuten bauen die Bienen ihre Bienenwachs-Waben, wo dann u.a. die Brut aufgezogen, eiweißreiche Pollen (z.B. als Bienenbrot) und der überschüssige Honig bevorratet wird. Letzteres entsteht aus gesammelten Blütennektar oder Ausscheidungen von Pflanzensaft-saugenden Insekten (Honigtau).

Deine Jungvölker bzw. Ableger bekommst du von Imkern, Züchtern, Imkervereine oder selbst eingefangen als Bienenschwarm (risikobehaftet) über die Feuerwehr. Hinsichtlich Bienenrasse solltest du diejenige nehmen, die in deiner Region üblich ist (z.B. Carnica, Apis mellifera). Darunter gibt sehr friedliche und fleißige Bienenzüchtungen.

Die Bienenvölker bringst du in Beuten unter. Die bekannteste dürften wohl Magazinbeuten mit den aufeinandergestellten Zargen und innen befindlichen Waben-Rähmchen sein. Wenn du es lieber traditionell magst, dann kannst auch auf Klotzbeuten, Korbbeuten, Hinterbehandlungsbeute oder Längslagerbeute (Golzbeute) zurückgreifen. Seltenere Varianten sind auch interessant, allerdings macht man sich manchmal von bestimmten Lieferanten abhängig und bestimmte Teile sind schwer zu bekommen. Du kannst deine Beuten aber auch selbst bauen (Anleitungen im Internet, z.B. Bienenkiste).

Dann benötigst du für deine Beuten noch einen windgeschützten Platz mit viel Sonne. Ob fester Standort oder Mobil, Hauptsache deine Bienen finden genügend Nektar bzw. Honigtau und Pollen (z.B. Trachtpflanzen, Blumenwiese, Nadelgehölze). Für den Anfang solltest du Stockmeißel, Smoker, Wassersprüher und Schutzausrüstung (z.B. Schleier, Handschuhe) haben. Andere Dinge ergeben sich mit der Zeit und die richtig teuren Sachen kannst du dir von Imkerkollegen leihen.

Vergesse nicht das Veterinäramt, die Tierseuchenkasse und SVLFG

Sobald du deine ersten Tiere angeschafft hast, wird sich das örtliche Veterinäramt für dich zuständig fühlen. Diese ist sozusagen die Überwachungsbehörde vieler Tier-Gesetze und –Verordnungen (z.B. Grundgesetz, Tierschutzgesetz, EU-Verordnungen), die dich als Tierhalter und deine Tiere betreffen. Viele Dinge sind verboten und andere wiederum unterliegen neben der Überwachung der Anzeigepflicht, Dokumentation, Sachkunde, Genehmigung oder eines Sachkundenachweises.

Auch wenn es nach viel Bürokratie anhört, wenn du deine meldepflichtigen Tiere (Geflügel, Huftiere, Bienenvölker) erst mal amtlich angemeldet und eine Registriernummer erhalten hast, dann automatisiert sich auch vieles. Auf ein paar mehr Tiere kommt es dann auch nicht mehr an. Das für dich zuständige Veterinäramt findest du übrigens in deinem Land-/Kreis oder deiner kreisfreien Stadt. Schaue am besten auf dessen Webpräsenzen nach, dort sind meist schon weiterführende Links aufgeführt (z.B. Rechtshinweise, Pflichten) und amtliche Formulare abrufbar.

Ähnlich, jedoch mit anderer Zuständigkeit, ist es gegenüber der Tierseuchenkasse und für manche auch in den Sozialversicherungszweigen der SVLFG.

  • Kleintiere sind relativ unbürokratisch


    Kaninchen, Meerschweinchen und Co brauchst du beim Veterinäramt nicht anzuzeigen. Andere Kleintiere wie Hühner, Enten, Fasane, Perlhühner, Rebhühner, Tauben, Truthühner, Wachteln (Geflügel) oder Bienenvölker sind zwar von der Anzahl her anzeigepflichtig (§ 26 ViehVerkV; § 1a BienSeuchV), diese müssen aber nicht individuell gekennzeichnet werden. In manchen Bundesländern besteht nicht einmal eine Melde- und Beitragspflicht zur Tierseuchenkasse. Die Dokumentationspflichten musst du jedoch bei allen angezeigten Tieren einhalten (es gibt Mustervorlagen).

    Beim Geflügel besteht zusätzlich eine Impfpflicht (GeflPestSchV). Deine Hühner und Truthühner (Puten) müssen daher kostenpflichtig gegen die Newcastle-Krankheit geimpft werden. Dazu wird ein Tierarzt regelmäßig zu dir kommen und den Impfstoff über die Tränke, Augen oder das Nasenloch verabreichen (§ 43 TierImpfStV). Die Kosten sind für ein paar Hühner und Puten entsprechend hoch. Als „gewerblicher“ oder „beruflicher“ Tierhalter könntest du das noch selbst tun (§ 44 TierImpfStV).

    Manche Tierhalter mit kleinen Bestand verabreichen den Impfstoff noch selbst, nachdem der bereits „zubereitete“ Impfstoff in ausgewählten Tierarztpraxen oder auch Kleintierzuchtvereinen zu festen Terminen abholt wurde. Hier kann es Absprachen mit den örtlichen Veterinäramt geben. Das spart Kosten für den Tierarzt und Impfstoff (der eigentlich für 500+ Hühner vorgesehen ist). Andere Geflügel müssen theoretisch auch geimpft werden. Allerdings gibt es nicht immer ein zugelassener Impfstoff, was eine Impfung von beispielsweise Wachteln und Fasanen unmöglich macht.

  • Huftiere haben die strengsten Regelungen

    Bei domestizierten Huftieren wie Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen und Einhufern (Pferde, Esel, Maultiere usw.) sieht das schon ganz anders aus. Hier wird jedes einzelne Tier überwacht. Zuerst einmal musst du diese gegenüber dem örtlichen Veterinäramt anzeigen (§ 26 ViehVerkV). Bei Schweinen, Schafen und Ziegen wird dann noch eine jährliche Bestandsmeldung von dir verlangt (§ 26 Abs. 3 ViehVerkV). Zusätzlich müssen deine Rinder, Schafe, Ziegen, Schweine und Einhufer mit amtlichen Ohrmarken, Mikrochip oder anderen Transpondern gekennzeichnet werden (Verordnung (EG) Nr. 911/2004; §§ 27, 34, 39 und 44 ViehVerkV).

    In den meisten Fällen besteht darüber hinaus noch eine Melde- und Beitragspflicht zur Tierseuchenkasse. Das ist aber von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich.

  • Honigbienen werden auch überwacht

    Auch deine Bienenvölker solltest du beim zuständigen Veterinäramt anzeigen. Diesem musst du eine amtliche Gesundheitsbescheinigung aus dem Herkunftskreis der Bienenvölker einreichen (soweit diese nicht bereits vorliegt), dass sicherstellt das deine Bienen keine Amerikanische Faulbrut haben und auch nicht aus solch einem Sperrgebiet stammen. Dieses Zeugnis bekommst du vom Verkäufer oder du lässt den zuständigen Amtstierarzt bzw. Bienenseuchensachverständigen kommen (Futterkranzprobe; Kosten um die 30 Euro). Achte darauf, dass diese nicht vor dem 1. September des vorhergehenden Kalenderjahres ausgestellt und nicht älter als neun Monate ist.

    Wenn deine Bienen nur vorübergehend an einem Ort aufgestellt sind (z.B. Bienenwanderung), so muss zusätzlich ein Schild mit Völkeranzahl, Name uns Anschrift mit angebracht sein. Grundlage hierfür ist insbesondere die Bienenseuchen-Verordnung.

    Weiterhin müssen deine Bienen bei der Tierseuchenkasse angezeigt werden. Die Meldepflichten, genauen Regelungen und Beitragskosten unterscheiden sich jedoch in jedem Bundesland. Wegen des großen Insektensterbens wird aber zunehmend auf die Beiträge verzichtet.

    Gegenüber der SVLFG entsteht nur eine beitragspflichtige Mitgliedschaft, sobald das Ganze gewerblich mit mehr als 25 (Berufsgenossenschaft) bzw. 100 Völker (Alters-, Kranken, Pflegekasse) oder neben bzw. als Bestandteil einer Landwirtschaft betrieben wird.

Mindestanforderungen an das Tierwohl

Es gibt Mindestanforderungen, wie du deine Tiere rein rechtlich zu behandeln hast. Dabei hängt es nicht nur von der Tierart ab, sondern auch vom zuständigen Veterinäramt (folgen unterschiedlichen Empfehlungen) und deinen beabsichtigten Zweck. Letzteres stellt bereits die Europäische Union mit den definierten Begriffen Tier, Nutztier, Wildtier und Heimtier klar (Art. 3 der Verordnung (EG) Nr. 1069/2009).

In Deutschland gilt: „Tiere sind keine Sachen. Sie werden durch besondere Gesetze geschützt. Auf sie sind die für Sachen geltenden Vorschriften entsprechend anzuwenden, soweit nicht etwas anderes bestimmt ist“ (§ 90a BGB). Eines davon ist das Tierschutzgesetz (TierSchG), dass die grundlegendsten Anforderungen wie Haltung und Tötung von Tieren stellt. Wer Nutztiere zu Erwerbszwecken hält muss sich darüber hinaus noch an die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung (TierSchNutztV) halten, die konkret auf die Anforderungen von Kälbern, Legehennen, Masthühnern, Schweinen, Kaninchen und Pelztieren eingeht. Bestimmte Tiere wiederum haben sogar ein eigenes Gesetz (z.B. Hunde). Und auch herrenlose Wildtiere haben diverse Regelungen (z.B. BNatSchG, BJagdG, JWMG). Das sind nur einige Beispiele.

Als Tierhalter bist du (nicht das Tier) demnach deutlich besser dran, wenn du das Tier als Nutztier hältst. Hier liegen die geringsten rechtlichen Anforderungen. Das sieht man in der industriellen Landwirtschaft und den Schlachtbetrieben immer wieder. Leider nicht immer zum Wohle der Tiere – insbesondere in der Massentierhaltung. Umgekehrt genießen Heimtiere die vollsten möglichen Tierrechte. Mit Heimtieren könnte man niemals das machen, was man mit Nutztieren machen kann.

Das solltest du vor der Hausschlachtung beachten

  • Wenn du es nicht übers Herz bringst deine Liebsten zu schlachten und dafür lieber auf das Fleisch verzichtest, dann brauchst du das auch nicht zu tun. Vergesse aber nicht, dass Nutztiere nicht auf ein hohes Alter hin gezüchtet wurden. Wenn du diese nicht schlachtest, dann kommen mit zunehmenden Alter arttypische Krankheiten zum Vorschein, die die Tiere unnötig leiden lassen. Die Konsequenz sind oft unheilbare Diagnosen, lebenslange Tabletteneinnahmen und Nottötungen.
  • Bevor du dich das erste Mal ans Schlachten heranwagst, lasse dir den ganzen Ablauf unbedingt von einem Sachkundigen zeigen. Dein Tier darf auf keinen Fall leiden!!! Hierzu gehört auch, dass du dein Tier vor Tötung richtig betäubst und fachgerecht tötest bzw. ausbluten lässt. Das weitere Ausnehmen und die Verarbeitung ist zwar auch wichtig, hier kannst du dir aber Fehler erlauben. Oder du lässt das Ganze von einem Sachkundigen machen.

  • Für die Betreuung, Ruhigstellung, Betäubung, Schlachtung und Tötung werden zwar Kenntnisse und Fähigkeiten von dir verlangt (Sachkunde), du benötigst aber keinen Sachkundenachweis. Zumindest solange du nur Hausschlachtungen durchführst und nicht berufs- oder gewerbsmäßig tätig bist (Art. 21 Verordnung (EG) Nr. 1099/2009; § 4 Abs. 1a TierSchG; § 4 TierSchlV). Das setzt aber voraus, dass du dein bei dir Zuhause gewonnenes Fleisch ausschließlich in deinen eigenen Haushalt verwendest. Ein Verschenken oder Verkaufen deiner tierischen Erzeugnisse an Bekannte, Freunde, Tauschpartner oder über den Wochenmarkt ist somit ausgeschlossen. Ansonsten kann es erforderlich sein, die Schlachtung in einen zugelassenen Schlachthof durchführen zu lassen.
  • Wenn du deine Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen und Einhufer schlachten möchtest, dann ist eine amtstierärztliche Schlachttieruntersuchung vor (Befreiung möglich) und Fleischuntersuchung nach der Schlachtung erforderlich. Bei bestimmten Tieren wie Schweine und Einhufer kommt noch eine Trichinenuntersuchung hinzu. Die Entsorgung von Schlachtabfällen (Konfiskat) und Kadavern darf dabei nur über vorgeschriebene Wege und zugelassene Fachbetriebe erfolgen (Tierkörperbeseitigung, z.B. TierNebV, TierNebG). Wenn du hingegen nur Kleintiere schlachtest und keine bedenklichen Merkmale am Tierkörper feststellst, dann brauchst du keine lästige und kostenpflichtige Schlachttier- und Fleischuntersuchung.