Die Teilzeit ist nicht nur eine Möglichkeit um weniger zu arbeiten, sondern auch um aus dem Berufsleben schrittweise auszusteigen. Das wird in Deutschland sogar gefördert, wobei der Gesetzgeber damit sicherlich andere Ziele hatte. Du kannst über diesen Weg sogar deinen Nettolohn ganz ohne Gehaltserhöhung steigern und so noch schneller aussteigen (das meiste ist von mir praxiserprobt).

Das Prinzip ist dabei ganz einfach: Du reduzierst regelmäßig deine Arbeitszeit (in Teilzeit  arbeiten) und parallel hierzu baust du dir deine Selbstversorgung auf. So brauchst du nicht mehr Lebenszeit mit Giralgeld eintauschen als unbedingt nötig. Das geht solange, bis du aus deinem Arbeitsleben komplett ausgestiegen bist oder du nur noch so viel arbeitest wie du es auch wirklich möchtest. So ist gesichert, dass du immer genügend Einnahmen hast, solange du von deiner Selbstversorgung noch nicht leben kannst. Und darüber hinaus bist du noch günstig gesetzlich krankenversichert (in Deutschland gibt es eine allgemeine Krankenversicherungspflicht).

Einfach aber unklug, die vorschnelle Kündigung

Klar, dem Chef kündigen geht schnell und man ist den ganzen Arbeitsstress gleich mit los. Dennoch rate ich von einer vorschnellen Kündigung ohne finanziellen Rücklagen ab. Du wirst zwar später als Selbstversorger kaum noch Geld benötigen, du musst aber erst einmal deine Selbstversorgung aufbauen, wovon du auch weitgehendst ohne finanziellen Mittel gut Leben kannst. Und das kann für einen unerfahrenen Menschen einige Jahre dauern.

Wenn du beispielsweise dein eigenes Obst anbauen möchtest, dann benötigst du ein ausreichend großes Grundstück. Das kannst du in besseren Lagen kaufen bzw. langfristig pachten oder du bekommst die Nutzung (i.d.R. ohne Vertrag) bzw. das Grundstück sogar geschenkt. Anschließend muss das Grundstück erst einmal mit Bäumen und Sträuchern auf deinen Bedarf bepflanzt werden. Das kostet anfangs Geld und Zeit. Bis die Früchte dann erst einmal geerntet werden, können Jahre vergehen. Dann aber lässt der Pflegeaufwand von Jahr zu Jahr nach und du kannst dich – je nach Anbaumethode – über Jahrzehnte davon ernähren.

Baue parallel zum Job deine Selbstversorgung auf

Als Angestellter bist du es gewohnt zu konsumieren und von anderen abhängig zu sein: Du bekommst für deine Arbeit einen Lohn, mit dem du deine Lebensmittel, Kleidung, Möbel und vieles mehr kaufst und über die du deine scheinbaren Bedürfnisse stillst. Ohne deinen Arbeitgeber oder der Sozialhilfe und den Einzelhandel könntest du nicht überleben. Diesen Teufelskreislauf gilt es mit dem Berufsausstieg über die Teilzeit erst einmal zu durchbrechen.

Zuerst einmal müssen deine Grundbedürfnisse gestillt werden: Das betrifft insbesondere die Nahrung wie Getreide, Gemüse, Obst, Kräuter und soweit gewünscht auch tierische Produkte. Hierzu benötigst du ein Grundstück, wo du deine ganzen Nutzpflanzen anbaust und Nutztiere hältst. Zusätzlich kannst du Wildpflanzen sammeln gehen (z.B. Pilze, Kräuter, Sauerampfer, Bärlauch). Das Gemüse baust du dann ein- oder mehrjährig und das Obst vielleicht alle paar Jahrzehnte neu an. Vom Gemüse kannst du dich bereits im ersten Jahr und vom Obst (das Schwankungen unterliegt) frühestens nach drei Jahren komplett autark das ganze Jahr ernähren. Einiges muss auch haltbar gemacht werden, da es manchmal Überschüsse gibt und die Vegitationszeit im Winter geringer ausfällt. Von manchen Tieren kannst du dich bereits vom ersten Tag an ernähren (z.B. Eier), andere wiederum brauchen länger (Fleisch) oder sind unregelmässig verfügbar (Milch, ggf. auch Eier).

Insbesondere in den ersten Jahren solltest du mit höheren Ernteausfällen rechnen, da man schlichtweg Fehler macht und sich das notwendige Wissen erst aneignen muss. Diese Zeit ist von “Irrtum und Versuch” geprägt. Wenn du aber diese Schwelle einmal überschritten hast, dann wirst du als Selbstversorger sehr gut davon leben können. Die Kunst besteht darin, gut zu Leben und nicht (wie viele Angestellte) zu Überleben.

Sei ein Minimalist

Der gelebte Minimalismus gehört zu der Selbstversorgung einfach dazu. Erst dadurch lassen sich unnötigen Kosten reduzieren und weniger Lebenszeit mit Giralgeld eintauschen. Viele Dinge bekommst du sogar aus der Wegwerfgesellschaft geschenkt (z.B. Kleidung, Möbel). Man kann den Minimalismus als Gegenpol zum Konsum betrachten. Das was systembedingt für Unternehmen (= Arbeitsstelle) der Konsum ist, ist für die Selbstversorgung der Minimalismus.

Mehr hierzu erfährst du hier.

Spare und investiere in den Aufbau deiner Selbstversorgung

Daneben solltest du auch deine Finanzen gut im Griff haben. Um das zu erreichen solltest du dich zuerst einmal intensiv mit deinen Finanzen beschäftigen (Finanzsoftware, Weiterbildung helfen oft weiter). Schulden und unnötiger Konsum sind tabu. Fixe Kosten gilt es zu reduzieren und die variablen sollten möglichst vermieden werden. Ein minimalistischer Lebensstil ist hier sehr gut geeignet. Dann hast du auch geringere Ausgaben, die dir den Teilzeiteinstieg erleichtern.

Spare dir mindestens 10% von deinem Gehalt für den Aufbau deiner Selbstversorgung an. Das Geld überweist du sofort nach Geldeingang per Dauerauftrag auf ein separates Konto. Je mehr du sparst desto schneller kannst du auch alle nötigen Schritte umsetzen (geeignetes Grundstück, qualitative Gartengeräte und Nutzpflanzen kaufen usw.). Das Konto selbst dient ausschließlich deiner Selbstversorgung und alles was damit zu tun hat. Darüber buchst du alle deine Ausgaben (z.B. Grundsteuer, Berufsgenossenschaft, Agrar-Versicherungen) und indirekten Einnahmen (anfangs deinen Sparanteil vom Gehalt, später musst du kreativ wie ich sein), so das du immer den Überblick über deine Finanzen behältst. Das Konto darf dabei niemals ins Minus fallen. Deine Selbstversorgung muss sich wie ein gesunder Privathaushalt oder jedes Unternehmen finanziell selbst tragen. Auch hier gilt es den Spagat zwischen dem sparen, (wenn vorhanden) den Schuldenabbau und der Arbeitszeitverringerung zu finden.

Erhöhe deinen Stundenlohn

Jetzt solltest du noch deinen Netto-Stundenlohn erhöhen. Wie weiter unten beschrieben, geschieht das bereits automatisch, sobald du weniger Gesamteinkommen hast. Die Sozialversicherung im Übergangsbereich (Midijob) und der Grundfreibetrag in der Einkommensteuer macht das alles möglich. Auch steuer- und sozialversicherungsfreie Zuschläge können zu einer indirekten Gehaltserhöhung führen, wenn du deine Arbeitszeit auf bestimmte Nächte, Sonntage oder Feiertage verteilst. Vergesse dabei aber deine Gesundheit nicht, denn Nachtarbeit ist ungesund und macht auf Dauer blöd. Und schaue das es fair zugeht: Den deine Kollegen möchten vielleicht auch diese Zuschläge und es könnte ungewollt ein Konkurrenzkampf entstehen. Daneben gibt es noch steuer- und sozialversicherungsfreie Sachbezüge und Warengutscheine, die sich aber in der Höhe in Grenzen halten (z.B. Tankgutschein). Am besten du versuchst gegenüber deinem Arbeitgeber eine Gehaltserhöhung zu durchzusetzen. Rechne aber nach ob sich das wirklich lohnt. Damit du diese bekommst musst du deinem Arbeitgeber einen Mehrwert geben oder anderweitig entgegen kommen (z.B. Qualifikation, Bereitschaft). Sonst hat dieser keinen Grund einer Erhöhung zuzustimmen. Wenn das alles nicht klappt, dann kannst du auch den Arbeitgeber wechseln.

Steuer- und sozialversicherungsfreie Aufwandsentschädigung oder Ehrenamtpauschale

Darüber hinaus gibt es aber noch weitere Möglichkeiten indirekt sein Gehalt aufzubessern. Beispielsweise könnte für dich mit entsprechenden Kenntnissen eine Tätigkeit als Übungsleiter, Ausbilder, Erzieher, Betreuer, Dozent, Künstler, Pfleger oder ähnliches für gemeinnützige, mildtätige, kirchliche Zwecke oder einer juristischen Person des öffentlichen Rechts infrage kommen, wo du bis zu 2.400 Euro jährlich steuer- und somit auch sozialversicherungsfrei hinzu verdienen kannst (bei mir war das damals bei der IHK als Prüfer). Gemeint ist hier die Übungsleiterpauschale nach § 3 Nr. 26 EStG. Hierbei handelt es sich vielmehr um eine Aufwandsentschädigung, weshalb du auch bis zu diesen Betrag keine Werbungskosten absetzen kannst. Alles darüber wird versteuert. Du musst aber darauf achten, dass es nicht dieselbe Tätigkeit ist, die du bereits beruflich ausübst und sich die aufgewendete Zeit in Grenzen hält. Voraussetzung ist zwar auch, dass die Tätigkeit nebenberuflich ausgeübt wird, dieses bezieht sich aber nur auf eine vergleichbaren Vollzeitstelle mit maximal einem Drittel der jährlichen Arbeitszeit (also auch für Minijober oder Selbstversorger möglich). Solltest du in einer der oben genannten Einrichtungen jedoch eine andere Tätigkeit ausüben, dann kommt vielleicht für dich noch die Ehrenamtpauschale nach § 3 Nr. 26a EStG infrage, wo du immerhin bis zu 720 Euro jährlich hinzu verdienen kannst (z.B. Vereinsvorsitz).

Dein Recht auf Teilzeit

Rechtlich betrachtet hast du sogar einen Anspruch auf Teilzeit. Den dein Arbeitgeber kann dir deinen Wunsch auf Teilzeit nicht einfach verbieten. Hier gilt es aber einiges zu beachten. Geregelt wird das ganze im Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) und manchmal auch im Tarifvertrag. Diese sieht zwei Arten vor, wie man seine Arbeitszeit reduzieren und verteilen kann: Zum einen die nicht begrenzte (§ 8) und zum anderen die begrenzte Verringerung der Arbeitszeit (§ 9a). Da wir aus dem Berufsleben mehr oder weniger ganz aussteigen möchten, um uns voll und ganz der Selbstversorgung zu widmen, kommt für uns nur erstere in Frage. Voraussetzung ist aber das das Arbeitsverhältnis mindestens seit 6 Monaten besteht und dein Arbeitgeber mehr als 15 Arbeitnehmer beschäftigt. Demnach muss die Arbeitszeitverringerung, der Umfang und die gewünschte Verteilung spätestens 3 Monate vor Beginn in Textform gegenüber dem Arbeitgeber geltend gemacht werden. Hierzu schreibst du einfach einen Brief mit den notwendigen Angaben (Unterschrift und Datum nicht vergessen).

Ziel ist es mit dem Arbeitgeber eine Vereinbarung über die Arbeitszeitverringerung und dessen Verteilung zu treffen (sind rechtlich zwei verschiedene Angelegenheiten). Solltet du dich mit deinen Arbeitgeber nicht einigen und hat dieser dir nicht schriftlich spätestens einen Monat vor dem Beginn abgelehnt, so gilt die Arbeitszeitverringerung bzw.verteilung nach deinem Wunsch als genehmigt. Wenn hingegen der Arbeitgeber dir deinen Wunsch aus „betrieblichen Gründen“ schriftlich ablehnt, dann überprüfe unbedingt, ob auch tatsächlich ein betrieblicher Grund im Sinne des Gesetzes vorliegt. Das kannst du im § 8 Abs. 4 TzBfG und ggf. auch im Tarifvertrag nachlesen. Meist liegt aber nur ein organisatorisches Verschulden vor, dass überhaupt kein Ablehnungsgrund darstellt. Das ganze kannst du dann alle zwei Jahre wiederholen.

Klüger wäre es aber, zuerst einmal zu versuchen, den Arbeitgeber auf seine Seite zu bringen und die Verringerung und Verteilung der Arbeitszeit ohne oben genannten Rechtsanspruch durchzusetzen. Das bewahrt einerseits den Frieden und andererseits greift dann nicht die Zweijahresfrist nach § 8 Abs. 6 TzBfG. Das bedeutet, du kannst deine Arbeitszeit in kürzeren Zeiten reduzieren (z.B. jährlich) und nicht erst frühestens alle zwei Jahre. So kommst du viel schneller aus dem Arbeitsleben. Damit dein Arbeitgeber das aber alles mitmacht, solltest du ihm einen Nutzen bringen oder etwas entgegen kommen. Lasse dir etwas einfallen. Ich beispielsweise habe meine Arbeitszeit auf bestimmte Tage im Monat reduziert und im Gegenzug habe ich mich bereit erklärt an den restlichen Tagen flexibler zu sein. Davon haben alle profitiert.

Gleiches Recht wie ein Vollzeitbeschäftigter (Beispiel Urlaub)

Sobald du regelmäßig zeitlich weniger arbeitest als ein vergleichbarer Vollzeitbeschäftigter, liegt eine Teilzeitbeschäftigung vor. Auch Minijober bis 450 Euro monatlich fallen darunter (§2 Abs. 2 TzBfG). Hier stellt sich berechtigterweise die Frage inwieweit dir dadurch Nachteile entstehen. Die Antwort ist ganz einfach: Abgesehen davon das dein Gesamteinkommen sinkt (Netto-Stundenlohn steigt dafür) hast du überhaupt keine Nachteile. Das ganze wird dir sogar gesetzlich garantiert, worauf du dich jederzeit berufen kannst (z.B. § 4 TzBfG). Teilzeitbeschäftigte haben schlichtweg die selben Rechte wie ein Vollzeitbeschäftigter.

Es kann aber dennoch einige Unterschiede geben: Das Gesetz schreibt beim Urlaubsanspruch beispielsweise vor, dass jedem Arbeitnehmer 24 Urlaubstage bei einer Sechstagewoche zustehen. Durch Tarifvertrag, Betriebsvereinbarung, individuelle Vereinbarung und betriebliche Übung können sich die Urlaubstage deutlich erhöhen. Wenn du als Vollzeitbeschäftigter 30 Tage Urlaub bei einer Sechstagewoche hattest, dann bleiben die 30 Tage Urlaubstage bestehen, wenn du auch weiterhin an sechs Tagen in der Woche arbeitest. Auf die reduzierte Stundenanzahl kommt es überhaupt nicht an. Es kommt nur auf die Arbeitstage an. Solltest du hingegen jetzt nur noch 4 Tage in der Woche arbeiten, dann hättest du nur noch 20 Urlaubstage (Berechnung: 30 Tage Jahresurlaub geteilt durch die 6 Wochentage mal 4 Wochentage), den du dann auch nur an den vereinbarten Tagen nimmst. Das freiwillige oder tarifliche Urlaubsgeld hingegen wird anteilig auf deine reduzierte Arbeitszeit gekürzt. Und das Urlaubsentgelt nach dem Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) wird genauso berechnet wie bei Vollzeitbeschäftigten, nur mit dem Unterschied, dass innerhalb des Bemessungszeitraumes der letzten 13 Wochen der durchschnittliche Arbeitsverdienst aufgrund der ggf. reduzierten Urlaubstage bzw. Arbeitsstunden pro Tag letztendlich zu einem geringeren Entgelt führt.

Von der Führungskraft und vom Manager zur verzichtbaren Fachkraft

Eines sollte dir unbedingt bewusst sein, deine Karriere ist als angehender Selbstversorger beendet. Zumindest aus beruflicher Sicht. Ganz egal wo du dich gerade auf deinen Karriereweg befindest. Je mehr du nämlich deine Arbeitszeit reduziert und aus dem Berufsleben ausscheidest, desto weniger bist du im Alltagsgeschäft involviert und desto eher musst du dich mit einfachen Tätigkeiten abfinden. Dass kann, muss es aber nicht, wiederum zu geringeren Einnahmen führen. Ich selbst habe keine Meisterstelle mehr in Teilzeit gefunden, dafür aber eine gut bezahlte Fachkraftstelle ohne negativen Arbeitsstress. Das kann zugegeben anfangs echt auf das Ego gehen. Aber, du bekommst dafür dein unabhängiges und selbstbestimmtes Leben in Freiheit zurück. Das ist es allemal Wert.

Du bist verzichtbar!

Insbesondere wenn man in Vollzeit arbeitet, dann verfällt man schnell in die Illusion, dass man unverzichtbar für das Unternehmen ist. Das du das glaubst, ist gewünscht, denn das schafft die Bereitschaft für Mehrarbeit, Flexibilität und reduziert die Fluktuation. Die Eigner des Unternehmens machen dadurch mehr Gewinn und bleiben konkurrenzfähig. Die Folge für die Mitarbeiter sind gesundheitliche Probleme und ein Gefühl von ausgebrannt sein, die durch Gesundheits– und Karriereangebote oder finanzielle Anreize versucht werden kurzfristig auszugleichen. Auch wenn es jetzt sehr hart anhört und du wirklich täglich dein bestes für das Unternehmen gibst. Jeder ist verzichtbar.

Das sieht man immer wieder, wenn anscheinend „unverzichtbare Mitarbeiter“ für längere Zeit ausfallen oder ganz gehen und die betrieblichen Abläufe komischerweise dennoch weiterlaufen. Bewusst wird dir das allerdings erst, sobald du deutlich weniger arbeitest als ein Vollzeitbeschäftigter. Hier spielt es für das Unternehmen kaum noch eine Rolle, zu versuchen, dich zu halten. Der beste Mitarbeiter ist immer der vom Unternehmen abhängige und das sind nun mal die Vollzeitbeschäftigten. Bitte vergesse nicht, du arbeitest als Fachkraft, Führungskraft oder Manager immer IM Unternehmen nach fremden Regeln und nicht, wie ein Unternehmenseigner, AM Unternehmen selbst (der macht die Regeln und Systeme). Der Unternehmer braucht dich nur solange, wie du seine (nicht deine) Ziele und Visionen verwirklichst. Was du für ihn wirtschaftlich Wert bist, lässt sich am Gehalt ablesen.

Mehr Netto durch geringere Sozialabgaben

Je weniger du arbeitest, desto weniger Gesamteinkommen hast du zwar, aber dein Netto-Stundenlohn nimmt stetig zu – das ist wie eine Gehaltserhöhung. Das liegt am sogenannten Übergangsbereich (ehemals Gleitzone, auch Midijob genannt), der sich derzeit zwischen 450,01 und 1.300 Euro bewegt. In diesem Bereich zahlst du nämlich prozentual immer weniger Sozialversicherungsbeiträge desto weniger sozialversicherungspflichtiges Gesamteinkommen du hast. Und das beste, du hast wie ein Vollzeitbeschäftigter in allen Zweigen der gesetzlichen Sozialversicherung die vollen Leistungsansprüche. Nur deine Arbeitslosen-, Pflege- und Rentenversicherung kann im Versicherungsfall deutlich geringer ausfallen. Da wir aber kein Arbeitslosengeld in Anspruch nehmen (das würde zur Abhängigkeit gegenüber dem Staat führen) und wir schon lange nicht mehr an die Rente glauben, spielt das eh keine Rolle mehr (Pflegeversicherung möchte ich hier nicht beurteilen).

Gehaltsabrechnung als Midijobber überprüfen

Sobald du unter 1.300 Euro liegst, überprüfe bitte regelmäßig genau deine Gehaltsabrechnung. Bei mir (wo es noch Gleitzone hieß und unter 850 Euro lag) ist es bisher bei jedem Arbeitgeber noch vorgekommen, dass anfangs die vollen Beiträge zur Sozialversicherung aus Unwissenheit abgezogen wurden. Ich habe zwar immer das Geld zurück erstattet bekommen, aber das ist immer mit zeitlichem Aufwand verbunden. Auch wenn solche Fälle jetzt beim Übergangsbereich nicht mehr vorkommen sollen, solltest du immer wieder nachrechnen. Das geht am besten mit einem speziellen Brutto-Netto-Rechner für den Übergangsbereich oder einen allgemeinen Rechner mit einem Button für den Übergangsbereich. Die AOK bietet diesbezüglich einen interessanten Minijob- und Übergangsrechner an.

Minijob, Midijob oder lieber ganz aussteigen?

Wenn du dann in ein paar Jahren hoffentlich bei rund 500 Euro im Monat angekommen bist, dann gilt es sich aus Sicht der Sozialabgaben zu entscheiden. Entweder du bleibst bei den knapp über 450 Euro monatlich und bist voll versichert oder dein Midijob (über 450 bis 1.300 Euro) wird jetzt zum Minijob (bis 450 Euro).

Der Unterschied ist, unter 450,01 Euro hast du keine Leistungsansprüche in den Zweigen der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung mehr, da du dort keine Beiträge einzahlst (dein Arbeitgeber schon noch). Bei der Rentenversicherung zahlst du hingegen weiterhin einen reduzierten Beitrag von derzeit 3,6% ein, wovon du dich aber befreien lassen kannst. Es gibt bei der ganzen Sache nur einen Haken, und zwar die allgemeine Krankenversicherungspflicht. Jetzt musst du dich entweder privat oder gesetzlich krankenversichern (nicht jeder hat die Wahl zwischen diesen beiden). Und das wird für uns als Selbstversorger richtig teuer. Denn der Übergangsbereich ist hier nicht anwendbar. Wenn du dich beispielsweise freiwillig gesetzlich versicherst und die sogenannte Mindestbemessungsgrundlage bei derzeit 1.038,33 Euro liegt, dann zahlst du davon insgesamt – je nach gesetzlicher Krankenkasse – rund 15 % ohne Krankengeldanspruch. Hinzu kommt noch die gesetzliche Pflegeversicherung von etwa 3,3% für kinderlose (ohne geht es leider nicht). Das sind also zusammen knapp 190 Euro monatlich. Deshalb sollte man hier genau nachrechnen, ob es Sinn macht im Übergangsbereich (Midijob) vorerst zu bleiben, in den Minijob zu wechseln oder endgültig aus der abhängigen Beschäftigung auszusteigen.

Keine Einkommenssteuer mehr

Als Vollzeitbeschäftigter bist du es gewohnt Lohnsteuer, Kirchensteuer (wenn noch nicht ausgetreten) und einen Solidaritätszuschlag zu zahlen. Dein Arbeitgeber behält auf Grundlage deiner elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmale einen Teil deines Lohnes ein und führt diese an das Finanzamt ab (Abzugsteuer). Sobald du beginnst weniger zu arbeiten und dadurch ein geringeres steuerpflichtiges Gesamteinkommen hast, ändert sich auch deine Steuerlast. Sprich, du zahlst immer weniger Steuern.

Die lineare Steuerprogression (weniger Einkommen = weniger Steuern) zwischen dem Eingangsteuersatz von 14% und Spitzensteuersatz von 42% macht das alles möglich. Dadurch erhöht sich – wie bei der Sozialversicherung – automatisch dein Netto-Stundenlohn, wodurch du wieder weniger arbeiten brauchst und wiederum Steuern und Sozialversicherungsbeiträge sparst. Denke aber daran, deine gesamten Einkünfte aus anderen Jobs, Gewerbe, Dividenden, Aktien, Zinsen und so weiter zu berücksichtigen und nicht nur dein Gehalt aus deinem Hauptjob. Irgendwann dann, wenn sich dein Einkommen unter einem steuerrelevanten Grundfreibetrag im Kalenderjahr bewegt, zahlst du überhaupt keine Einkommensteuern mehr. Dieser Grundfreibetrag steigt i.d.R. jährlich und liegt im Jahr 2019 bei 9.168 Euro. Es kann aber dennoch passieren, dass dein Arbeitgeber oder auch deine Bank derartige Steuern abführen: Beispielsweise weil du einige Monate so richtig gut verdienst hast oder vergessen hast einen Freistellungsauftrag bei deiner Bank einzurichten. Dann solltest du dein Geld mit der jährlichen Steuererklärung wieder zurückholen.

Kapitalertragsteuer meiden durch einen Freistellungsauftrag

Damit erst gar keine Kapitalertragsteuer abgeführt wird (Banken sind wie Arbeitgeber dazu verpflichtet), sollte man einen Freistellungsauftrag bei all seinen Banken, Bausparkassen, Brokern usw. einrichten. Diesen kannst du splitten und bei mehreren Banken verteilen, nur der gesamte Betrag darf nicht überschritten werden (wird überwacht). Ansonsten werden dir deine Zinsen, Dividenden, Erträge und Gewinne aus Zertifikaten, Anleihen, Fonds und Aktien pauschal mit derzeit 25% zuzüglich Solidaritätszuschlag (etwa 5,5% von den 25%) und ggf. Kirchensteuer (knapp 8 bzw. 9% von den 25%) steuerlich abgegolten und nicht erst wenn du den Freibetrag von 801 bzw. 1.602 Euro (verheiratete) überschreitest. Und selbst wenn der Freistellungsauftrag nicht mehr ausreichen sollte, kann es Sinn machen (nachrechnen), diese in der Steuererklärung anzugeben. Nämlich dann, wenn dein persönlicher Steuersatz unter den 25% liegt. So wird nur der geringere Steuersatz vom Finanzamt veranlagt und du bekommst dein Geld zurück.

Kirchensteuer vermeiden durch Kirchenaustritt

Die Kirchensteuer ist mehr oder weniger an die Einkommensteuer gekoppelt. Wenn du Einkommensteuer zahlst, dann zahlst du auch Kirchensteuer. Am einfachsten ist es natürlich aus der Religionsgemeinschaft auszutreten. Das sollte aber niemals eine reine Geldfrage sein. Das Verfahren ist dabei in jedem Bundesland und die Gebühren in vielen Gemeinden unterschiedlich geregelt. Alle haben aber gemeinsam, dass man den Austritt beim Standesamt, bei den Amtsgerichten oder dem Notar persönlich erklären muss. Dann nach dem Austritt (immer zum Monatsende) wird neben der Religionsgemeinschaft selbst auch das Finanzamt informiert, die dann die elektronischen Steuerabzugsmerkmale ändert. Diese können dann durch deinen Arbeitgeber monatlich und der Bank jährlich abgerufen werden, die dann keine Kirchensteuer mehr abführen.

Normalerweise brauchst du nichts mehr tun. Du solltest aber dennoch deine Gehaltsabrechnung überprüfen, dass auch wirklich keine Kirchensteuer einbehalten wurde. Und gegenüber der Bank empfehle ich dir eine Anlassabfrage durchführen zu lassen (im Online-Banking oft möglich), damit diese sofort und nicht erst zur jährlichen Regelabfrage über die Änderung informiert sind. Ich empfehle jeden der austreten möchte, dieses schnellstmöglich zu machen. Die Gemeinden haben die steigenden Kirchenaustritte als neue Geldquelle erkannt und erhöhen diese deutlich. Bei mir hat das ganze 60 Euro gekostet, ein paar Monate zuvor war es gerade noch die Hälfte.

Eine ausführliche Anleitung zum Kirchenaustritt findest du hier.

Minijobs und die Steuern

Dann gibt es bei den Minijobs steuerlich noch einiges zu beachten. Wichtig zu erwähnen ist, dass es unterschiedliche Arten von Minijobs gibt. Im wesentlichen lassen sich diese einerseits in Gewerbe und Privathaushalt und andererseits in Entgelt- und Zeitgrenzen einteilen. Wenn du beispielsweise einen klassischen 450 Euro-Minijob in einem Unternehmen hast, dann darf dein steuerpflichtiges Einkommen regelmäßig nicht 450 Euro monatlich übersteigen. Lohnsteuer fallen für dich zumindest theoretisch nicht an, da dein Arbeitgeber für dich eine Pauschalsteuer von meist 2% (ggf. auch 20%) übernimmt. Diese 2% beinhaltet bereits die Lohnsteuer, den Solidaritätszuschlag und (auch für ausgetretene) die Kirchensteuer. Der Arbeitgeber kann aber die Pauschalsteuer – wenn vertraglich geregelt – auf dich abwälzen oder nach deiner individuellen Lohnsteuerklasse versteuern. Der Vorteil bei der Versteuerung über die Lohnsteuerklasse ist, dass einerseits dein Arbeitgeber die Pauschalsteuer spart und andererseits du über die Steuererklärung deinen Werbungskostenpauschbetrag von bis zu 1.000 Euro geltend machen kannst. Das geht bei einer Pauschalbesteuerung nicht. Auch dein Grundfreibetrag auf Einkommen kann hierbei berücksichtigt werden, wobei das sowohl ein Vorteil als auch ein Nachteil sein kann – es kommt immer auf die Gesamtsituation an.

Deshalb solltest du vor Aufnahme eines Minijobs immer genau nachrechnen und mit deinen potentiellen Arbeitgeber alles durchgehen, nicht das sich der Minijob als Verlustgeschäft herausstellt (Midijobs im Übergangsbereich bei knapp über 450 Euro sind oft rentabler). Der Arbeitgeber entscheidet letztendlich die Besteuerungsart. Dasselbe gilt bei den kurzfristigen Minijobs, die auf 3 Monate oder 70 Arbeitstage begrenzt sind, nur das hier die Lohnsteuer entweder pauschal mit 25% oder nach deiner Lohnsteuerklasse anfällt. Bei dieser Pauschalsteuer kommt allerdings noch der Soli und ggf. Kirchensteuer hinzu. Weitere Infos zu Minijobs bei der Minijobzentrale.