In Teilzeit aussteigen

Die Teilzeit ist nicht nur eine Möglichkeit um weniger zu arbeiten, sondern auch um aus dem Berufsleben schrittweise auszusteigen. Dabei reduzierst du solange deine Arbeitszeit, bis du aus deinem Arbeitsleben komplett ausgestiegen bist oder du nur noch so viel arbeitest wie du es auch wirklich möchtest. Parallel hierzu baust du dir deine Selbstversorgung auf. So brauchst du nicht mehr Lebenszeit mit Giralgeld eintauschen als unbedingt nötig. Und darüber hinaus hast du noch etwas Geld für den Aufbau und du bist günstig krankenversichert.

A k t u e l l e r   J o b      N e u e r   J  o  b   =   J o b a u s s t i e g

Einfach aber unklug: Die vorschnelle Kündigung

Klar, dem Chef kündigen geht schnell und man ist den ganzen Arbeitsstress gleich mit los. Dennoch rate ich von einer vorschnellen Kündigung ohne finanzielle Rücklagen ab. Du wirst zwar später als Selbstversorger kaum noch Geld benötigen, du musst aber erst mal deine Selbstversorgung aufbauen, wovon du auch Leben kannst. Und das kann mehrere Jahre dauern.

Beispiel: Obstanbau

Zuerst benötigst du ein ausreichend großes Grundstück, dass du anschließend mit Obstäumen und -sträuchern bepflanzt. Das kostet anfangs Zeit und Geld. Bis die ersten Früchte geerntet werden können vergehen Jahre. Dann aber lässt der Pflegeaufwand von Jahr zu Jahr nach und du kannst dich über Jahrzehnte kostenlos davon ernähren.

Reduziere deinen Konsum und lege dir ein Grundstück zu

Als Angestellter bist du es gewohnt zu konsumieren und von anderen abhängig zu sein: Du bekommst für deine Arbeit einen Lohn, mit dem du deine Lebensmittel, Kleidung, Möbel und vieles mehr kaufst und über die du deine scheinbaren Bedürfnisse stillst. Ohne Arbeitgeber oder Sozialhilfe und Einzelhandel könntest du schlichtweg nicht überleben. Diesen Teufelskreislauf gilt es mit dem Berufsausstieg über die Teilzeit erst mal zu durchbrechen.

Das tust du, indem du einerseits deinen Konsum reduzierst bzw. ein minimalistisches Leben führst und andererseits deinen Grundbedarf selbst deckst. Letzteres benötigst du eigentlich nur ein ausreichend großes Grundstück, wo du dein ganzes Getreide, Gemüse, Obst, Kräuter usw. anbaust und vielleicht noch ein paar Nutztiere hältst. Im besten Fall kannst du darauf sogar mietfrei Wohnen und deine pflanzlichen und tierischen Produkte weiterverarbeiten bzw. lagern. Ein Wald für Brennholz und sonstigen Holzbedarf wäre auch nicht schlecht.

Wie du an ein Grundstück gelangst erfährst du hier.

Dein Recht auf Teilzeit

Arbeitsrechtlich hast du einen Anspruch auf Teilzeit. Dein Arbeitgeber kann dir deinen Wunsch auf Teilzeit nicht so einfach verbieten. Geregelt ist das ganze im Teilzeit- und Befristungsgesetz und manchmal auch im Tarifvertrag. Hier hast du zwei Möglichkeiten deine Arbeitszeit zu reduzieren und zu verteilen:

Entweder du verringerst die Arbeitszeit zeitlich begrenzt (§ 9a TzBfG) oder eben nicht (§ 8 TzBfG).

Da du ja aus dem Berufsleben ganz aussteigen möchtest, um dich voll und ganz deiner Selbstversorgung zu widmen, kommt für dich nur Letztere in Frage. Voraussetzung dafür ist, dass dein Arbeitsverhältnis mindestens 6 Monate besteht und dein Arbeitgeber mehr als 15 Arbeitnehmer beschäftigt. Weiterhin musst du die Arbeitszeitverringerung, den Umfang und die gewünschte Verteilung spätestens 3 Monate vor Beginn in Textform gegenüber deinem Arbeitgeber geltend machen. Hierzu schreibst du einfach einen Brief mit den notwendigen Angaben (Unterschrift und Datum nicht vergessen). Das ist alle zwei Jahre möglich.

Ziel ist es mit deinem Arbeitgeber eine Vereinbarung über die Arbeitszeitverringerung und dessen Verteilung zu treffen. Solltet du dich mit deinen Arbeitgeber nicht einigen und hat er dir nicht spätestens einen Monat vor Beginn schriftlich abgelehnt, so gilt dein Wunsch als genehmigt. Wenn man dir hingegen deinen Teilzeitwunsch aus „betrieblichen Gründen“ schriftlich ablehnt, dann überprüfe unbedingt, ob gemäß § 8 Abs. 4 TzBfG und ggf. Tarifvertrag tatsächlich berechtigte Gründe vorliegen. Oft liegt nämlich nur ein organisatorisches Verschulden vor, dass überhaupt kein Ablehnungsgrund darstellt.

Du hast die gleichen Rechte wie ein Vollzeitbeschäftigter

Sobald du weniger arbeitest als ein vergleichbarer Vollzeitbeschäftigter, liegt eine Teilzeitbeschäftigung vor. Auch Minijober bis 450 Euro monatlich fallen darunter (§2 Abs. 2 TzBfG). Hier stellt sich berechtigterweise die Frage inwieweit dir dadurch Nachteile entstehen. Die Antwort ist ganz einfach: Abgesehen von einem geringeren Gesamteinkommen (Netto-Stundenlohn steigt dafür), hast du überhaupt keine Nachteile. Das ganze wird dir sogar gesetzlich garantiert (z.B. § 4 TzBfG). Teilzeitbeschäftigte haben schlichtweg die selben Rechte wie ein Vollzeitbeschäftigter.

Beispiel: Urlaub

Nach dem Bundesurlaubsgesetz stehen dir als Arbeitnehmer 24 Urlaubstage bei einer Sechstagewoche zu. Durch Tarifvertrag, Betriebsvereinbarung, individuelle Vereinbarung und betriebliche Übung können deine Urlaubstage auch höher liegen.

Wenn du z.B. bisher als Vollzeitbeschäftigter 30 Tage Urlaub bei einer Sechstagewoche hattest, dann bleiben die 30 Urlaubstage bestehen, wenn du weiterhin an sechs Tagen in der Woche arbeitest. Auf die reduzierte Stundenanzahl kommt es überhaupt nicht an. Die Arbeitstage zählen. Solltest du hingegen nur noch 4 Tage in der Woche arbeiten, dann hättest du nur noch 20 Urlaubstage, den du dann auch nur an den vereinbarten Tagen nimmst (Berechnung: 30 Tage Jahresurlaub geteilt durch die 6 Wochentage mal 4 Wochentage).

Das freiwillige oder tarifliche Urlaubsgeld hingegen wird anteilig auf deine reduzierte Arbeitszeit gekürzt. Und das Urlaubsentgelt nach dem Bundesurlaubsgesetz wird genauso berechnet wie bei Vollzeitbeschäftigten, nur mit dem Unterschied, dass innerhalb des Bemessungszeitraumes der letzten 13 Wochen der durchschnittliche Arbeitsverdienst aufgrund der ggf. reduzierten Urlaubstage bzw. Arbeitsstunden pro Tag letztendlich zu einem geringeren Entgelt führt.

Von der Führungskraft und vom Manager zur verzichtbaren Fachkraft

Eines solltest du dir von Anfang an bewusst machen: Deine berufliche Karriere ist als angehender Selbstversorger endgültig beendet. Je mehr du nämlich deine Arbeitszeit reduziert und aus dem Berufsleben ausscheidest, desto weniger bist du im Alltagsgeschäft involviert. Da man dich irgendwann nicht mehr als Manager oder Führungskräfte einsetzen kann, wirst du zur verzichtbaren Fachkraft. Die Vergütung und das neue Tätigkeitsfeld sehen entsprechend aus. Das kann anfangs ganz schön ins Ego gehen.

Aber nicht nur das. Nahe Menschen in deinem privaten Umfeld werden deinen mutigen Schritt nicht immer gutheißen und sich von dir abwenden. Sie verstehen nicht, dass der berufliche und materielle Status keine Bedeutung mehr für dich hat. In diesem Prozess des Loslassens wirst du deine wahren Freunde erkennen und einen neuen Freundeskreis aufbauen. Das ist gut so.

Voll sozialversichert und mehr Netto in der Tasche

Je weniger du arbeitest, desto geringer ist zwar dein Gesamteinkommen, dafür steigt aber dein Netto-Stundensatz – das ist wie eine Gehaltserhöhung. Das liegt am sogenannten Übergangsbereich, der sich zwischen 450,01 und 1.300 Euro bewegt (ehemals Gleitzone, auch Midijob genannt). In diesem Bereich zahlst du nämlich prozentual immer weniger Sozialversicherungsbeiträge, desto weniger sozialversicherungspflichtiges Gesamteinkommen du hast.

Und das beste, du bist wie ein Vollzeitbeschäftigter in allen Zweigen der gesetzlichen Sozialversicherung voll versichert. Nur deine Arbeitslosen-, Pflege- und Rentenversicherung kann im Versicherungsfall geringer ausfallen. Da wir aber kein Arbeitslosengeld in Anspruch nehmen (das würde zur Abhängigkeit gegenüber dem Staat führen) und wir schon lange nicht mehr an die Rente glauben, spielt das eh keine Rolle mehr.

Überprüfe diesbezüglich regelmäßig deine Gehaltsabrechnung. Es gibt Arbeitgeber die noch die vollen Beitragssätze vom Gehalt abziehen, obwohl sie dazu verpflichtet sind geringere Abzüge in den Zweigen der Sozialversicherung vorzunehmen. Das geht am besten mit einem speziellen Brutto-Netto-Rechner für den Übergangsbereich – beispielsweise der Minijob- und Übergangsrechner von der AOK.

Minijob, Midijob oder lieber ganz aussteigen?

Wenn du in ein paar Jahren hoffentlich bei rund 500 Euro im Monat angekommen bist, dann gilt es sich aus Sicht der Sozialabgaben zu entscheiden. Entweder du bleibst bei den knapp über 450 Euro monatlich und bist voll versichert oder dein Midijob (über 450 bis 1.300 Euro) wird zum Minijob (bis 450 Euro).

Als Minijobber unter 450,01 Euro hast du keine Leistungsansprüche mehr in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung, da du keine Beiträge mehr einzahlst (dein Arbeitgeber schon noch). Bei der Rentenversicherung zahlst du hingegen weiterhin einen reduzierten Beitrag von 3,6% (2020) ein, wovon du dich aber befreien lassen kannst. Und hinsichtlich Krankenversicherung musst du dich auf eigene Kosten gesetzlich oder privat weiter versichern. Das kann richtig ins Geld gehen:

Gesetzliche Krankenversicherung (2020)

Wenn du dich freiwillig gesetzlich versicherst und die Mindestbemessungsgrundlage bei 1.061,67 Euro liegt, dann zahlst du davon insgesamt – je nach gesetzlicher Krankenkasse – rund 15 % ohne Krankengeldanspruch. Hinzu kommt noch die gesetzliche Pflegeversicherung von etwa 3,3% für kinderlose (ohne geht es leider nicht). Das sind also zusammen knapp 190 Euro monatlich.

Deshalb sollte du hier genau nachrechnen, ob es Sinn macht im Übergangsbereich (Midijob) vorerst zu bleiben, in den Minijob zu wechseln oder endgültig aus der abhängigen Beschäftigung auszusteigen.

Unter deinem Grundfreibetrag zahlst du keine Einkommensteuer mehr

Als Vollzeitbeschäftigter bist du es gewohnt Lohnsteuer, Kirchensteuer (wenn noch nicht ausgetreten) und einen Solidaritätszuschlag zu zahlen. Dein Arbeitgeber behält auf Grundlage deiner elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmale einen Teil deines Lohnes ein und führt diese an das Finanzamt ab (Abzugsteuer). Sobald du weniger arbeitest und dadurch ein geringeres steuerpflichtiges Gesamteinkommen hast, ändert sich auch deine Steuerlast. Sprich, du zahlst immer weniger Steuern.

Die lineare Steuerprogression (weniger Einkommen = weniger Steuern) zwischen dem Eingangsteuersatz von 14% und Spitzensteuersatz von 42% macht das alles möglich. Dadurch erhöht sich dein Netto-Stundenlohn, wodurch du wieder weniger arbeiten brauchst und wiederum Steuern und Sozialversicherungsbeiträge sparst. Denke aber daran, deine gesamten Einkünfte aus allen Jobs, Gewerbe, Dividenden, Aktien, Zinsen und so weiter zu berücksichtigen.

Irgendwann dann, wenn sich dein Einkommen unter einem steuerrelevanten Grundfreibetrag im Kalenderjahr bewegt, zahlst du überhaupt keine Einkommensteuern mehr. Dieser Grundfreibetrag steigt i.d.R. jährlich und liegt im Jahr 2020 bei 9.408 Euro. Es kann aber dennoch passieren, dass dein Arbeitgeber oder auch deine Bank derartige Steuern abführen: Beispielsweise weil du einige Monate so richtig gut verdienst hast oder vergessen hast einen Freistellungsauftrag bei deiner Bank einzurichten. Dann solltest du dein Geld mit der jährlichen Steuererklärung wieder zurückholen.

 

Als Minijobber können doch noch Steuern anfallen

So unterschiedlich die Arten von Minijobs sind, so unterschiedlich kann die Steuerlast ausfallen. Im wesentlichen lassen sich Minijobs aber in Gewerbe und Privathaushalt und andererseits in Entgelt- und Zeitgrenzen einteilen.

Wenn du beispielsweise einen klassischen 450 Euro-Minijob in einem Unternehmen hast, dann darf dein steuerpflichtiges Einkommen regelmäßig nicht 450 Euro monatlich übersteigen. Lohnsteuer fallen für dich zumindest theoretisch nicht an, da dein Arbeitgeber für dich eine Pauschalsteuer von meist 2% (ggf. auch 20%) übernimmt. Diese 2% beinhaltet bereits die Lohnsteuer, den Solidaritätszuschlag und (auch für ausgetretene) die Kirchensteuer. Der Arbeitgeber kann aber die Pauschalsteuer – wenn vertraglich geregelt – auf dich abwälzen oder nach deiner individuellen Lohnsteuerklasse versteuern.

Der Vorteil bei der Versteuerung über die Lohnsteuerklasse ist, dass einerseits dein Arbeitgeber die Pauschalsteuer spart und andererseits du über die Steuererklärung deinen Werbungskostenpauschbetrag von bis zu 1.000 Euro geltend machen kannst. Das geht bei einer Pauschalbesteuerung nicht. Auch dein Grundfreibetrag auf Einkommen kann hierbei berücksichtigt werden, wobei das sowohl ein Vorteil als auch ein Nachteil sein kann.

Der Arbeitgeber entscheidet letztendlich die Besteuerungsart. Dasselbe gilt bei kurzfristigen Minijobs, die auf 3 Monate oder 70 Arbeitstage begrenzt sind, nur das hier die Lohnsteuer entweder pauschal mit 25% oder nach deiner Lohnsteuerklasse anfällt. Bei dieser Pauschalsteuer kommt allerdings noch der Soli und ggf. Kirchensteuer hinzu.

Weitere Infos zu Minijobs bei der Minijobzentrale.