Alle Angestellten kennen die hohen Abzüge auf der Gehaltsabrechnung. Was oft fälschlicherweise als reine Steuerabzüge wahrgenommen wird, sind tatsächlich die Lohnsteuer, der Solidaritätszuschlag, die Kirchensteuer und Sozialversicherungsbeiträge. Manchmal kommen noch ein paar weitere Abzüge dazu, beispielsweise eine betriebliche Altersvorsorge. Bei Selbstversorgern sieht das schon ganz anders aus. Als Angestellter und angehender Selbstversorger ist es für dich wichtig, den Übergang der sozialen Absicherung vom abhängigen Angestellten zum selbstverantwortlichen Selbstversorger zu meistern. Dann vermeidest du nicht nur unnötige Kosten im Versicherungsfall, sondern gerätst auch nicht so schnell in die Schuldenfalle durch Nachforderungen der gesetzlichen Sozialversicherungsträger.

Zweige der Sozialversicherung

Die soziale Absicherung in Deutschland übernimmt für viele Personen- und Berufsgruppen der Staat, die größtenteils mit Beiträgen ihrer Pflichtmitglieder finanziert wird. Geregelt ist das alles in den entsprechenden Sozialgesetzbüchern. Das hat eine lange Tradition. Dennoch oder gerade deshalb gerät das Sozialversicherungssystem immer mehr ins schwanken, was dazu führt das Leistungen immer mehr gekürzt, Beiträge erhöht, weitere Personengruppen pflichtversichert und Steuergelder herangezogen werden. Wie wir im folgenden sehen, übernimmt der Arbeitgeber (AG) bereits etwa die Hälfte der Beitragszahlungen für den pflichtversicherten Arbeitnehmer (AN). Reine Selbstversorger hingegen sind nicht überall pflichtversichert, dafür müssen diese alleine für die gesamten Beiträge aufkommen. Die gesetzliche Sozialversicherung lässt sich dabei wie folgt aufteilen:

  • Gesetzliche Rentenversicherung (AG 9,3 %/AN 9,3 %)
  • Gesetzliche Krankenversicherung (AG 7,3 %/AN 7,3 %; zuzüglich jeweils halber Zusatzbeitrag von durchschnittlich 1,1 %)
  • Pflegeversicherung (AG 1,525 %/AN 1,525 % oder in Sachsen AG 1,025 %/AN 2,025 %; zuzüglich Beitragszuschlag von 0,25 % von Kinderlosen)
  • Arbeitslosenversicherung (AG 1,20 %/AN 1,20 %)
  • Gesetzliche Unfallversicherung (AG 100 %/AN 0 %)

Die in Klammern (…) angegebenen Beitragssätze sind nur für Angestellte mit mehr als monatlich 1.300 Euro sozialversicherungspflichtiges Bruttoeinkommen relevant. Darunter  befindest du dich (soweit du noch irgendwo angestellt bist) entweder im Übergangsbereich (Midijob) zwischen 450,01 und 1.300 Euro oder in einer Geringfügigen Beschäftigung (Minijob) bis 450 Euro. Die geringsten Beiträge bei vollen Leistungsanspruch zahlst du als Midijobber bei knapp über 450 Euro monatliches Einkommen. Darunter zahlst du (mit ggf. Ausnahme der Rentenversicherung) keine Beiträge mehr und bist daher auch nicht mehr versichert. Dafür musst du dich mit den vollen Beiträgen freiwillig gesetzlich oder privat krankenversichern.

Träger der Gesetzlichen Rentenversicherung ist die Deutsche Rentenversicherung (DRV). Die meisten Angestellten sind hier pflichtversichert, wobei sich Minijober bis 450 Euro befreien lassen können. Wer nicht pflichtversichert ist, kann sich dort oft freiwillig versichern. Sollten bestimmte Mindestgrößen von u.a. land- und forstwirtschaftlichen Flächen bei Selbstversorgern überschritten werden, kann aber auch eine Pflichtmitgliedschaft in der Landwirtschaftlichen Alterskasse (LAK) bei der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) entstehen.

Bei der Gesetzlichen Krankenversicherung hat man als Angestellter oder freiwillig gesetzlich versicherter Selbstversorger (wenn man vorher in einer gesetzlichen krankenversichert war) mehr oder weniger die Wahl zwischen den Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK), Betriebskrankenkassen (BKK), Ersatzkassen (EK), Innungskrankenkassen (IKK) und der Knappschaft (KBS), die sich jedoch nur minimal in den kassenindividuellen Zusatzbeiträgen und damit in den Beitragssätzen unterscheiden. Zuletzt gibt es noch die Landwirtschaftliche Krankenkasse (LKK) über die SVLFG, die aber genauso wie die Landwirtschaftliche Alterskasse nur Selbstversorgern mit einer bestimmten Mindestgröße vorbehalten ist. Dann allerdings kann eine Pflichtmitgliedschaft für Selbstversorger entstehen. Wer in Deutschland nicht bereits krankenversichert ist, wird sich aufgrund der allgemeinen Krankenversicherungspflicht entweder über eine abhängige Beschäftigung über 450 Euro monatlich (als Minijober ist man nicht versichert), freiwillig gesetzlich oder privat krankenversichern müssen.

Die Pflegeversicherung orientiert sich immer an der Krankenversicherung. Wer krankenversichert ist ist auch immer automatisch pflegeversichert. Deshalb gelten dort die gleichen Bedingungen wie für die Krankenversicherung.

Die Bundesagentur für Arbeit ist Träger der Arbeitslosenversicherung. Versicherungspflichtig sind alle abhängigen Angestellten mit Ausnahme von Minijobern, die regelmäßig nicht mehr als 450 Euro monatlich verdienen oder kurzfristig höchstens 70 Arbeitstage bzw. 3 Monate tätig sind. Für reine Selbstversorger spielt diese Versicherung keine Rolle.

Bei der Gesetzlichen Unfallversicherung handelt es sich um die Berufsgenossenschaften und Unfallkassen. Die Berufsgenossenschaften lassen sich in neun gewerbliche und einer landwirtschaftlichen (SVLFG) aufteilen. Angestellte sind über ihren Arbeitgeber entweder in einen der neun gewerblichen Berufsgenossenschaften oder einer der Unfallkassen (u.a. öffentlicher Dienst) kostenlos unfallversichert. Soweit eine Versicherungspflicht besteht und eine Befreiung nicht möglich ist, muss sich ein Selbstversorger bei der Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft über die SVLFG beitragspflichtig versichern (näheres weiter unten). Das geschieht regelmäßig mit dem Kauf oder Pacht von land- und forstwirtschaftlichen Flächen.

Angestellte brauchen sich nur um die Gehaltsabrechnung zu kümmern

Der Arbeitgeber ist verpflichtet die Berechnung und entsprechenden Abzüge von deinem sozialversicherungs- und steuerpflichtigen Bruttolohn für die Sozialversicherungsträger, dem Finanzamt und andere Stellen vorzunehmen. Erst dann bekommst du den Nettolohn auf dein Girokonto ausbezahlt. Ähnlich verläuft es gegenüber deiner Hausbank, die ohne Freistellungsauftrag von deinen Zinsen, Dividenden und Gewinnen die Kapitalertragsteuer, Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer abführt. Geregelt ist das alles in den entsprechenden Gesetzen.

Da die Regelungen sehr komplex sind und sich immer wieder im Detail ändern, machen die Arbeitgeber unbeabsichtigt Fehler bei der Gehaltsabrechnung. Und zwar regelmäßig zum Nachteil der Arbeitnehmer, was vermutlich mit den automatisierten Prozessen und der Haftung zusammenhängt (im Zweifel lieber mehr abziehen). Wenn jetzt noch wir Selbstversorger ein wenig als Angestellte etwas dazu verdienen möchten, um steuerliche Freibeträge (z.B. Grundfreibetrag) und einen reduzierten Beitragssatz (z.B. Midijob im Übergangsbereich) in der Sozialversicherung voll auszuschöpfen, dann sind Abrechnungsfehler nach meiner Erfahrung vorprogrammiert. Deshalb solltest du dir diesbezüglich ein Grundwissen aneignen, deine Gehaltsabrechnung immer wieder nachrechnen und zu hohe Abzüge am besten sofort zurückfordern. Wenn sich der Arbeitgeber nicht darauf einlässt, dann kannst du zu viel bezahlte Steuern mit der Steuererklärung und die Sozialversicherungsbeiträge indirekt über eine Arbeitgeber-Beschwerde zurückbekommen.

Selbstversorger sind wie Selbständige selbst verantwortlich

Selbstversorger, die überhaupt nicht mehr beruflich tätig sind, kennen das so nicht: Entweder führen diese die vollen Beiträge ab (also ohne Arbeitgeberanteil) oder überhaupt nicht. Je nachdem um welche Zweige der Sozialversicherung es sich handelt. Wer vorher angestellt und dadurch gesetzlich krankenversichert war, muss sich als Selbstversorger aufgrund der allgemeinen Krankenversicherungspflicht freiwillig gesetzlich krankenversichern. Andere wiederum müssen sich in einen Grundtarif mit ähnliche Leistungen wie die gesetzlichen privat krankenversichern.

Wer freiwillig gesetzlich krankenversichert ist, ist auch automatisch gesetzlich pflegeversichert. Bei der Deutschen Rentenversicherung sind neben den Angestellten auch viele Selbständige wie Handwerker, Dozenten und Selbständige mit nur einem Auftraggeber mit wirklich sehr hohen Beiträgen pflichtversichert. Reine Selbstversorger hingegen nicht (wovon auch ohne Einkommen?). Da die eigene Selbstversorgung keine abhängige Beschäftigung ist, kann man sich auch nicht gegen Arbeitslosigkeit versichern (Selbstständige zwischenzeitlich schon). Und gegenüber der Berufsgenossenschaft gelten Selbstversorger als landwirtschaftliche Unternehmer. Im Gegensatz zum Finanzamt, die unsere natürliche und traditionelle Lebensweise oft als Liebhaberei annimmt.

Du siehst schon, es gibt als angehender Selbstversorger einiges zu beachten. Es ist aber im Grunde nichts anderes wie als Angestellter, nur das sich nicht mehr dein Arbeitgeber um die Sozialversicherung kümmert, sondern ab sofort du selbst. Das nennt man Selbstverantwortung oder auch Freiheit. Solange du aber noch über 450 Euro monatlich irgendwo arbeitest, brauchst du dir kaum darüber Gedanken machen. Hier bist du nämlich noch voll versichert. Nur bei der Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft und Deutschen Rentenversicherung kann unabhängig von deinem Arbeitsverhältnis noch eine zusätzliche Versicherungspflicht entstehen: Beispielsweise beim Kauf von landwirtschaftlichen Grundstücken oder wenn du als Selbstversorger-Dozent tätig wirst.

Angestellte zwischen 1.300 Euro und der Beitragsbemessungsgrenze zahlen am meisten

Wie wir an den Beitragssätzen ganz oben sehen zahlt der Arbeitgeber bereits etwa die Hälfte der Sozialversicherungsbeiträge. Die Berufsgenossenschaft, die u.a. für Arbeits- und Wegeunfälle zuständig ist, sogar ganz. Würde der Arbeitgeber das nicht tun, dann wäre die Abgabelast für den Angestellten doppelt so hoch. Rechnet man alles zusammen, so liegen die gesamten Abzüge alleine in der Sozialversicherung für einen Angestellten bei gut 20 %. Niedriger fallen diese nur aus, wenn man in Teilzeit als Midijober im sogenannten Übergangsbereich zwischen 450,01 und 1.300 Euro verdient (früher Gleitzone bis 850 Euro). Hier sinken nämlich die Beiträge prozentual, was dazu führt, dass sich das Nettogehalt erhöht. Möchte man überhaupt keine Sozialversicherungsbeiträge zahlen (Arbeitgeber zahlen ggf. schon noch ein, jedoch ohne Leistungsansprüche für den Arbeitnehmer), dann geht das nur als Minijober bis 450 Euro monatlich oder bei kurzfristigen Minijobs bis 70 Arbeitstage bzw. 3 Monate (minijob-zentrale.de). Bei 450 Euro-Minijobern fallen mit Leistungsanspruch noch 3,6% Rentenversicherungsbeiträge an, wovon man sich aber befreien lassen kann.

Bewegt man sich hingegen in den oberen Einkommen, dann zahlt man nur einen Höchstbetrag bis zur jeweils jährlich angepassten Beitragsbemessungsgrenze. Diese sind im Jahr 2020 zum einen die Kranken- und Pflegeversicherung mit 4.687,50 Euro monatlich und zum anderen die Renten- und Arbeitslosenversicherung mit 6.900 (West) bzw. 6.450 Euro (Ost) monatlich. Alles darüber fallen keine Beiträge an. Indirekt führt also eine Überschreitung der Beitragsbemessungsgrenze tatsächlich zu einer prozentualen Reduzierung der Beiträge. Überschreitet man die Versicherungspflichtgrenze von 5.212,50 Euro monatlich, dann kann man darüber hinaus auch noch in die private Krankenversicherung wechseln. Man sieht schon, die höchste Belastung an Sozialversicherungsbeiträgen haben Angestellte, die über 1.300 Euro und unter der jeweiligen Beitragsbemessungsgrenze monatlich verdienen – also die Vollzeitbeschäftigten und die Mittelschicht.

Selbstversorger mit knapp über 450 Euro-Nebenjob sind besonders günstig versichert

Bei uns Selbstversorgern und die es werden möchten sieht das ganze natürlich anders aus, wobei die gleichen Regeln gelten, sobald wir noch etwas als Angestellte hinzuverdienen möchten. Das kann beispielsweise sein, wenn wir uns günstig gesetzlich krankenversichern oder in den anderen Zweigen der Sozialversicherung absichern möchten. Am günstigsten kommst du davon, wenn du als Midijober regelmäßig knapp über 450 monatlich Euro verdienst. Hier sind die Beiträge besonders günstig. Allerdings können auch die Leistungsansprüche der Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung dann geringer ausfallen. Bei der Krankenversicherung macht es hingegen keinen Unterschied wie viel du einzahlst, die Leistungen bleiben immer gleich.

Solltest du hingegen höchstens 450 Euro verdienen (Minijob) oder überhaupt keine abhängige Beschäftigung mehr haben, dann wird (soweit du dich nicht privat versicherst) dir auf Grundlage des jährlichen Steuerbescheides von deinen gesamten Einkünften (genauso wie bei Selbständigen) die vollen Beiträge berechnet – also auch den Arbeitgeberanteil. Dabei wird jedoch immer von einem Mindesteinkommen, die Mindestbemessungsgrenze, von derzeit (2020) 1061,67 Euro monatlich ausgegangen. Ohne Krankengeldanspruch und mit Zuschlag bezahlst du davon rund 15%. Hinzu kommt noch die gesetzliche Pflegeversicherung von etwa 3,3% für kinderlose (ohne geht es leider nicht). Das sind dann zusammen knapp 195 Euro monatlich. Als Midijober würdest du bei knapp über 450 Euro monatlich insgesamt deutlich weniger zahlen (rund 50 Euro in ALLEN Zweigen der Sozialversicherung), wärst noch in allen Zweigen der Sozialversicherung voll versichert und du hättest noch einen Verdienst, mit denen du deine Tribute (Grundsteuer, Rundfunkbeitrag, Berufsgenossenschaft usw.) abzahlen könntest. Die AOK bietet diesbezüglich einen interessanten Minijob- und Übergangsrechner an.

Bis zu 2.400 oder 720 Euro jährlich zusätzlich steuer- und sozialversicherungsfrei

Wenn du mit entsprechenden Kenntnissen als Übungsleiter, Ausbilder, Erzieher, Betreuer, Dozent, Künstler, Pfleger oder ähnliches für gemeinnützige, mildtätige, kirchliche Zwecke oder einer juristischen Person des öffentlichen Rechts tätig bist, dann kannst du bis zu 2.400 Euro jährlich steuer- und somit auch sozialversicherungsfrei hinzu verdienen (bei mir war das damals bei der IHK als Prüfer). Gemeint ist hier die Übungsleiterpauschale nach § 3 Nr. 26 EStG. Hierbei handelt es sich vielmehr um eine Aufwandsentschädigung, weshalb du auch bis zu diesen Betrag keine Werbungskosten absetzen kannst. Alles darüber wird versteuert. Du musst aber darauf achten, dass es nicht dieselbe Tätigkeit ist, die du bereits beruflich ausübst und sich die aufgewendete Zeit in Grenzen hält. Voraussetzung ist zwar auch, dass die Tätigkeit nebenberuflich ausgeübt wird, dieses bezieht sich aber nur auf eine vergleichbaren Vollzeitstelle mit maximal einem Drittel der jährlichen Arbeitszeit (also auch für Minijober oder Selbstversorger möglich). Solltest du in einer der oben genannten Einrichtungen jedoch eine andere Tätigkeit ausüben, dann kommt vielleicht für dich noch die Ehrenamtpauschale nach § 3 Nr. 26a EStG infrage, wo du immerhin bis zu 720 Euro jährlich hinzu verdienen kannst (z.B. Vereinsvorsitz).

Die Berufsgenossenschaft – Alle sind versichert, aber nur Selbstversorger zahlen

Die Berufsgenossenschaften sind die Sozialversicherungsträger der gesetzlichen Unfallversicherung. Angestellte sind in einer der neun gewerblichen Berufsgenossenschaften oder Unfallkassen automatisch und kostenlos über ihren Arbeitgeber versichert. Sollte es beispielsweise zu Berufskrankheiten, Arbeits- und Wegeunfällen kommen, dann übernimmt die Berufsgenossenschaft geeignete Maßnahmen zur Wiederherstellung oder die Entschädigung, wobei die Vermeidung solcher Unfälle natürlich immer im Vordergrund steht. Selbstversorger hingegen gehören einer Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft an und zwar der SVLFG. Diese unterscheidet sich total von den gewerblichen Berufsgenossenschaften.

Beiträge müssen wir Selbstversorger komplett alleine übernehmen, sind dafür aber auch – im Gegensatz zu Selbständigen – selbst versichert. Nicht jeder ist verpflichtet dort Mitglied zu werden, aber mit den Kauf oder der Pacht einer land- oder forstwirtschaftlichen Fläche begründest du faktisch eine Mitgliedschaft. Aber auch der Gartenbau, Weinbau, die Wanderschäferei, Binnenfischerei, Jagd und einiges mehr kann eine Mitgliedschaft begründen. Manchmal muss noch die gewerbsmäßige Ausübung (z.B. über 25 Bienenvölker), ein bereits bestehendes landwirtschaftliches Unternehmen oder die Nutztierhaltung mit Bodenbewirtschaftung hinzukommen. Davon befreien kannst du dich nur mit einer Grundstücksfläche bis zu 2.500 Quadratmetern. Ausgenommen davon sind Spezialkulturen oder wenn weitere Personen für dich tätig sind.

Für die SVLFG gelten Eigentümer oder Pächter von land- oder forstwirtschaftlich genutzten Grundstücken immer als Unternehmer, auch wenn wir Selbstversorger uns nur selbst versorgen und nichts weiter verkaufen. Auf die Grundstücksgröße oder eine behördliche Anmeldung als Landwirt kommt es dabei nicht an. Ähnlich ist es übrigens auch gegenüber der Tierseuchenkasse und dem Veterinäramt, die keinen Unterschied zwischen Massentierhalter und Einzeltierhalter machen. Alles ist dieselbe Rechtsgrundlage, die eigentlich nur für Großbetriebe ausgelegt ist. Der Grundbeitrag bei der Berufsgenossenschaft ist für einen Selbstversorger das teuerste. Dieser liegt derzeit zwischen 87,50 und 350 Euro jährlich, wobei der Mindestgrundbeitrag durch eine Korrektur auch etwas niedriger ausfallen kann. Hinzu kommt noch ein individueller Risikobeitrag, der allerdings aufgrund der geringen Flächen von Selbstversorgern kaum etwas ausmacht. Bei echten Land- und Forstwirten sieht das schon ganz anders aus.

Zusammenhängende Grundstücke soweit verkleinern und verkaufen, dass höchstens nur noch 2.500 Quadratmeter übrig bleiben, funktioniert übrigens nicht, um aus der Berufsgenossenschaft raus zukommen. Das Agrarstrukturverbesserungsgesetz (ASVG) am Beispiel von Baden-Württemberg lässt das nämlich nicht zu, zumindest nicht ohne Genehmigung der örtlich zuständigen Landwirtschaftsbehörde (Landratsamt im Landkreis oder Stadtverwaltung im Stadtkreis). Und diese sind hier sehr streng, obwohl dieses Gesetz zusammen mit dem Flurbereinigungsgesetz (FlurbB) für das große Artenvielfaltsterben in Deutschland mitverantwortlich sind (wirtschaftliche und räumliche Nutzung hat Vorrang).

Selbstversorger und die landwirtschaftliche Alterskasse, Krankenkasse und Pflegekasse

Die SVLFG ist aber nicht nur für die Landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft zuständig, sondern auch für die Landwirtschaftliche Alterskasse, Krankenkasse und Pflegekasse. Und hier solltest du aufpassen. Sobald du nämlich nicht mehr als Angestellter tätig bist und die Mindestgrößen der landwirtschaftlichen Alterskasse überschreitest, bist du faktisch Kassenmitglied in allen drei genannten Zweigen. Befreiungen hiervon sind aber manchmal möglich. Reine Selbstversorger fallen aber normalerweise nicht darunter, weil die Mindestgrößen regelmäßig nicht überschritten werden. Zumindest dann nicht, wenn man nur soviel Land erwirbt und anbaut, wie man für die eigene Selbstversorgung auch wirklich benötigt. Das gleiche gilt übrigens auch für die Imkerei unter 100 Bienenvölker oder der Wanderschäferei unter 240 Großtiere.

Grenzwertig könnte es allerdings werden, wenn man wie echte Land- und Forstwirte seine Erträge weiterverkauft und entsprechend mehr Anbauflächen benötigt. Eine Mitgliedschaft kann aber für uns Selbstversorger dennoch interessant sein, zumindest bei der Krankenkasse (Pflegekasse ist automatisch mit dabei). Denn hier erfolgt die Beitragshöhe nicht wie bei Angestellten nach einem bestimmten Beitragssatz und deren Einkünften (Gehalt, Lohn), sondern nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des Unternehmens (= Größe der Selbstversorgung). Und hier ist unser Vorteil: Je kleiner nämlich unsere Selbstversorgung ist, desto geringer fallen faktisch die Beiträge aus. Das führt dazu, dass die Beiträge zur Kranken- und Pflegekasse geringer ausfallen können (ab rund 120 Euro), als wen man sich freiwillig in einer nicht-landwirtschaftlichen gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung versichert (ab knapp 190 Euro). Es gibt dabei aber eine entscheidende Hürde zu bewältigen: Wir benötigen eine Mindestgröße (von was auch immer) um uns überhaupt freiwillig oder als Pflichtmitglied in der landwirtschaftlichen Krankenkasse versichern zu können. Weiterhin kommt zumindest bei einer Pflichtmitgliedschaft noch die Beiträge der Alterskasse hinzu – im Jahr 2019 sind das 253 bzw. 234 Euro monatlich. Das ganze kann die Sache dann wieder unrentabel machen. Es kommt also immer auf die Gesamtsituation den Einzelnen an.

Zu guter Letzt

Lasse dich von den ganzen Regelungen nicht abschrecken – das ist systembedingt. Du wirst mit der Zeit rein wachsen (war bei mir nicht anders) und selbst entscheiden, ob und wie du dich absichern möchtest. Nicht der Gesetzgeber! Auch wenn es gesetzliche Vorgaben gibt: Wie du deine Selbstversorgung letztendlich organisierst liegt ausschließlich an dir. Einige Grenzwerte leicht über- oder unterschritten können zur Versicherungsfreiheit aber auch zur Versicherungspflicht führen. Du solltest deshalb alles im Gesamten betrachten. Weniger ist oft mehr.