Wo sich viele Konsumenten mit gespritzten Obst aus riesigen Plantagen zufriedengeben oder mit regionalen Scheinlabel blenden lassen, können wir Selbstversorger frisch von vielfältigen Bäumen und Sträuchern naschen oder gleich weiter verarbeiten. Der Geschmack alt bewährter Sorten ist ein Genuss für alle Sinne und das alles ohne Zusatzstoffe. Und die ökologische und kleinflächige Anbaumethode macht es möglich, keinerlei chemische Pflanzenschutzmittel und Kunstdünger zu verwenden. Wie auch du dein natürliches Obst anbaust erfährst du im Folgenden.

Wähle deine Obstarten, Obstsorten und Wuchsformen aus

Im Gegensatz zum Gemüse brauchst du beim Obst deutlich mehr Platz. Damit deine Pflanzen wachsen, Photosynthese betreiben und letztendlich reichlich Obst tragen, ist es notwendig, dass deine Pflanzen an sonnigen bis halbschattigen Plätzen stehen. Wobei es einige wenige Pflanzen auch schattig mögen oder überall wachsen.

Zuerst solltest du deine gewünschten Obstarten kennen. Diese lassen sich ganz grob in Beerenobst (z.B. Himbeere, Johannisbeere), Kernobst (z.B. Apfel, Birne), Schalenobst, (z.B. Haselnuss, Walnuss) Steinobst (z.B. Mirabelle, Zwetschge) und sonstiges Obst (z.B. Feige, Kiwi) einteilen. Eine umfangreiche Liste findest du hier. Schaue das es vielfältig wird, nur so kann dein Ökosystem funktionieren.

Anschließend wählst du die Obstsorten aus. Daraus leiten sich u.a. die zukünftigen Ernteerträge, Pflegeaufwände, Eigenschaften (z.B. Geschmack, Fruchtgröße) und Krankheitsanfälligkeiten ab. Achte darauf, dass manchmal sowohl männliche als auch weibliche Pflanzen notwendig sind, damit sich Früchte entwickeln können (z.B. Sanddorn, Kiwi). Überlege dir auch, wie du das Obst zukünftig verwenden möchtest: Manche Sorten sind nur als frisches Tafelobst geeignet und andere wiederum eher für die Weiterverarbeitung oder Lagerung. Jede Sorte ist da komplett anders.

Dann entscheide dich für eine oder mehrere der folgenden Wuchsformen (Obstbäume):

Hochstamm Halbstamm Buschbaum Spindelbusch
Lebensdauer in Jahren 100 60 bis 100 30 bis 40 15 bis 30
Erste Ernteerträge in Jahren 8 4 bis 5 2 bis 3 1 bis 2
Wuchs des Wurzelwerks (Unterlage) stark, sehr tief mitteltief nicht so tief schwach, sehr flach
Wuchshöhe in Meter 6 4 bis 5 3 2,5
Stammhöhe in Zentimeter 180 100 bis 160 40 bis 60 40 bis 60
Pflanzabstand ohne Weg in Meter 10 5 2,5 bis 4 0,60 bis 2,5
Aufwand für Ernte Sehr hoch Hoch Niedrig Sehr niedrig
Aufwand fürs Gießen Wenig Wenig Gelegentlich Regelmäßig
Aufwand für Gehölzschnitt Sehr hoch, aber seltener Hoch Niedrig Niedrig, dafür öfters
Kenntnisse für Gehölzschnitt Einfache Noch einfache Hohe Sehr hohe
Lebenslange Stützhilfe (Pfahl, Draht) Nein Nein, teilweise erforderlich Ja, teilweise nicht erforderlich Ja immer
Schnittform (Beispiele) Krone Krone Busch, Mini-Krone, Spalier, Spindel Spindel, Spalier, Busch

Wie du übrigens an ein Grundstück kommst, erfährst du hier.

Skizziere deinen Traumgarten auf Papier

Nachdem du deine Obstarten, Obstsorten, Wuchsformen und dessen Vor- und Nachteile kennst, kannst du dir nun einen Pflanzplan erstellen. Hier legst du auf Papier ganz grob fest, wo du was auf deinem Grund und Boden pflanzt. Je nachdem was du daraus machst, kannst du dir so einen Bauern-, Kloster– oder Nutzgarten zusammen kreieren. Sei kreativ.

Wichtig hierbei sind die Abstände und Wuchshöhen der irgendwann ausgewachsenen Pflanzen zu berücksichtigen. Auch der jahreszeitlich veränderte Sonnenverlauf und dessen Auswirkungen (z.B. Dauerschatten) spielt eine große Rolle. Für die fruchtbringende Bestäubung sollte die regelmäßige Windrichtung und Pflanzennähe zueinander berücksichtigt werden. Nicht unbedeutend sind natürlich die Wege, vorhandene Bauten, der Gemüsegarten und sonstige Gegebenheiten.

Beachte das es zu den Nachbargrenzen hin gesetzliche Mindestabstände gibt. Diese können sich in jedem Bundesland unterscheiden, zumal es zwischen „Innenbereich“ und „Außenbereich“ unterschiedlich gehandhabt wird. Ganz grob kann man aber sagen: Je höher deine ausgewachsenen Pflanzen, desto größer sollte der Abstand zu deinen Nachbarn sein. Weiterhin können vorhandene Bebauungspläne, landwirtschaftliche Flächen und Schutzgebiete mit weiteren Einschränkungen verbunden sein. So kannst du nicht überall das anbauen, was du gerne möchtest. Der rechtliche Status deines Grundstückes ist hier entscheidend.

So kommst du an deine Bäume und Sträucher

Am besten du besorgst deine Obstpflanzen direkt bei einer regionalen Baumschule. Sind zwar teurer als die von den Bau- und Supermärkten, dafür aber meistens qualitativer und langlebiger. Es gibt inzwischen aber auch günstige und hochwertige Pflanzen aus dem Internet (z.B. bei obstbaeume-online.de), wo selbst viele Baumschulen ihre Obstpflanzen her beziehen.

Alternativ kannst du diese auch kostenlos aus der Natur beziehen. Gemeint sind hier Obstpflanzen, die irgendwann einmal kultiviert wurden und heute verwildert sind. Über ausgegrabene junge Pflänzchen oder das gesammelte Obst und die daraus gewonnenen Sämlinge kannst du dir so einen prächtigen Baum heranziehen. Der größte Vorteil dürfte hier sicherlich in der regionalen Sortenvielfalt liegen, die bereits bestimmte Lager- und Verarbeitungseigenschaften mit sich bringen. Um welche Sorte es sich aber letztendlich handelt kannst du bei Experten nachfragen (z.B. Freilandmuseen). Bedenke aber das es sich in dieser „Wildform“ um keine veredelten Pflanzen handelt.

Du kannst deine Pflanzen aber auch veredeln. Viele kultivierte Obstbäume sind heute veredelt, was mit der Wuchsstärke zusammenhängt. Dadurch lassen sich die vielen Vorteile der kleinwüchsigen Bäume erst realisieren (siehe Wuchsformen). Veredelt bedeutet nichts anderes, als das ein Edelreis (Aststück) von einer gewünschten Obstsorte mit einer Unterlage (Wurzelstück) eines anderen Baumes zu einer Pflanze verbunden wird. Das kannst du entweder selbst machen (es gibt Tageskurse und Bücher darüber) oder durch jemanden machen lassen (z.B. Gärtner).

Weitere Utensilien die du brauchst

Neben dem Obstgehölz benötigst du noch einen Spaten bzw. eine Hacke, Reb- oder Astschere, Gießkanne oder Gartenschlauch mit Gießwasser und humushaltige Erde. Letzteres kannst du hochwertige Pflanzerde kaufen oder Kompost mit etwas Stallmist nehmen. Unverrottete Naturalien wie Äste oder Schafwolle wäre auch nicht schlecht.

Bei empfindlichen oder gefährdeten Obstpflanzen solltest du zusätzlich einen Rindenschutz (Wildfraß, Sonneneinstrahlung; z.B. Baumschutzspirale) bzw. Frostschutz (z.B. Schafwolle, Laub, alte Luftpolsterfolie) verwenden.

Jetzt pflanzt du deine Obstpflanzen

Nun geht es ans Pflanzen. Die beste Zeit dafür ist im Spätherbst und frostfreien Winter. Gemäß deinen Pflanzplan markierst du nun genau die Stellen, wo deine Bäume und Sträucher zukünftig stehen sollen. Das kann einige Zeit beanspruchen, zumal viel ausgemessen werden muss. Dann stellst du die entsprechenden Pflanzen auf die vorgesehenen Markierungen.

Anschließend gräbst du mit einem Spaten die Erdlöcher aus. Diese sollten etwa doppelt so groß sein wie der Wurzelballen deines Obstgehölzes. Diese befüllst du dann mit etwas Erde (Randbereich) und stellst den Wurzelballen der Pflanze rein (vorher Wurzeln etwas anschneiden, dass regt das Wachstum an). Du kannst auch einige Äste, Schafwolle oder ähnliches als Langzeitdünger dazugeben. Jetzt schüttest du die restliche Erde zusammen mit dem Boden (das was du ausgegraben hast) in das Erdloch. Mit den Schuhen fest andrücken und eine Regenrille an der Erdoberfläche formen. Achte unbedingt darauf, dass du keine veredelten Stellen mit eingräbst.

Soweit dein Obstgehölz wackelig auf den Wurzeln steht oder es sich um Flachwurzler (Wurzeln gehen nicht in die Tiefe, z.B. Spindelbüsche) handelt, solltest du noch einen Pfahl hinein hauen. Dann können Stürme oder das schwere Gewicht von reifen Früchten den Pflanzen nichts anhaben.

Der Gehölzschnitt bestimmt deine Erträge

Gleich nach dem Pflanzen machst du den Pflanzschnitt. Hier legst du die gewünschte Form fest. Bei Obstbäumen mit Rundkrone bestimmst du drei bis vier gleichmäßig verteilte Gerüsttriebe auf unterschiedlicher Stammhöhe. Diese kürzt du dann mit dem Mitteltrieb etwas ein. Beim Beerenobst sollte ein Mitteltrieb und vier Seitentriebe stehen, die du dann um ein Drittel einkürzt.

In den darauffolgenden Jahren erfolgt der Erziehungsschnitt, der einem stabilen Gerüst dient. Hierzu kürzt du bei Rundkronen-Bäumen jährlich die Gerüsttriebe ein. Dessen seitlich wachsenden Fruchttriebe lässt du hingegen stehen. Beim Beerenobst mit kurzlebigen Gehölz ist kein Erziehungsschnitt notwendig (z.B. Stachelbeere, Himbeere).

Der anschließende Erhaltungsschnitt reduziert unnötiges Wachstum und hält die Triebe vital. Hierzu stutzt du alle zwei bis drei Jahre die Gerüsttriebspitzen deiner Rundkronen-Bäume und schneidest das alte Fruchtholz ab oder lenkst diese auf jüngere Triebe um. Der Schnitt von Spindelbüschen beschränkt sich jährlich auf den Mitteltrieb und die flachen Frucht- bzw. Seitentriebe. Beim Beerenobst ersetzt du jährlich einzelne Alttriebe durch jüngere Triebe. Vergreiste Triebe lenkst du auf jüngere Seitentriebe und die Gerüsttriebspitzen stutzt du.

Mit zunehmenden Gehölzalter vergreisen die Triebe, wo nur ein Verjüngungsschnitt hilft. Hier schneidest du einfach die überhängenden Triebe ab und ersetzt diese durch junge und seitlich nach oben wachsende Triebe. Anschließend verschlankst du diese.

Unabhängig von der Schnittart entfernst du alle senkrechten, schwachen, konkurrierenden und nach innen wachsenden Triebe. Dasselbe machst du mit den Trieben am Stamm und aus dem Boden.

Bedenke, dass du mit jedem Schnitt die Austriebstärke und Fruchtbildung bestimmst. Lege dir daher unbedingt noch ein gutes Buch zu oder lasse es dir von jemanden Erfahrenen zeigen.

Vergesse ja nicht das Gießen

Spätestens im Frühling muss in den ersten Jahren regelmäßig gegossen werden (Vegetationszeit). Achte dabei immer auf die Bodentrockenheit und die Wurzeltiefe. Je tiefer die Verwurzelung in den kommenden Jahren und feuchter der Boden, desto weniger brauchst du nämlich gießen. Zu viel Gießen ist aber auch nicht gut, denn dann kann es vorkommen, dass die Wurzeln nicht in die Tiefe gehen und diese an extremen heißen Tagen irgendwann vertrocknen. Die meisten Pflanzen brauchst du höchstens die ersten paar Jahre gießen, andere wiederum müssen immer wieder mal ihr Leben lang gegossen werden (z.B. Spindelbusch).

Das ganze Jahr über Obst naschen

Je nach Wuchsform werden deine Obstbäume zwischen dem ersten und achtem Jahr das erste mal Obst tragen. Die Sträucher in den ersten paar Jahren. Bis zur endgültigen Wuchshöhe nehmen die Ernteerträge sogar jährlich zu, auch wenn es immer wieder mal Jahre geben wird, wo es kaum oder überhaupt keine Erträge gibt. Das ist ganz natürlich. Deshalb ist es so wichtig, dass du eine große Arten- und Sortenvielfalt an Obstpflanzen hast.

Bedingt durch die Jahreszeiten, kannst du nicht das ganze Jahr über frisch von deinen Obstpflanzen ernten. Daher solltest du immer mehr Obst anbauen, als du eigentlich für diesen Moment brauchst. Auch um Ernteausfälle vorzubeugen. Diesen Überschuss machst du dann für die kalte Jahreszeit haltbar (z.B. Dörren, Entsaften, Einkochen). Nur so bist du das ganze Jahr über mit bestem Obst versorgt.

Zwischen Mai und Oktober ist Haupterntezeit. Einige Obstarten und -sorten gehen sogar bis in den Winter hinein (z.B. Schlehe, Weißdorn, Lagerobst). Das fängt im Frühjahr mit viel Beerenobst an und verteilt sich dann über den Sommer beim Stein– und Kernobst, bis hin zum Schalenobst im Herbst. In diesem Zeitraum kannst du reichlich frisches Obst von deinen Bäumen und Sträuchern naschen. Danach nur noch vereinzelt oder von deinem haltbar gemachten.

Ab und zu solltest du dein Obstgehölz mit Nährstoffen versorgen

Genauso wie wir Menschen brauchen auch unsere Pflanzen ausreichend Nährstoffe. Stehen diese nicht zur Verfügung, dann wird dein Obstgehölz anfällig für Krankheiten, was den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln notwendig macht. Weiterhin wächst dein Obst kaum noch und manche verkrümmen auch oder gehen ein. Umgekehrt kann aber auch eine Nährstoff-Überversorgung zu den selben Effekten führen.

Bereits mit der Pflanzung erfolgt die erste Düngung. Der natürliche Boden (Erdoberfläche wie Lehm und Sand), pflanzlicher Humus (z.B. Kompost, Jauche, Äste, Blätter, Holzasche) und tierische Abfall (Horn, Stallmist, Harn, Wolle) sorgt bereits für eine anfängliche Nährstoffversorgung.

Später dann solltest du beispielsweise mit Hornspänen bzw. -mehl, Stallmist, Tierharn oder Pflanzenjauche nachdüngen. Wie oft hängt von der Konsistenz deines Naturdüngers ab. Je grobkörniger die Naturalien, desto eher sind diese als Langzeitdünger geeignet und je flüssiger, desto eher als Kurzzeitdünger. Pflanzliche und verrottete Naturalien kannst du mehr verwenden, als Unzersetztes tierischen Ursprungs. Auf künstliche Dünger solltest du hingegen komplett verzichten.

Mehr zum Thema Nährstoffe und Naturdüngung erfährst du hier.

 

Dein Ökosysteme sorgt für den Pflanzenschutz (Permakultur)

Eines vorweg: Wenn du deine Pflanzen in einem ökologischen und in sich geschlossenen Kreislauf anbaust (Permakultur), dann wird dein Gemüse nicht erkranken. Bakterien, Viren, Pilze oder Tiere (Insekten wie Läuse, Weichtiere, Nematoden, Milben) können zwar alle vorhanden sein, aber nicht in dem Maße, dass deine Pflanzen davon einen nennenswerten Schaden nehmen. Dieses Prinzip kennen wir bereits aus der Natur, nur das dort wir Menschen nicht eingreifen.

Es ist wichtig, dass dein Ökosystem gesamtheitlich und zueinander im Gleichgewicht steht. Jeder hat da seinen Platz, auch sogenannte „Schädlinge“ und „Unkräuter“. Solange es nicht zur Überpopulation kommt und deine Pflanzen gesund sind, kann deinen Obstpflanzen nichts passieren. Und wenn du mal ein Ungleichgewicht feststellen solltest, dann schaue nach der eigentlichen Ursache und Bekämpfe nicht gleich die Symptome. Letzteres kann sogar dazu führen, dass die Überpopulation anderer Pflanzen- und Tierarten zunimmt und sich das Ungleichgewicht dadurch vergrößert.

Und wenn dein Obst doch mal dermaßen Befallen ist, dass du eingreifen musst (= ökologisches Ungleichgewicht), dann greife auf natürliche Pflanzenschutzmittel zurück (keine chemischen!). Was du da so verwenden kannst habe ich dir hier zusammengefasst.