Entschleunigt unterwegs – Möglichkeiten der Mobilität

Mit dem Reiserad lässt sich so einiges transportieren

Viele Angestellte pendeln zwischen Arbeitsplatz und Wohnort. Gelegentlich sind Einkäufe zu erledigen und am Wochenende Freizeitaktivitäten angesagt. Nicht wenige haben lange Fahrzeiten und stehen regelmäßig im Stau, die unbezahlt mit Lebenszeit bezahlt wird. Ohne Mobilität sind Angestellte nicht in der Lage die Arbeit persönlich anzutreten und somit den Lebensunterhalt zu bestreiten. Im Gegensatz hierzu ist bei Selbstversorgern der Wohn- und Tätigkeitsort derselbe oder die Grundstücke sind schnell erreichbar. Nicht der Personentransport steht im Mittelpunkt, sondern eher die Tätigkeitserleichterung.

Zu Fuß mit Tasche, Rucksack, Kraxe, Handwagen oder Schubkarren

Zu Fuß mit Rucksack unterwegsAm gesündesten und billigsten lebt es sich beim Spazieren, Wandern, Laufen oder andere Varianten des Zufußgehens. Deine gottgegebenen Beine reichen völlig aus, um auch schwer zugängliches Gelände problemlos zu bewältigen. Soweit deine körperliche Fitness ausreicht, kannst du mit einer Rückentrage bzw. Kraxe, einen Handwagen oder Schubkarren deine Tätigkeiten erledigen.

Der große Vorteil ist, dass du „zu Erholungszwecken“ auch fremde Wege nutzen sowie unbestellte Felder, Wiesen und Wälder zu Fuß überqueren darfst (u.a. § 14 BWaldG; § 59 BNatSchG). Mit motorisierten Fahrzeugen wäre das so nicht möglich. Was du lediglich brauchst ist ein gutes Schuhewerk mit ausreichend Profil und wetterfeste Kleidung.

Ein Fahrrad mit Gepäck oder Hänger

Transport mit dem FahrradMit einem Fahrrad verhält es sich ähnlich wie mit dem Gehen, womit du aber größere Strecken zurücklegen kannst. Leichte Lasten kannst du mit einem Rucksack, mittlere mit Fahrradtaschen oder schwere mit Fahrradanhänger transportieren. Viele Wege abseits von öffentlichen Straßen sind wie zu Fuß mit dem Fahrrad möglich, aber eben nicht alle. Spätestens wenn die Wege nicht mehr ausgebaut sind oder du quer durch den Wald möchtest ist für nicht-geländetaugliche Fahrräder damit Schluss.

Dafür fallen, genauso wie beim Gehen, keine Kosten für Steuern, Versicherung und Sprit an. Für das Fahrrad selbst und dessen Verschleiß allerdings schon. Gute Fahrräder und bestimmte Ersatzteile bekommst du in einer Wegwerfgesellschaft geschenkt. Und wenn du handwerklich noch etwas begabt bist, dann sparst du auch die anfallenden Reparaturkosten.

Tierische Unterstützung beim Transport, Ziehen und Tragen

WagenBevor es Kraftfahrzeuge gab wurden Reit-, Zug-, Pack- und Tragtiere eingesetzt. Dank der Nutztiere konnten schwere Lasten transportiert, der Acker gepflügt und das Holz aus dem Wald gerückt werden. In Europa kamen dabei Rinder, Pferde, Ponys, Esel, Maultiere bzw. Maulesel, Rentiere, Elche, Packziegen oder Hunde zum Einsatz. Welches dieser Nutztiere du heute noch zu welchen Zwecken einsetzen kannst, ist stark vom Tier selbst, von der jeweiligen Region, dem Einsatzgebiet und deinen zur Verfügung stehenden Mitteln abhängig.

Ein großer Vorteil ist die Unabhängigkeit von Energielieferanten, da du keine industriellen Brennstoffe mehr benötigst (z.B. Benzin, Diesel) und zum anderen der warme Stall dein Wohnhaus gleich mitheizt (soweit diese sich im selben Haus befinden). In vielen Freilandmuseen kannst du solche Bauweisen von Funktionshäusern begutachten. Für diese Unabhängigkeit musst du dich aber voll und ganz deinen Tieren widmen (z.B. Füttern, Pflege, Heu machen) und den entsprechenden Platz zur Verfügung stellen.

Kleinkrafträder – Roller, Lastendreirad und Kleintransporter sind die besten

Zwei- oder dreirädrige Kleinkrafträder wie Mofas, Mokick, Moped, Roller, Lastendreirad, Klein(st)transporter und Fahrräder mit Elektroantrieb sind eine echt tolle Sache. Motorisiert und nur Vorteile: Angefangen vom günstigen Spritverbrauch bzw. geringen Stromverbrauch über die Zulassungs-, Steuerfreiheit und Wegfall der Hauptuntersuchung bis hin zur günstigen Anschaffung des Fahrzeuges.

50er RollerKleinkrafträder haben eine Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h und einen Hubraum bis zu 50 cm³ bei Verbrennungsmotoren oder bis 4 kW bei Elektromotoren. Wenn du schneller fahren möchtest, dann schaue dich nach älteren DDR-Modellen um, wo noch bis zu 60 km/h möglich ist.

Was du unbedingt brauchst ist ein EU-Führerschein (AM), eine Betriebserlaubnis und ein Versicherungskennzeichen als Nachweis für deine Haftpflichtversicherung. Letzteres bekommst du recht günstig bei Versicherern, wo der Versicherungsvertrag dann automatisch zum 28. bzw. 29. Februar endet. Je später du die Versicherung abschließt, desto günstiger wird diese anteilmäßig. Die Farben der Kennzeichen wechseln  jedes Versicherungsjahr in grün, schwarz und blau.

Es gibt die unterschiedlichsten Bautypen von Kleinkrafträdern. Roller sind sehr gut geeignet, um einfache Lasten zwischen den Beinen, im Helmfach und auf der hinteren Ablage zu transportieren. Mit anderen Zweirädern ist das nicht machbar. Vom Raumvolumen her können jedoch Dreiräder die meiste Last bewältigen. Diese haben oft eine Pritsche und eine Kabine. Diese Kleintransporter, Kastenwägen, Rollermobile oder auch Lastendreiräder kennst du vielleicht aus Italien und Indien (z.B. Piaggio Ape, Vespacar).

Traktoren, Schlepper und Bulldog für die wirklich schweren Lasten

Traktoren der älteren Generation oder auch zeitgemäße kleinere Modelle reichen für uns Selbstversorger völlig aus: Holz aus dem Wald schaffen, Brennholz spalten, Acker bewirtschaften, schwere Lasten transportieren, Wiese mähen, Heu machen und vieles mehr. Kein unnötiger Schnickschnack, robust, relativ günstig bei der Anschaffung und reparieren lässt sich vieles noch selbst, wobei bereits beim Kauf auf die Beschaffung von Ersatzteilen geachtet werden sollte.

Hersteller und Marken von Oldtimer-Traktoren

Belarus, Deutz, Eicher, Fahr, Fendt, Güldner, Hanomag, Lanz, Porsche, Schlüter, Steyr, Unimog und Weitere.

Traktor mit HängerSolange du dich ausschließlich auf deinem privaten und befriedeten Grundstück befindest und keinen öffentlichen Verkehrsraum nutzt, kannst du deinen Traktor auch ohne Führerschein, Zulassung, Versicherung und Untersuchung fahren. Spätestens aber wenn du öffentlich-rechtliche Verkehrswege nutzt (z.B. Landstraße, kommunale Wege, Feldweg) oder dein Grundstück für jedermann oder einer bestimmten Personengruppe zugänglich ist und auch genutzt wird (= tatsächlich-öffentlicher Verkehrsraum, z.B. Hofeinfahrt, Privatweg, Privatparkplatz), benötigst du u.a.  eine Zulassung, Versicherung, Hauptuntersuchung, ein Kennzeichen und Führerschein.

Für land- und forstwirtschaftliche Zwecke reicht die Führerscheinklasse L (bis 40 km/h oder 25 km/h mit Hänger) oder T (bis 60 km/h) völlig aus. Wenn du aber darüber hinaus noch andere Dinge vorhast (z.B. Oldtimertreffen-Fahrten) und dir die Fahrererlaubnis erst ab 1999 erteilt wurde, dann benötigst du eher die Klassen B/BE, C1/C1E oder C/CE. In den Klassen B und T ist die Klasse L bereits enthalten. Das gleiche gilt für die Klasse CE, wo die Klasse T bereits inbegriffen ist.

Solltest du noch einen alten deutschen Papierlappen der Klasse 3 besitzen, dann achte beim erstmaligen Umtausch in einen EU-Führerschein darauf, dass du die Klasse T beantragst. Diese bekommst du allerdings nur mit entsprechenden Nachweisen, beispielsweise durch Bescheid der Berufsgenossenschaft oder Bestätigung eines land- oder forstwirtschaftlichen Arbeitgebers.

Die komplette Steuer sparst du, indem du deinen Schlepper und Anhänger ausschließlich für Land- Oder Forstwirtschaftliche Zwecke nutzt und eine sogenannte LOF-Zulassung erhältst. Dann bekommst du ein Grünes Kennzeichen. Die Voraussetzungen sind hier aber sehr streng.

Ein Auto für die alltäglichen Aufgaben und größere Strecken

Traktoren kommen an ihre Grenzen, wenn es um weite Strecken geht. Dafür gibt es u.a. Personenkraftwagen (PKW) und Lastkraftwagen (LKW), die auf den Transport von Mensch oder Lasten über größere Entfernungen ausgelegt sind.

Nützliches AutoDa wir Selbstversorger meist keine größeren Distanzen zwischen den Grundstücken zu bewältigen haben, benötigen wir zumindest theoretisch keine derartigen Kraftwagen. Ein Traktor, Nutztier, Handkarren oder Rucksack tut es vielleicht auch. Allerdings leben auch wir Selbstversorger in einer globalisierten Welt, die ein Auto manchmal notwendig macht.

Ob du dich für einen Kleinstwagen, Kleinwagen, Kleintransporter oder ein geländetaugliches Fahrzeug entscheidest, hängt von deinen Erfordernissen ab. Wenn der Platz im Kofferraum nicht ausreichen sollte, dann kannst du immer noch auf einen Anhänger zurückgreifen. Bedenke aber:

Je höher deine Ansprüche und Anforderungen, desto teurer wird die ganze Sache für dich. Den mit jedem Extra steigen die Steuern, Versicherungsbeiträge, Reparaturen und sonstigen Kosten.

Von den rechtlichen Voraussetzungen ist ähnlich wie mit Traktoren. Du benötigst neben den Fahrzeugpapieren (Zulassungsbescheinigung 1 und 2) eine amtliche Zulassung, Kennzeichen, Haftpflichtversicherung, Hauptuntersuchung und einen Führerschein. Für einen PKW bis 3,5 t ist ein Führerschein der Klasse B oder mit Anhänger BE ausreichend. LKWs entsprechend höher (Klasse C1/C1E oder C/CE).

Steuern sparen kannst du eigentlich nur, indem du dir einen hubraum- und schadstoffarmen Klein(st)wagen zulegst oder dein Kraftfahrzeug als Oldtimer zulässt. Letzteres bekommst du ein H-Kennzeichen und zahlst pauschal 191,73 Euro pro Jahr (Krafträder 46,02 Euro). Der zeitliche und finanzielle Aufwand, um die strengen Voraussetzungen zu erfüllen, lohnt sich aber kaum (mindestens 30 Jahre alt, Originalteile, keine Mängel oder sichtbaren Beschädigungen, keine schweren Lasten oder längere Fahrten usw.).

Öffentliche Verkehrsmittel mit Einschränkungen

Wenn es darum geht ohne eigenes Kraftfahrzeug vom einen Ort zum nächsten zu kommen, dann kannst du auf den Nah-, Regional– oder Fernverkehr zurückgreifen. Diese öffentliche Verkehrsmittel stehen in der Regel jedem gegen ein entfernungsabhängiges Entgelt zur Verfügung. Genauso wie PKWs sind diese vorwiegend für den Personentransport und weniger für Lasten ausgelegt. Persönliches Gepäck, Einkaufstasche und ein Fahrrad ist oft kein Problem.

Bus in EcuadorZur Verfügung stehen beispielsweise Bus, Bahn oder Fähre, wobei es sehr starke Unterschiede zwischen Dörfern und Städten gibt. Mit etwas Glück fährt in dörflichen Regionen tagsüber und werktags alle paar Stunden ein Bus. In Großstädten hingegen Bus und Bahn im Minutentakt in den verschiedensten Richtungen. Um mitzufahren musst du dich an einen (unpünktlichen) Fahrplan halten und eine feste Haltestelle aufsuchen. Vor der Haustüre abholen ist also nicht.

Da kurze Strecken auch gut zu Fuß oder mit dem Fahrrad bewältigt werden können, halte ich den überteuerten Nahverkehr für völlig überflüssig. Weite Entfernungen mit dem Fernverkehr hingegen sind mit Spartarifen oft günstiger als mit dem eigenen Auto.