Der Minimalismus zusammen mit der Selbstversorgung ist die beste Möglichkeit weniger arbeiten gehen zu müssen. Den wer sich im Leben auf das Allernötigste beschränkt und dadurch weniger konsumiert, braucht auch weniger Lebenszeit mit Giralgeld eintauschen. Lebenszeit um zu Sein statt Arbeitszeit um zu Haben heißt deshalb die Devise.

Arbeiten gehen, nur um seinen Besitz ins endlose anzuhäufen, sein eigenes Ego zu befriedigen oder einfach nur um anderen zu gefallen, läuft Minimalisten zuwider. Angestellte kennen die Freizeit und minimalistisch lebende Menschen die Freiheit. Die eigene Unabhängigkeit, ein selbstbestimmtes Leben und oft noch eine Herzensangelegenheit stehen im Mittelpunkt aller Handlungen.

Die Motive sind dabei unterschiedlichster Art. Nicht wenige befinden sich im Konsumstreik und möchten auf die verschwenderische Gesellschaft oder kapitalistische Systeme hinweisen. Da Minimalisten sich dem Konsumverhalten der Mehrheit entziehen, gelten sie als Aussteiger. Minimalisten und Selbstversorger sind nicht dasselbe und doch gibt es Gemeinsamkeiten: Einfach, schlicht und frei von fremden Zwängen soll es sein. Viele Menschen haben erst durch den Minimalismus zur Selbstversorgung gefunden. Umgekehrt kenne ich keinen Selbstversorger der nicht gleichzeitig Minimalist ist. Der minimalistische Lebensstil kann daher als eine wichtige Eigenschaft eines Selbstversorgers angesehen werden.

Konsum reduzieren und Prioritäten setzen

Wenn du noch zu denjenigen gehörst, die trotz geregeltes Einkommen nicht über die Runden kommen oder das Geld gerade so ausreicht, dann wird es höchste Zeit eine minimalistische Lebensweise anzunehmen. Es geht hier nicht um mehr Geld zu verdienen. Du würdest damit nur deinen Lebensstandard und somit deine Ausgaben noch weiter erhöhen. Zumal sich die Abhängigkeit gegenüber deinen Arbeitgeber und vielleicht noch die Arbeitszeit erhöht. Es geht erst einmal nur darum, unsinnige Ausgaben soweit zu reduzieren, dass vorhandene Ressourcen wie dein Einkommen für die elementarsten Dinge im Leben ausreichen. Sprich, du solltest langsam aber sicher aufhören zu konsumieren. Das tust du, indem du beispielsweise ab sofort deine Haare selber schneidest, kurze Strecken mit dem Fahrrad fährst oder das Essen selber zubereitest. Das lässt sich im ganzen Haushalt, für die Mobilität, Körperpflege und Küche fortführen.

Und wenn doch mal etwas gebraucht wird, dann kaufe möglichst Second Hand oder schaue dich in regionalen Tauschringen um. Viele Dinge, wie Kleidung und Möbel, bekommt man in einer Wegwerfgesellschaft auch geschenkt. Oder man bekommt Mengenrabatt, wenn man langfristig denkt. Es sind die banalsten Dinge, um Geld einzusparen. Je mehr du dir zumutest, desto mehr ist möglich.

Aber nicht nur das einsparen ist wichtig, sondern auch, wie du deine Ressourcen am sinnvollsten verteilst. Setze deshalb Prioritäten. Ein Smartphone ist definitiv nicht so wichtig wie biologisch und fair gehandelte Lebensmittel. Vielleicht reicht dir auch ein gebrauchtes Handy im Prepaidtarif. Achte darauf, dass du eine gesundheitsfördernde Lebensweise führst, so das dein Körper, Geist und deine Seele ausgeglichen sind. Dann sparst du dir schon mal das Geld vieler Gewohnheitskrankheiten.

Vom Minimalisten zum Selbstversorger

Viele Selbstversorger sind Minimalisten und nicht wenige haben erst durch den Minimalismus zur Selbstversorgung gefunden. Hier liegt es doch nahe, dass du als angehender Selbstversorger selbst mit den Minimalismus beginnst. Den durch den weitgehenden Konsumverzicht kannst du einerseits das Geld für die Grundstücke der Selbstversorgung zusammensparen und andererseits deine Arbeitszeit Schritt für Schritt reduzieren. Aus der so gewonnenen Lebenszeit baust du dir dann deine Selbstversorgung auf, die sich letztendlich selbst trägt. Und das wiederum kann im besten Fall zum endgültigen Ausstieg aus dem Berufsleben führen – Freiheit, Unabhängigkeit und Selbstbestimmtheit pur.

Du solltest also unbedingt Wege finden deine Ausgaben zu reduzieren und unsinnige Ausgaben wie viele Mitgliedschaften und Shoppingtouren zu vermeiden. Neue Schulden sind tabu, die alten sind zurückzuzahlen. Verschaffe dir zuallererst einen Überblick über deine Finanzen (z.B. Excel, Finanzsoftware) und dann arbeite jeden einzelnen Posten ab. Entscheide welche Ausgaben du ab sofort vermeidest und welche Verträge du kündigst. Insbesondere Verträge die aus „Angst“ abgeschlossen wurden, sind zu überprüfen (z.B. Versicherungen). Berücksichtige neben den fixen und variablen Kosten möglichst alle Abhängigkeiten untereinander. Wenn du das regelmäßig machst, dann wirst du nach Monaten und Jahren eine Verbesserung und ein Wachstum deiner Finanzen feststellen, die es dir ermöglicht parallel deine Selbstversorgung aufzubauen.

Geiz ist nicht Geil

Selbstversorger mit einem minimalistischen Lebensstil kommen mit der Konsumwelt kaum noch in Berührung. Nur noch das Allernötigste wird gekauft oder besser direkt getauscht. Wenn du jedoch noch auf den wöchentlichen Einkauf angewiesen bist, dann achte beim ganzen „Ausgaben reduzieren“ unbedingt darauf, dass du nicht wie viele Konsumenten in die Geiz ist Geil-Mentalität verfällst. Das bedeutet nämlich nichts anderes wie die Ausbeutung fühlender Mitgeschöpfe.

Wer beispielsweise ein halbes Hähnchen fertig zubereitet für ein paar Euro kauft, muss sich im klaren sein, dass das Huhn über die Haltungsbedingungen und Fütterung bis zur Schlachtung gelitten hat und von billigen Fachkräften in Akkordarbeit zubereitet wurde. Die ausgeschütteten Stresshormone im Todeskampf, das Antibiotikum im Futter und weitere negative Faktoren gehen natürlich vom Fleisch auf den Menschen über. Hier verwundert es nicht, dass insbesondere die Geiz ist Geil-Konsumenten mit Gesundheitsproblemen zu kämpfen haben. Das bestätigt auch die universelle Gesetzmäßigkeit von Ursache und Wirkung (Karma): Das was wir anderen antun kommt genauso wieder zurück.

Als angehender Selbstversorger wirst du bald abschätzen können, welcher Aufwand und tatsächliche Wert hinter dem biologischen Gemüse, Obst, Getreide, Fleisch, der Milch und Eier steckt. Gerade deshalb sind es wir Selbstversorger und Minimalisten, die bereit sind einen angemessenen Preis für qualitative Produkte zu zahlen, obwohl viele von uns kaum Einnahmen haben. Gespart wird hier weniger an den Produkten, sondern vielmehr an dem Zwischenhandel durch die örtliche Nähe. Entweder selbst erzeugen oder möglichst direkt beim Erzeuger tauschen oder kaufen heißt die Devise.

Befreiung statt Verzicht

Angestellte sind in einem politisch und wirtschaftlich voneinander abhängigen System tätig – alles fremdbestimmt. Einerseits produzieren Angestellte über ihren Arbeitgeber Produkte und Dienstleistungen und andererseits konsumieren diese über den Einzelhandel Konsumgüter oder nehmen Leistungen selbst in Anspruch. Das zentrale Motiv ist dabei immer das Geld. Den ohne Geld kein Konsum, der den Lebensstandard aufrecht erhält und das Überleben sichert. Das Geld bekommt der Angestellte entweder vom aktuellen Arbeitgeber oder ersatzweise vom Sozialstaat. Im Gegenzug muss sich der Angestellte faktisch unterordnen und die vertraglichen Leistungen bzw. die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllen.

Wer das nicht möchte, bekommt von den wirtschaftlichen und politischen Akteuren kein Geld mehr. Und genau hier trennt sich die Streu vom Weizen. Die meisten Angestellten passen sich lieber an und gehen lieber weiterhin einen Job nach, der sie nicht erfüllt, als an der berufliche Situation etwas zu verändern. Wir Selbstversorger und andere minimalistisch lebende Menschen hingegen verändern lieber an der Gesamtsituation etwas und schaffen uns unsere eigenen Systeme, als über Jahrzehnte an einem leidenschaftslosen Arbeitsplatz zu leiden. Durch den Konsumverzicht schaffen wir die Voraussetzung dafür, nicht mehr „Geld verdienen gehen zu müssen.

Jeder einzelne Aussteiger hat dabei seine eigene Lösung und Lebensform gefunden. Primär geht es aber darum seine grundlegendsten Bedürfnissen nachzugehen. Die Persönlichkeitsentwicklung und freie Entfaltung steht ganz weit vorne. Manche wollen aber auch nur den krankmachenden Alltagsstress entfliehen. Bei uns Selbstversorgern beispielsweise kann noch die Lebensmittelherstellung in einem naturverbundenen Kreislauf und einige handwerkliche Tätigkeiten dazu kommen. Nicht der Verkauf von Produkten und Dienstleistungen über das Geld steht im Vordergrund (Betriebswirtschaft), sondern ausschließlich die Versorgung des eigenen Haushaltes (Hauswirtschaft). Nur das was nicht geht, wird getauscht oder gekauft.

Dieser Systemwechsel vom konsumorientierten Angestellten zum naturnahen Selbstversorger bzw. Minimalisten führt früher oder später immer zu einem freien, unabhängigen und selbstbestimmten Leben. Das alles befreit enorm. Aber auch das Loslassen von materiellen Dingen und nicht verbundenen Menschen befreit.

Mehr Generalist als Spezialist

Auffallend ist, dass viele minimalistisch lebende Menschen wie wir Selbstversorger in den unterschiedlichsten Bereichen neugierig, experimentierfreudig und insbesondere wissbegierig sind. Wir interessieren uns einfach für alles und bleiben an einer Sache solange dran, bis wir es bis in das Detail verstanden haben. Das macht uns zu einen Generalisten. Durch unser überdurchschnittliches Allgemeinwissen können wir so vorhandene Systeme hinterfragen und bestimmte Themen gesamtheitlich und zusammenhängend über den Tellerrand betrachten. Viele komplexe Dinge können selbst beurteilt und erledigt werden, was wiederum Geld einspart. Diese Denkweise unterscheidet sich kaum von dem eines Unternehmers.

Im Gegensatz hierzu sind Angestellte und Selbständige die Spezialisten auf einem Fachgebiet. Innerhalb ihres Fachgebietes kann ihnen kaum einer etwas vormachen, aber bei fast allen anderen komplexen Themen brauchen sie selbst einen Spezialisten, der wiederum mit Lebenszeit bezahltes Geld kostet. Das benötigte Wissen erwerben Spezialisten, unabhängig von ihrem Eigeninteresse, über betrieblich angeordnete bzw. staatlich regulierte Bildungsmaßnahmen. Da es sich um fachspezifisches Wissen handelt, besteht immer eine gewisse Abhängigkeit zu Abteilungen, Fachbetrieben oder bestimmten Branchen. Wenn es diese Berufe, beispielsweise durch die Digitalisierung, in der Zukunft nicht mehr geben sollte, dann müssen sich die betroffenen Spezialisten in einem neuen Fachbereich spezialisieren oder sich dem Sozialstaat als neuen Geldgeber ausliefern.

Solange alles gut geht, können Spezialisten wirklich gutes Geld verdienen. Im Allgemeinen sind es aber gerade die Generalisten, die mit Veränderungen umgehen können. Wenn du dich jetzt als Generalist wieder erkennst, dann hast du Chancen ein vollumfänglicher Selbstversorger zu werden.

Erweiterung des Bewusstseins – Mehr Zeit für die wichtigeren Dinge im Leben

Unsere Lebenszeit ist begrenzt. Das haben wir Minimalisten schon längst erkannt. Statt für die Gewinne und Umsätze anderer zu arbeiten, setzen wir unsere begrenzte Lebenszeit lieber für die wirklich wichtigen Dinge ein. Die Auseinandersetzung mit sich selbst, Suche nach dem Sinn des Lebens und Gewissheit selbst Schöpfer aller Dinge zu sein, führt irgendwann zu neuen Prioritäten und einem neuem Bewusstsein. Nicht mehr das Geld verdienen, die Besitzanhäufung, das Konkurrenzdenken, die Karriereanpassung und das Ego stehen im Mittelpunkt, sondern vielmehr das Einsetzen seiner einzigartigen Fähigkeiten und Stärken zum Wohle aller Geschöpfe und somit die Selbstverwirklichung seiner selbst.

Manche wurden erfolgreiche Sänger, die die Herzen der Fans berührten und somit zum Weltfrieden beitrugen. Andere wiederum, wie wir Selbstversorger, machen der räuberischen Konsumgesellschaft vor, wie aktiver Umweltschutz im Einklang mit der Natur funktioniert. Erinnere dich an Mohandas K. Gandhi und Martin Luther King. Beide waren gesellschaftliche Aussteiger, die durch ihr Anfangsleid irgendwann ihren Stärken fanden und letztendlich nur noch ihrem Inneren folgten. Obwohl diese mit ihren Leben bezahlen mussten, strahlen ihre Handlungen weltweit bis heute aus. Die Welt wäre definitiv eine andere, wenn es solche Menschen wie Gandhi und King nicht gegeben hätte.

Wenn du nicht zur arbeitenden Masse gehören möchtest, dann höre auf dem Geld nachzurennen, anderen Erwartungen zu entsprechen und zu sein der du nicht bist. Du kannst einen Beruf lernen und ausüben, aber niemals der Beruf selbst sein. Mache keine Karriere, indem du dich anpassen musst, um erfolgreich zu sein. Sei einfach du selbst. Der minimalistische Lebensstil ermöglicht es dir die verbleibende Lebenszeit für deine einzigartigen Fähigkeiten und Stärken einzusetzen und damit zum Wohle aller beizutragen. In unseren Fall ist es eben die Selbstversorgung. Davon wirst du früher oder später auch leben können. Den dein ökologischer Kreislauf versorgt dich mit den grundlegendsten Naturalien. Alles andere wirst du von deinen Fans bekommen, die dich gut genug dafür bezahlen, dass du ihnen einen Nutzen und Mehrwert gibst. Geld für die Arbeit nehmen ist vollkommen in Ordnung, aber für Geld arbeiten zu gehen, gleicht einer Prostitution.

Freiheit statt Sicherheit

Das minimalistische Leben als Selbstversorger hat seinen Preis. Für die Unabhängigkeit und das selbstbestimmte Leben müssen Risiken eingegangen werden, die jedoch nicht so hoch ausfallen, wie bei Unternehmern, Selbstständigen und zunehmend auch Angestellten. Selbstversorger haben das größte Risiko in der Ortsgebundenheit. Insbesondere die rechtlichen und politischen Risiken im Zusammenhang mit den genutzten Grundstücken sind hier zu nennen. Aber auch wetterbedingte Faktoren kommen dazu. Alles andere kann man vernachlässigen, wenn die minimalistische Selbstversorgung einmal steht und weitgehend geldlose Systeme geschaffen wurden.

Da das Wesen der Selbstversorgung mehr in der Breite (von jedem etwas) und weniger in der Tiefe (Spezialisierung) liegt, können bestimmte Randsparten wegfallen, ohne das gleich die existenzielle Grundlage gefährdet ist. Allerdings wird bei einem solchen Wegfall der natürliche Kreislauf bzw. die Systeme gestört, was dann wieder über Tauschgeschäfte mit Naturalien oder Geld ausgeglichen werden müsste. Unternehmer, Selbstständige und indirekt über den Arbeitgeber auch Angestellte sind hingegen auf das Geld ihrer Kunden und Auftraggeber angewiesen. Den ohne dieses Geld könnten u.a. die Gehälter der Angestellten nicht gezahlt werden. Nicht alle, aber viele Angestellte wie auch Selbstständige und Unternehmer sind zudem noch ortsgebunden: Beispielsweise Angestellte die ihr Eigentum in Unternehmensnähe noch abzahlen oder regional gebundene Selbstständige und Handwerksbetriebe.

Das größte Risiko tragen jedoch die Angestellten. Und gerade diejenigen sind es, die sich von allen am sichersten fühlen. Angestellte können jederzeit, auch mit einem unbefristeten Arbeitsvertrag, unter Einhaltung einer Kündigungsfrist, ordentlich gekündigt werden. Befristete Verträge laufen eh automatisch aus, ohne das es eine Kündigung bedarf. Und bei Verdacht kann eine fristlose Verdachtskündigung ausgesprochen werden, ohne das eine Schuld für ein Vergehen bewiesen werden muss. Das alles kann man mit Selbstversorgern, Unternehmern und Selbstständigen nicht machen, zumal diesen noch riesige Entwicklungschancen und Vorteile gegenüber stehen. Früher mag das noch anders gewesen sein, aber heute ist das Risiko für dich als Angestellter sehr hoch (auch im öffentlichen Dienst). Das Verhältnis von Risiko und Chance liegt zu weit auseinander. Der Minimalismus schließt ein Arbeitsverhältnis nicht aus. Wenn du dich daher für ein minimalistisches Leben entscheidest, dann kommst du auch nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses ohne Sozialhilfe noch gut über die Runden.