Kleidung hat für uns Menschen die unterschiedlichsten Bedeutungen. Da wir im Gegensatz zu den meisten Tieren nicht mehr am ganzen Körper behaart sind, ist eine entsprechende Kleidung für uns sogar überlebenswichtig. Ohne diese würden wir schnell erfrieren, durchnässt werden, der Sonneneinstrahlung komplett ausgeliefert sein oder anderen Einflüssen ausgesetzt sein. Hier unterscheiden wir Selbstversorger uns von keinen anderen Menschen. Was darüber hinaus geht allerdings schon.

Viele Menschen möchten durch ihre Kleidung ihren materiellen Status zur Geltung bringen und damit das eigene Ego befriedigen. Umgekehrt weigern sich genau diese Menschen entsprechende Schutzkleidung bei gefährlichen Arbeiten zu tragen. Arbeitgeber schreiben ihren Angestellten vor, was sie zu tragen haben und selbst einige Versicherer mischen sich in Fragen der Bekleidung ein. Beamte, Soldaten, Richter und Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst verkörpern durch Uniformen ihre staatliche Funktion und Zugehörigkeit zu einer fremdartigen Macht (individuelle Werte des Trägers zählen nicht). Und wenn du jetzt nackt durch deine Stadt läufst, dann machst du garantiert Bekanntschaft mit mindestens einer dieser Uniformträger (manchmal auch in der Zivilversion).

Die Bekleidung hat also in einer materiell orientierten, nach außen gerichteten und faktisch geknechteten Gesellschaft wie dieser sowohl eine existenzielle als auch eine richtungsweisende Bedeutung. Wenn du jetzt Selbstversorger wirst und deine Kleidung auf einmal nicht mehr nach den gesellschaftlichen Normen, sondern nach subsistenziellen Kriterien aussuchst oder diese sogar selbst herstellst, dann wirst du von den Menschen anders wahrgenommen. Du bist dann nicht mehr die anpassbare, karrieremachende und gut bezahlte Führungskraft, sondern vielleicht nur noch ein unbequemer Aussteiger der seinen eigenen Lebensweg (und nicht die der anderen) geht. Andere wiederum sehen dich als großes Vorbild und haben Respekt vor deinem Mut als Weltveränderer. Jede Veränderung deiner Kleidung und deinem Auftreten insgesamt führt unweigerlich zu einem neuen Rollenbild und die Suche nach dem wer man wirklich ist.

Nimm die Kleidung die du bereits besitzt

Schaue mal in deinen Kleiderschrank. Jeder der den Weg in die Selbstversorgung geht, besitzt sicherlich noch Kleidungsstücke aus der Berufs- und Konsumzeit. Diese wegzuschmeißen und dafür neue zu kaufen wäre nicht schlau (altes Denkmuster). Es mag sein das nicht mehr alles zeitgemäß ist und auch nicht mehr so perfekt passt, diese lassen sich aber sicherlich angepasst noch tragen. Ich trage beispielsweise Kleidung, die ich vor Jahrzehnten mal gekauft und immer wieder meiner Größe zurecht genäht hatte. Dann gibt es noch die Berufskleidung, die dir vielleicht kostenlos oder günstig von ehemaligen Arbeitgebern überlassen wurden. Diese sind meist hochwertig und daher gut für die Garten- und Landschaftsarbeit geeignet. Eine Jeans tut es aber auch. Sollten dir deine Klamotten zwischenzeitlich zu groß oder klein geraten sein, dann lerne Nähen und passe diese an. Es kommt dabei nicht auf das aussehen an (wenn auch nichts dagegen spricht), sondern nur auf die Alltagstauglichkeit deiner Kleidung. Egoismus hat bei diesem Lebensstil nichts zu suchen. Wie man näht kannst du beispielsweise in den örtlichen Volkshochschulen lernen. Und wenn alles nichts geht, dann findet sich garantiert bei Bekannten oder in Tauschbörsen jemand, wo sich dem Nähen annimmt.

Frage bei Bekannten nach nicht mehr benötigten Klamotten

So banal es sich anhört, viele Menschen haben ein Problem damit, bei Freunden, der Familie und Nachbarschaft nach nicht mehr getragener Kleidung zu fragen – „man könnte ja denken“. Dabei geht es nicht darum, dass dir jemand neue Klamotten kauft (so was solltest du möglichst ablehnen), sondern nur um Kleidung, die im Schrank herumliegt und früher oder später eh entsorgt wird. Aus der Erfahrung kann ich sagen, dass die meisten Menschen froh und dankbar darüber sind, wenn jemand danach fragst. Denn dann können diese ihre Kleidung loswerden ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen (Kinderarbeit, Ökobilanz und solche Dinge). Nach einiger Zeit wird es sogar so sein, dass du überhaupt niemand mehr fragen musst, zumindest dann wenn dein Bekanntenkreis groß genug ist. Es liegen wie von selbst immer wieder Kleidungsstücke vor der Haustüre. Und das was du nicht brauchst, gibst du natürlich selbst weiter oder spendest es. So wird der Kreislauf eines Kleidungsstückes verlängert und indirekt der Konsum reduziert.

Stelle deine Kleidung selbst her

Es gibt die verschiedensten Möglichkeiten seine Kleidung selbst herzustellen. Bevor wir damit aber beginnen können, benötigen wir erst einmal die entsprechenden Materialien, aus denen wir unsere Stoffe und letztendlich Kleidungsstücke herstellen. Dazu nutzt du entweder vorhandene Ressourcen aus der Wegwerfgesellschaft (Gebrauchtes, Spenden, Abfall) oder wie früher pflanzliche oder tierische Naturalien. Letzteres macht unabhängiger, ist aber mit einem größeren Aufwand verbunden. Um beispielsweise Wolle zu gewinnen musst du Schafe halten oder jemanden kennen der dir Schafwolle abgibt (Wolle gibt es oft kostenlos direkt beim Schäfer). Diese Schafe benötigen, genauso wie der Anbau von Faserpflanzen, erst einmal Platz und weitere grundlegende Dinge. Dann muss die Wolle der geschorenen Schafe in weiter aufeinander folgenden Schritten verarbeitet werden. Ähnliches gilt für die Faserverarbeitung bei Pflanzen. Hierbei können Spinnräder, Handspindel oder Webstühle zum Einsatz kommen. Erst dann kann man sich daraus seinen Pullover stricken oder ein Kleidungsstück zusammennähen.

Bei pflanzlichen Fasern ist die Auswahl jedoch regional beschränkt, da nicht jede Nutzpflanze überall auf der Welt angebaut werden kann. Statt Baumwolle muss man sich hier eben (je nach Region) beispielsweise auf Flachs, Nessel oder (staatlich reguliert) Hanf beschränken. Dafür hat ein Kleidungsstück aus Flachs an heißen Tagen eine angenehm kühlende Wirkung. Hanf hat seine Vorzüge im problemlosen Anbau und auch die Brennnessel hat ihre Eigenschaften. Zusammengefasst kann man sagen: Wenn du den Aufwand scheust, keinen großflächigen Platz für Tier bzw. Pflanze hast und nicht gerade am Ende der Welt lebst, dann verwerte lieber die Kleidungsstücke aus der Wegwerfgesellschaft. Ansonsten sei experimentierfreudig und stelle deine Kleidung aus der Wolle deiner Schafe oder aus den Fasern deiner Pflanzen selbst her.

Gehe auf Tauschbörsen

Eine weitere Möglichkeit ist es auf Tauschbörsen zu gehen und sich so seine Klamotten zusammenzusuchen. Die Auswahl ist sicherlich begrenzt, dafür aber fair und umweltbewusst. Du bekommst die Kleidung allerdings von deinem Tauschpartner nicht (immer) geschenkt. Damit du Kleidung bekommst, musst auch du direkt oder indirekt (z.B. über ein Tauschkonto) etwas anbieten: Das kann beispielsweise eine Dienstleistung sein, worin du wirklich gut bist und was dir so richtig Spaß macht, oder du tauschst Dinge, die du handwerklich hergestellt hast oder selbst nicht mehr brauchst. Das ist zwar zugegeben auch kapitalistisch (die Urform genauer gesagt), aber immerhin ohne Geld und Zinsen, keine Zwischenhändler und oft noch von Angesicht zu Angesicht. Und Spaß machen macht es allemal.

Kaufe nur hochwertige, lange haltbare, Kleidung

Und wenn du deine Kleidung doch lieber ganz konservativ kaufen möchtest, dann sollte das nur hochwertige Kleidung sein. Diese sind zwar im ersten Moment teurer, aber dafür halten diese besonders lange. Eine Jacke kann bei richtiger Pflege dann schon mal ein halbes oder sogar ganzes Leben halten. Sparen kann man hier eigentlich nur, wenn man gebrauchte, reparaturbedürftige, fehlerhafte oder ausgemusterte Kleidung kauft. Beispielsweise im Secondhandshop, Direktverkauf, von Privat, ausgewählte Kleidergeschäfte oder Militärshops. Gute Erfahrungen habe ich mit Militärkleidung gemacht, wobei es auch hier, je nach Streitmacht, deutliche Qualitätsunterschiede gibt. Diese bekommst du kaum kaputt. Also bestens geeignet für die Gartenarbeit.

Bis zum Aussetzen der Wehrpflicht in der Bundesrepublik Deutschland gab es gebrauchte Bundeswehr- und sogar NVA-Bekleidung in fast jeder Kleidergröße noch fast geschenkt. Die Zeiten sind jedoch endgültig vorbei. Was du aber noch einigermaßen günstig bekommst, sind Kleidungsstücke, die im Zivilen keiner tragen möchte oder nicht erwünschte Eigenschaften haben (z.B. Sondergrößen, Tarnfarben, Unterwäsche). Aus diesen „Kleidungsstoffen“ nähst du dir dann einfach deine Hose, Jacke oder was auch immer zusammen. Wenn du das öfters machst, dann brauchst du auch nicht mehr solange mit dem Nähen. Ansonsten bleibt dir nur noch Preise vergleichen. Wobei insbesondere bei Neuwaren der Herstellungsprozess nicht vergessen werden sollte. Wir wollen ja nicht noch mehr die Kinderarbeit fördern und umweltschädliche Ausstöße fördern (lieber ein paar Euros mehr ausgeben). Das würde nämlich über unser Karma irgendwann wieder alles zurück kommen.

Setze Prioritäten – Arbeitskleidung kommt nach Alltagskleidung

Auch die Reihenfolge, wie du deine Klamotten nutzt, haben auf die Lebensdauer einen entscheidenden Einfluss. Dabei gibt zwei sinnvolle Varianten: Entweder du nutzt deine Kleidung so lange für alle anfallenden Alltagssituationen (z.B. Familienfeier, Gartenarbeit), bis diese nicht mehr tragfähig sind. Oder du trägst die entsprechende Kleidung zuerst für die weniger beanspruchenden Alltagssituationen (z.B. Familienfeier) und anschließend, sobald ein gewisser Verschleiß auftritt, nur noch für die gröberen Situationen (z.B. Gartenarbeit). Ersteres hat den Vorteil, dass du dich weniger umziehen braucht und vermutlich auch weniger Waschvorgänge benötigst. Das spart wiederum Lebenszeit, Wasser und Energiekosten. Nachteil dafür: Die Klamotten sehen in jeder Situation „abgenutzt und schmutzig“ aus.

Wasche im Schongang

Die Lebensdauer deiner Kleidung hängt aber nicht nur von der alltäglichen Nutzung ab, sondern auch davon wie oft und intensiv du diese wäschst. Solltest du deine Wäsche ohne Chemikalien mit der Hand waschen (Respekt!), dann brauchst du dir darüber kaum Gedanken machen. Sobald aber die Waschmaschine zum Einsatz kommt oder chemische Waschmittel verwendet werden, heißt es aufzupassen. Das Ziel ist es – mit Ausnahmen – nicht mehr alles abzutöten und die Kleidung zum glänzen zu bringen, sondern diese einfach und schlicht vom groben Schmutz und den unangenehmen Gerüchen zu befreien. Um das zu erreichen brauchst du keine überteuerten Waschmittel aus dem Supermarkt mehr. Es reicht vollkommen aus, wenn du beispielsweise reines Waschsoda (Na2CO3; Natriumcarbonat) für den gröberen Schmutz oder ganz allgemein pflanzliche Saponine verwendest. Letzteres kann jeder selbst herstellen: Du benötigst lediglich Pflanzenteile aus denen du genug verflüssigte Saponine gewinnst (z.B. Efeublätter, Rosskastanie). Diese schäumen schön beim Waschvorgang. Wie das genau geht zeige ich dir am Beispiel eines Waschmittels aus Efeu.

Das Waschsoda selbst kannst du günstig beim Großhändler in Großpackungen kaufen (kleinere sind überteuert). Wenn du das ganze noch in verschließbare Eimer luftdicht verpackst, dann ist das Waschsoda auch lange verwendbar. Bei mir halten 25 Kilogramm locker zehn Jahre. Nicht verwenden solltest du allerdings das Waschsoda bei Wolle, Seide und anderen tierischen Kleidungsstücken. Die Temperatur, Geschwindigkeit und Dauer beim Waschvorgang sollte so niedrig wie möglich angesetzt werden. Das reduziert den Verschleiß, spart Wasser und den teuren Strom. Wie voll und mit welchen Kleidungsstücken du deine Waschmaschinentrommel füllst, hängt neben dem Waschmaschinentyp vom Verschmutzungsgrad und den Reinigungsgrad deiner Kleidung ab. Dafür bekommt man ein Gefühl.

Heizkosten sparen durch entsprechende Kleidung

Auch die Heizkosten lassen sich dank der Kleidung einsparen. Wenn man wärmespendende Kleidung trägt, dann kann die Temperatur im Haus reduziert werden, ohne das man gleich friert. Ich selbst spare mindestens 30% meines Brennholzbedarfes ein, nur weil ich mindestens 3 Grad weniger heize. Da sich dadurch auch die Arbeitszeit für die Brennholzverarbeitung reduziert, kann ich so meine begrenzte Lebenszeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben nutzen. Damit du nicht frierst solltest du deine wärmedämmendene Kleidung nach dem Zwiebelschichtsystem tragen. Also verschiedene Kleidungsstücke solange übereinander bis nicht mehr gefroren wird. So kann die körperwärmende Luft zwischen den Kleidungsstücken gehalten werden, die wiederum deine Körpertemperatur aufrecht erhält.

Gut bewährt haben sich Kombinationen, also ein Kleidungsstück aus „Jacke“ und „Hose“ in einem. Ich selbst trage sogenannte Panzerkombis mit Unterziehfutter von der Bundeswehr. So entweicht kaum Wärme und bequem sind diese auch noch. Am empfindlichsten sind der Kopf, Hals, die Hände und Füße. Hier trägst du, soweit erforderlich, am besten eine bequeme Mütze, einen Schal, Halbhandschuh und Doppelsocken. Wie viel Kleidungsstücke du insgesamt trägst und welche Zimmertemperatur du wählst sollte davon abhängig gemacht werden, inwieweit sich die Kleidung noch bequem tragen lässt. Es bringt nichts, wenn du über die Hälfte deiner Heizkosten einsparst, aber du dich nicht mehr in deinen Klamotten bewegen kannst (du musst auch mal aufs Klo).

Nicht mehr tragbare Kleidung kannst du weiter verwenden

Irgendwann wird es aber so sein, dass du selbst hochwertige Kleidung nicht mehr flicken und tragen kannst. Diese jetzt zu entsorgen wäre aber noch zu verfrüht. Deine nicht mehr tragbaren Stoffe kannst du beispielsweise noch sehr gut als Stofftaschentücher, Waschlappen, Reinigungs- und Handtücher nutzen. Dazu schneidest du die Kleidungsstoffe einfach in die entsprechende Größen (nähen brauchst du nichts). Auch alte Socken lassen sich noch gut für die Thermoskanne als zusätzliche Wärmedämmung und Schutz vor äußerlichen Einflüssen nutzen. Erst wenn wirklich nichts geht oder man zu viel von den Kleidungsstoffen hat spricht einer Entsorgung nichts mehr entgegen. Ich denke du merkst schon, dass du auf Dauer so viel Geld sparen kannst (die Menge macht es), der Umwelt einen großen gefallen tust und mit anderen den politischen und wirtschaftlichen Systemen entgegenwirkst.

Zubehör für die Kleidung

Nun gibt es Dinge, die selbst keine Kleidung sind, aber für deine Klamotten unabdingbar sind. Beispiele sind Schnürsenkel und Schuhpasta. Die gute Nachricht ist, dass alles brauchst du im besten Fall nicht zu kaufen. Für die Pflege deiner Schuhe nimmst du ganz einfach das Bienenwachs von deinen Bienen oder das eines Imkers. Notfalls tut es aber auch die Innenseite einer Bananenschale. Das Bienenwachs zieht bei warmer Temperatur direkt in das Leder ein und macht deine Schuhe schön geschmeidig (andere Schuhmaterialien habe ich nicht getestet). Das imprägniert und schützt deine Schuhe vor Nässe. Wenn man darüber hinaus noch möchte das die Schuhe glänzen, dann muss man nur öfters mit der Schuhbürste nachbürsten. Schnürsenkel kannst du aus einer reißfesten Schnur herstellen. Ich nehme dafür die Schnur eines Heuballens: Diese sind oft viel robuster als gekaufte Schnürsenkel. Leider fusseln diese schnell, sehen nicht so gut aus (für uns nicht wichtig) und das Schuhe binden ist sehr gewöhnungsbedürftig. Hier muss man einfach mal alle Schnüre, die man besitzt, durchprobieren bis eine passt.