In Teilzeit aussteigen

Die Teilzeit ist eine Möglichkeit, um dauerhaft aus dem Berufsleben auszusteigen. Teilzeitkräfte arbeiten zeitlich weniger als Angestellte in Vollzeit. Wenn letztere aus dem Berufsleben aussteigen möchten, dann besteht oft ein hohes finanzielles Risiko: Denn woher das Geld für den Lebensunterhalt nehmen? Um das zu umgehen, kann man den Weg über die Teilzeit gehen.

So funktioniert das Ganze

Du reduzierst solange deine Arbeitszeit, bis du aus deinem Arbeitsleben komplett ausgestiegen bist oder du nur noch so viel arbeitest wie du es auch wirklich möchtest. Parallel hierzu baust du dir deine Selbstversorgung auf und lebst ab sofort Minimalistisch. So brauchst du bei deinen Arbeitgebern nicht mehr Lebenszeit mit Giralgeld eintauschen als unbedingt nötig. Und darüber hinaus hast du noch etwas Geld für die Grundstücke deiner Selbstversorgung übrig und du bist günstig Krankenversichert. Zusammengefasst sieht das Ganze so aus:

i n   T e i l z e i t   a r b e i t e n

(Arbeitszeit regelmäßig reduzieren)

+

S e l b s t v e r s o r g u n g

(versorge dich selbst)

+

M i n i m a l i s m u s

(lebe minimalistisch)

=

G o o d b y e   J o b

Einfach aber unklug: Die vorschnelle Kündigung

Klar, dem Chef kündigen geht schnell und man ist den ganzen Arbeitsstress gleich mit los. Dennoch rate ich von einer vorschnellen Kündigung ohne finanzielle Rücklagen ab. Du wirst zwar später als Selbstversorger kaum noch Geld benötigen, du musst aber erst mal deine Selbstversorgung aufbauen, wovon du auch Leben kannst. Und das kann mehrere Jahre dauern.

Beispiel: Obstanbau

Zuerst benötigst du ein ausreichend großes Grundstück, dass du anschließend mit Obstäumen und -sträuchern bepflanzt. Das kostet anfangs Zeit und Geld. Bis die ersten Früchte geerntet werden können vergehen Jahre. Dann aber lässt der Pflegeaufwand von Jahr zu Jahr nach und du kannst dich über Jahrzehnte kostenlos davon ernähren.

Reduziere deinen Konsum und lege dir ein Grundstück zu

Als Angestellter bist du es gewohnt zu konsumieren und von anderen abhängig zu sein: Du bekommst für deine Arbeit einen Lohn, mit dem du deine Lebensmittel, Kleidung, Möbel und vieles mehr kaufst und über die du deine scheinbaren Bedürfnisse stillst. Ohne Arbeitgeber oder Sozialhilfe und Einzelhandel könntest du schlichtweg nicht überleben. Diesen Teufelskreislauf gilt es mit dem Berufsausstieg über die Teilzeit erst mal zu durchbrechen.

Das tust du, indem du einerseits deinen Konsum reduzierst bzw. ein minimalistisches Leben führst und andererseits deinen Grundbedarf selbst deckst. Letzteres benötigst du eigentlich nur ein ausreichend großes Grundstück, wo du dein ganzes Getreide, Gemüse, Obst, Kräuter usw. anbaust und noch ein paar Nutztiere hältst.

Im besten Fall kannst du darauf sogar mietfrei Wohnen und deine pflanzlichen und tierischen Produkte weiterverarbeiten bzw. lagern. Ein Wald für Brennholz und sonstigen Holzbedarf wäre auch nicht schlecht.

Wie du an ein Grundstück gelangst erfährst du hier.

Dein Recht auf Teilzeit

Da es einen Anspruch auf Teilzeit gibt, kann dir dein Arbeitgeber deinen Teilzeitwunsch nicht so einfach verbieten. Geregelt ist das Ganze im Teilzeit- und Befristungsgesetz und manchmal auch im Tarifvertrag. Hier hast du zwei Möglichkeiten deine Arbeitszeit zu reduzieren:

  1. Entweder du verringerst die Arbeitszeit zeitlich begrenzt (§ 9a TzBfG) oder
  2. eben nicht (§ 8 TzBfG).

Da du ja aus dem Berufsleben ganz aussteigen möchtest, um dich voll und ganz deiner Selbstversorgung zu widmen, kommt für dich nur Letztere in Frage.

Damit das klappt muss dein

    • Arbeitsverhältnis mindestens 6 Monate bestehen,
    • Arbeitgeber mehr als 15 Arbeitnehmer beschäftigen und
    • Umfang, die Arbeitszeitverringerung und gewünschte Verteilung spätestens 3 Monate vor Beginn gegenüber deinem Arbeitgeber in Textform geltend gemacht werden (alle zwei Jahre möglich).

Ziel ist es mit deinem Arbeitgeber eine Vereinbarung über die Arbeitszeitverringerung und dessen Verteilung zu treffen. Solltet du dich mit deinen Arbeitgeber nicht einigen und hat er dir nicht spätestens einen Monat vor Beginn schriftlich abgelehnt, so gilt dein Wunsch als genehmigt.

Wenn man dir hingegen deinen Teilzeitwunsch aus „betrieblichen Gründen“ schriftlich ablehnt, dann überprüfe unbedingt, ob gemäß § 8 Abs. 4 TzBfG und ggf. Tarifvertrag tatsächlich berechtigte Gründe vorliegen. Oft liegt nämlich nur ein organisatorisches Verschulden vor, dass überhaupt kein Ablehnungsgrund darstellt.

Teilzeitbeschäftigte haben schlichtweg die selben Rechte wie ein Vollzeitbeschäftigter

Sobald du dann weniger arbeitest als ein vergleichbarer Vollzeitbeschäftigter, liegt eine Teilzeitbeschäftigung vor. Auch Minijober bis 450 Euro monatlich fallen darunter (§2 Abs. 2 TzBfG). Abgesehen von einem geringeren Gesamteinkommen (Netto-Stundenlohn steigt dafür), hast du dabei überhaupt keine Nachteile. Das Ganze wird dir sogar gesetzlich garantiert (z.B. § 4 TzBfG).

Von der Führungskraft und vom Manager zur verzichtbaren Fachkraft

Eines solltest du dir von Anfang an bewusst machen: Deine berufliche Karriere ist als angehender Selbstversorger endgültig beendet. Je mehr du nämlich deine Arbeitszeit reduziert und aus dem Berufsleben ausscheidest, desto weniger bist du im Alltagsgeschäft involviert. Da man dich irgendwann nicht mehr als Manager oder Führungskräfte einsetzen kann, wirst du zur verzichtbaren Fachkraft. Die Vergütung und das neue Tätigkeitsfeld sehen entsprechend aus. Das kann anfangs ganz schön ins Ego gehen.

Aber nicht nur das. Nahe Menschen in deinem privaten Umfeld werden deinen mutigen Schritt nicht immer gutheißen und sich von dir abwenden. Sie verstehen nicht, dass der berufliche und materielle Status keine Bedeutung mehr für dich hat. In diesem Prozess des Loslassens wirst du deine wahren Freunde erkennen und einen neuen Freundeskreis aufbauen. Das ist gut so.

Voll sozialversichert und mehr Netto in der Tasche

Je weniger du arbeitest, desto geringer ist zwar dein Gesamteinkommen, dafür steigt aber dein Netto-Stundensatz – das ist wie eine Gehaltserhöhung. Das liegt am sogenannten Übergangsbereich, der sich zwischen 450,01 und 1.300 Euro bewegt (ehemals Gleitzone, auch Midijob genannt). In diesem Bereich zahlst du nämlich prozentual immer weniger Sozialversicherungsbeiträge, desto weniger sozialversicherungspflichtiges Gesamteinkommen du hast.

Und das beste, du bist wie ein Vollzeitbeschäftigter in allen Zweigen der gesetzlichen Sozialversicherung voll versichert. Nur deine Arbeitslosen-, Pflege- und Rentenversicherung kann im Versicherungsfall geringer ausfallen. Da wir aber kein Arbeitslosengeld in Anspruch nehmen (das würde zur Abhängigkeit gegenüber dem Staat führen) und wir schon lange nicht mehr an die Rente glauben, spielt das eh keine Rolle mehr.

Überprüfe diesbezüglich regelmäßig deine Gehaltsabrechnung. Es gibt Arbeitgeber die noch die vollen Beitragssätze vom Gehalt abziehen, obwohl sie dazu verpflichtet sind geringere Abzüge in den Zweigen der Sozialversicherung vorzunehmen. Das geht am besten mit einem speziellen Brutto-Netto-Rechner für den Übergangsbereich – beispielsweise der Minijob- und Übergangsrechner von der AOK.

Minijob, Midijob oder lieber ganz aussteigen?

Wenn du in ein paar Jahren hoffentlich bei rund 500 Euro im Monat angekommen bist, dann gilt es sich aus Sicht der Sozialabgaben zu entscheiden. Entweder du bleibst bei den knapp über 450 Euro monatlich und bist voll versichert oder dein Midijob (über 450 bis 1.300 Euro) wird zum Minijob (bis 450 Euro).

Als Minijobber unter 450,01 Euro hast du keine Leistungsansprüche mehr in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung, da du keine Beiträge mehr einzahlst (dein Arbeitgeber schon noch). Bei der Rentenversicherung zahlst du hingegen weiterhin einen reduzierten Beitrag von 3,6% (von mindestens 175 Euro in 2021), wovon du dich aber befreien lassen kannst. Und hinsichtlich Krankenversicherung musst du dich auf eigene Kosten gesetzlich oder privat weiter versichern. Das kann richtig ins Geld gehen:

Gesetzliche Krankenversicherung: Freiwillig gesetzlich versichert (2021)

Wenn deine Einnahmen unter der Mindestbemessungsgrundlage von 1.096,67 Euro liegt, dann zahlst du rund 200 Euro monatlich. Darüber hinaus auch mehr. Dieser besteht aus dem ermäßigten Beitragssatz von 14 % (mit Krankengeldanspruch 14,6 %) zuzüglich kassenindividuellen Zusatzbeitrag von durchschnittlich 1,3 %. Hinzu kommt noch die gesetzliche Pflegeversicherung mit 3,05 % bzw. 3,3 % für Kinderlose.

Deshalb sollte du hier genau nachrechnen, ob es Sinn macht im Übergangsbereich (Midijob) vorerst zu bleiben, in den Minijob zu wechseln oder endgültig aus der abhängigen Beschäftigung auszusteigen.

Unter deinem Grundfreibetrag zahlst du keine Einkommensteuer mehr

Als Vollzeitbeschäftigter bist du es gewohnt Lohnsteuer, Kirchensteuer (wenn noch nicht ausgetreten) und vielleicht noch einen Solidaritätszuschlag zu zahlen. Dein Arbeitgeber behält auf Grundlage deiner elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmale einen Teil deines Lohnes ein und führt diese an das Finanzamt ab (Abzugsteuer). Sobald du weniger arbeitest und dadurch ein geringeres steuerpflichtiges Gesamteinkommen hast, ändert sich auch deine Steuerlast. Sprich, du zahlst immer weniger Steuern.

Die lineare Steuerprogression (weniger Einkommen = weniger Steuern) zwischen dem Eingangsteuersatz von 14% und Spitzensteuersatz von 42% macht das alles möglich. Dadurch erhöht sich dein Netto-Stundenlohn, wodurch du wieder weniger arbeiten brauchst und wiederum Steuern und Sozialversicherungsbeiträge sparst. Denke aber daran, deine gesamten Einkünfte aus allen Jobs, Gewerbe, Dividenden, Aktien, Zinsen und so weiter zu berücksichtigen.

Irgendwann dann, wenn sich dein Einkommen unter einem steuerrelevanten Grundfreibetrag im Kalenderjahr bewegt, zahlst du überhaupt keine Einkommensteuer mehr. Dieser Grundfreibetrag steigt i.d.R. jährlich und liegt im Jahr 2021 bei 9.744 Euro (das doppelte für Verheiratete).

Es kann aber dennoch passieren, dass dein Arbeitgeber oder auch deine Bank derartige Steuern abführen: Beispielsweise weil du einige Monate so richtig gut verdienst hast oder vergessen hast einen Freistellungsauftrag bei deiner Bank einzurichten. Dann solltest du dein Geld mit der jährlichen Steuererklärung wieder zurückholen.

Als Minijobber können doch noch Steuern anfallen

So unterschiedlich die Arten von Minijobs sind, so unterschiedlich kann die Steuerlast für dich ausfallen. Dabei kommt es entscheident darauf an, ob du im Gewerbe oder Privathaushalt angestellt bist und welche Entgelt- und Zeitgrenzen du einhälst.

Wenn du beispielsweise einen klassischen 450 Euro-Minijob in einem Unternehmen hast, dann darf dein steuerpflichtiges Einkommen regelmäßig nicht 450 Euro monatlich übersteigen. Lohnsteuer fallen für dich zumindest theoretisch nicht an, da dein Arbeitgeber für dich eine Pauschalsteuer von meist 2% (manchmal auch 20%) übernimmt. Diese 2% (nicht bei 20 %) beinhaltet bereits die Lohnsteuer, die Kirchensteuer und ggf. den Solidaritätszuschlag. Der Arbeitgeber kann aber die Pauschalsteuer – wenn vertraglich geregelt – auf dich abwälzen oder nach deiner individuellen Lohnsteuerklasse versteuern.

Besteuerung über die Lohnsteuerklasse

Der Vorteil ist, dass einerseits dein Arbeitgeber die Pauschalsteuer spart und andererseits du über die Steuererklärung deinen Werbungskostenpauschbetrag von bis zu 1.000 Euro geltend machen kannst. Das geht bei einer Pauschalbesteuerung nicht. Auch dein Grundfreibetrag auf Einkommen kann hierbei berücksichtigt werden, wobei das sowohl ein Vorteil als auch ein Nachteil sein kann.

Dasselbe gilt bei kurzfristigen Minijobs, die auf 3 Monate oder 70 Arbeitstage begrenzt sind, nur das hier die Lohnsteuer entweder pauschal mit 25% oder nach deiner Lohnsteuerklasse anfällt. Bei dieser Pauschalsteuer kommt allerdings noch ggf. der Soli und Kirchensteuer hinzu. Letztendlich entscheidet aber der Arbeitgeber die Besteuerungsart.

Weitere Infos zu Minijobs bei der Minijobzentrale.