Jeder der sein Gemüse, Obst, Kräuter und vielleicht noch Getreide selbst anbauen möchte, ist auf ein Grundstück angewiesen. Daran führt kein Weg vorbei, außer man beschränkt sich auf das Sammeln von Wildgemüse, -obst, -kräuter und -samen. Aber Grundstück ist nicht gleich Grundstück: Nicht überall wächst alles oder darf alles angebaut werden, manchmal fehlen die natürlichen Ressourcen und letztendlich spielt es eine große Rolle was du möchtest. Was es dabei zu beachten gibt, zeige ich dir im folgendem.

Nutze vorhandene Grundstücke

Am einfachsten ist es, wenn du bereits ein Grundstück hast, dass du für deine Selbstversorgung nutzen kannst. Das wäre ein Glückstreffer. So lässt sich ein Rasen ums Haus zu einem Nutzgarten umgestalten, eine Wiese mit Obstbäumen bepflanzen oder ein übergroßer Garten mit Getreide bestellen.

Bevor du jetzt aber beginnst etwas anzubauen, solltest du bedenken, dass Obstgehölze etwa fünf Jahre bis zur ersten nennenswerten Ernte benötigen. Wenn du jetzt alles bepflanzt und nach wenigen Jahren doch alles verkaufst, um dir z.B. woanders ein größeres Grundstück zu kaufen, dann musst du mit jeder Neupflanzung von neuem einige Jahre auf die ersten Erträge warten. Hinzu kommt noch die teure Baumschulware und der Aufwand für die Obsterziehung. Bei einjährigen Gemüse wäre das alles kein Problem (außer vielleicht für den Garten selbst).

Das gleiche gilt für bestehende Arbeitsabläufe, überlassene Flächen, soziale Kontakte und regionale Tauschpartner. Weiterhin darf nicht überall alles angebaut oder größere Tiere gehalten werden. In reinen Wohngebieten dürfte es schwer werden eine „kleine Landwirtschaft“ zu betreiben. Es gibt also einiges zu klären.

So kommst du an dein Grundstück

Es gibt noch andere Wege, um an ein Grundstück zu kommen. Viele denken dabei gleich ans Kaufen. Solange du das nötige Kleingeld dafür hast, spricht überhaupt nichts dagegen. Problematisch wird es aber, wenn du dich damit verschuldest. Den mit der Selbstversorgung lassen sich keine Schulden zurückzahlen – es fehlt schlichtweg der Geldfluss. Man versorgt sich mit Naturalien, aber eben nicht mit Geld.

Wenn dir das Geld für dein Traumgrundstück also fehlt, dann reduziere deinen Konsum, führe ein minimalistisches Leben und lege dir das daraus ersparte Geld zurück, bis du dir dein Grundstück leisten kannst. Vielleicht findest du ja noch ein paar kreative Einnahmequellen, die dich ohne größeren Aufwand schneller voranbringen.

Noch schneller gehts, wenn du deine Vorstellungen noch mal überdenkst und deine Ansprüche herunterschraubst. Vielleicht tut es auch ein Grundstück in Hanglage auf dem Land statt in dicht besiedelten Ballungsgebieten. Ein Balkon reicht meist schon aus, um mit der Selbstversorgung zu beginnen.

Du kannst aber auch ohne Geld an ein Grundstück kommen. Es gibt genügend Grundstücke die keinerlei Marktwert haben. Für dessen Eigentümer ist es oft günstiger ein solches Grundstück zu verschenken, als die Kosten für Grundsteuer, Berufsgenossenschaft und Pflegeaufwand zu tragen. Am besten du schaust dich nach verwilderten Grundstücken um und fragst dich durch wer die Eigentümer sind.

Weiterhin kannst du einen Tausch anbieten: Du pflegst das Grundstück des Eigentümers und dafür kannst du darauf dein Gemüse und Obst anbauen. Das Grundstück verliert so nicht an Wert (verwildert nicht) und der Eigentümer spart dadurch den Pflegeaufwand.

Vergesse bei der Grundstücksauswahl deine Pflanzen und Tiere nicht

Wenn du dich in ein Grundstück verliebst, dann vergesse ja nicht deine Pflanzen und Tiere mit einzubeziehen. Diese haben immer Vorrang. Denn solange es deinen Pflanzen und Tieren gut geht, wirst du immer genügend Erträge haben – das ist nicht zu unterschätzen.

Sonnenliebende Nutzpflanzen mögen keine schattigen Plätze im Tal. Hierzu gehören die meisten Gemüse-, Obst- und Kräuterpflanzen. Sonnige Flächen sind daher immer zu bevorzugen, die sich mit entsprechender Bepflanzung im Nachhinein immer noch in Schattenplätze umwandeln lassen.

Hinsichtlich Tiere solltest du dich nach dem Tierwohl der jeweiligen Tierart ausrichten. Es gibt beispielsweise Ziegen und Schafe, die sich nur in Hanglagen mit bestimmter Bodeneigenschaft und Klimabedingungen „artgerecht“ halten lassen. Das ist ein Fach für sich.

Gleich danach sollte die Wasserversorgung ganz weit oben stehen: Ob du Regenwasser sammelst, eine eigene Wasserquelle besitzt oder dein Grundstück direkt am Fluss liegt, wichtig ist nur das du immer genügend Wasser zum gießen hast. Ähnliches gilt für die Beschaffenheit und Fruchtbarkeit des Bodens, wobei dieser sich jederzeit noch nachträglich bearbeiten lässt.

Naturnahe Handarbeit oder Maschineneinsatz?

Motorsense, Motorsäge, Heckenschere, Mähroboter, Fräse und Traktor sind alles Beispiele für motorbetriebene Maschinen. Ob du derartige Maschinen wirklich brauchst (und nicht nur mit Wünschen verwechselst) kannst nur du beantworten. Erwäge aber, dass es vielleicht eine Handsense, Heckenschere, Spaten, Hacke oder ein kleines Fahrzeug vielleicht auch tut.

Insbesondere wenn du der Natur näher kommen möchtest, solltest du auf motorbetriebene Maschinen weitgehend verzichten. Denn warum sollte man Tätigkeiten, die einem Freude bereiten, schnell mit einer seelenlosen Maschine erledigen? Zumal diese mit hoher Gewalt in die Natur eingreifen. Das bringt nur das Ökosystem durcheinander und entfernt dich von einer natürlichen Lebensweise.

Sobald du dich für eine Variante entschieden hast, kannst du schauen, welche Grundstücke für dich in Frage kommen. Wer sein Gemüse und Obst mit der Hand anbaut, kann sich beispielsweise günstig ein kleines Grundstück in Süd-Hanglage zulegen (oft schon unter 1.000 Euro). Umgekehrt ist ein maschineller Einsatz verbunden mit einem großflächigen, höherpreisigen und stärker reglementierten Grundstück. Letztere sind für reine Selbstversorger kaum zu bekommen.

Kauf, Pacht und Miete ist nicht nur eine Frage des Geldes

Ob du ein Grundstück kaufst, pachtest oder mietest ist rechtlich betrachtet ein gewaltiger Unterschied. Der Kauf macht dich nämlich zum Eigentümer und die Zahlung eines Pachtzins oder Miete zum Besitzer (Pächter bzw. Mieter) mit einem zeitlich befristeten Nutzungsrecht. Darüber hinaus kannst du als Eigentümer gleichzeitig Besitzer oder auch Verpächter bzw. Vermieter sein.

Pachtest du eine landwirtschaftliche Fläche, dann gehört dir als Pächter und Besitzer die sogenannte Frucht an der Sache (z.B. die Äpfel einer Streuobstwiese). Du kannst diese verzehren, verarbeiten oder aber auch auf dem Wochenmarkt verkaufen. Mietest du hingegen die gleiche Fläche, dann gehört die Frucht dem Vermieter und Eigentümer.

Aus diesen Besitzverhältnissen ergeben sich somit deine Rechte und Pflichten. Das betrifft auch die Steuerabgaben, Versicherungen und Beiträge zur Berufsgenossenschaft (letztendlich zahlst du aber immer alles). Da für uns Selbstversorger natürlich die „Frucht“ entscheidend ist, kommt für uns nur das Eigentum und/oder die Pacht in Frage. Es bringt nichts eine Streuobstwiese zu mieten, wenn du das Obst und das Futtergras nicht ernten darfst.

Land- und forstwirtschaftliche Flächen sind genehmigungspflichtig

Wenn du in Deutschland ein land- oder forstwirtschaftliches Grundstück kaufen möchtest, dann benötigst du eine Genehmigung. Zumindest dann, wenn die zusammenhängende Fläche eine bestimmte Mindestgröße überschreitet (in jedem Bundesland unterschiedlich, oft ab zehn Ar, ein bzw. zwei Hektar). Diese beantragst du beim zuständigen Landwirtschaftsamt entweder selbst oder über den Notar – dein Verkäufer kann das aber auch übernehmen. Die Beantragung bzw. dessen erteilte Genehmigung muss dann im Kaufvertrag stehen.

Anschließend können die Siedlungsunternehmen und berufsmäßigen Land- und Forstwirte ihr Vorkaufsrecht ausüben. Wenn dieses nicht fristgemäß wahrgenommen wird und auch sonst nichts dagegen spricht, wird die Behörde den Kauf mit oder ohne Auflagen zustimmen. Grundlage hierfür ist das Grundstückverkehrsgesetz (GrdstVG) bzw. Agrarstrukturverbesserungsgesetz (ASVG in Baden-Württemberg), Reichssiedlungsgesetz (RSiedlG) und die landesspezifischen Bestimmungen.

Die größten Chancen hast du, wenn die Grundstücke schlichtweg für die wirtschaftlich orientierten Land- und Forstwirte uninteressant sind. Beispielsweise wenn die Grundstücke nicht mit schweren Maschinen bewirtschaftet werden können (z.B. Hanglage), die Flächen zu klein sind oder der Kaufpreis über dem Marktwert liegt (nicht höher als 20% über den amtlichen Verkehrswert). Oder du meldest selbst eine Landwirtschaft an, die aber auch Nachteile mit sich bringt.

Ähnlich ist es mit der Landpacht, wobei diese nur anzeigepflichtig ist, aber dennoch von der Behörde beanstandet werden kann.

Land- und forstwirtschaftliche Flächen begründen die Mitgliedschaft in der landwirtschaftlichen Sozialversicherung

Wenn du land- oder forstwirtschaftliche Flächen besitzt, dann bist du automatisches Mitglied in der Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft. Zuständig hierfür ist die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG). Möchtest du dich davon befreien lassen, dann solltest du deine Gesamtfläche von 2.500 Quadratmeter nicht überschreiten und bei dir keine anderen versicherungspflichtigen Umstände vorliegen (z.B. Imkerei).

Der Grundbeitrag ist für einen Selbstversorger dabei das teuerste. Dieser liegt zwischen 87,50 und 350 Euro jährlich (2020), wobei der Mindestgrundbeitrag durch eine Korrektur auch etwas niedriger ausfallen kann. Hinzu kommt noch ein individueller Risikobeitrag, der allerdings aufgrund der geringen Flächen von Selbstversorgern kaum etwas ausmacht.

Weiterhin kann deine Grundstücksgröße zur Versicherungspflicht in der Landwirtschaftlichen Alterskasse, Krankenkasse und Pflegekasse führen (auch SVLFG). Insbesondere dann, wenn du nicht mehr als Angestellter tätig bist und die Mindestgrößen der landwirtschaftlichen Alterskasse überschreitest. Letzteres betrifft aber die wenigsten Selbstversorger.

Die Beitragshöhe erfolgt hier nicht wie bei Angestellten nach einem Beitragssatz und deren Einkünften (Gehalt, Lohn), sondern nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des Unternehmens (= Größe der Selbstversorgung). Je kleiner die Selbstversorgung, desto geringer fallen faktisch die Beiträge aus.

Minimiere die Risiken deines Grundstückes

Das was einen Angestellten der Arbeitsplatz ist, ist für uns Selbstversorger das Grundstück. Ohne Erträge aus den Grundstücken können wir nicht überleben. Deshalb sollte dein Augenmerk auch auf dessen Risikominimierung ausgerichtet sein.

Wenn du ein Grundstück kaufst, dann kann dein Grundstück enteignet oder zwangsversteigert werden. Das ist bei einer Pacht und Miete so nicht möglich. Dafür kann man dir dort deine Rechte aus deinem Besitz nehmen oder dich außerordentlich kündigen – letzteres ist wiederum beim Eigentum nicht möglich.

Bei einer Enteignung wird dir dein Eigentum und Besitz gegen deinen Willen weggenommen. In Deutschland ist das nach dem Grundgesetz (Artikel 14 Absatz 3 und 15) problemlos zum Wohle der Allgemeinheit möglich. Da Behörden formell immer im öffentlichen Interesse handeln und es entsprechende Gesetze gibt, sind die Voraussetzungen für eine Enteignung faktisch immer gegeben.

Dann gibt es noch die persönliche Haftung. Privatrechtlich kannst du das Risiko reduzieren, indem du nur das unterschreibst was du auch erfüllen kannst. Wenn du dir dein Traumgrundstück noch nicht leisten kannst, dann kaufe auch keins. Das erspart schon mal den Gerichtsvollzieher und letztendlich die Enteignung aufgrund einer Grundschuld.

Wenn du diese Risiken nicht eingehen möchtest, dann kannst du dein Grundstück auch verschenken und daraus ein lebenslanges und unkündbares Nießrecht ziehen, dass dich weiterhin zur Nutzung und Fruchtziehung berechtigt. Oder mache es wie die Superreichen, indem du eine Stiftung oder einen Verein gründest, wo laut Satzung du ein entgeltloses Nutzungsrecht hast.

Haftungsrisiken kannst du über entsprechende Versicherungen vermeiden. Und den politischen Rechtskreis kannst du übers Auswandern entgegenwirken. Bedenke aber, dass immer ein Restrisiko bleibt und sich der Aufwand nicht für jeden lohnt.

Kein Bock auf EU-Bürokratie? Dann wandere aus

Die meisten für uns Selbstversorger relevanten Vorschriften und Richtlinien kommen von der Europäische Union. Dieses gelten entweder unmittelbar oder über die nationalen Gesetze. Auch wenn diese auf die industriell geprägten und landwirtschaftlichen Großbetriebe mit Massentierhaltung und Monokultur ausgerichtet sind, gelten diese weitgehend auch für uns Selbstversorger. Der bürokratische Aufwand ist entsprechend hoch.

Viele Dinge die bei unseren Großeltern noch erlaubt waren sind heute verboten und andere unterliegen der Meldepflicht, Überwachung, Sachkunde oder einem Genehmigungsverfahren. In Mitteleuropa sind die Behörden hier sehr penibel und setzen dieses Recht hart durch. Das hat nichts mehr mit der Realität zu tun.

Hier liegt es doch nahe ins außereuropäische Ausland auszuwandern. Insbesondere Agrarstaaten sind für Selbstversorger geeignet, wobei noch einige Aspekte zu berücksichtigen sind. Denn nicht alle heimischen Nutzpflanzen lassen sich weltweit anbauen. Aber auch die Sprache, Kultur oder dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung stellen neue Herausforderungen da.

Wer nicht so weit weg möchte, kann auch in Südosteuropa oder Nordskandinavien Fuß fassen. Dort gelten zwar die gleichen EU-Richtlinien, diese werden allerdings kaum von den Behörden überwacht.