Wir alle bestreiten unseren Lebensunterhalt. Diese sehen jedoch zwischen Angestellten und Selbstversorgern komplett unterschiedlich aus. Ein Angestellter geht einer abhängigen Beschäftigung nach und tauscht Geld mit seiner Lebenszeit. Er ist einerseits Produzent und andererseits Konsument. Selbstversorger hingegen kennen naturgemäß kaum einen Geldfluss. Da kaum Geld benötigt wird, sind auch entsprechend weniger Einnahmen erforderlich und ein Arbeitsplatz wird weitgehend überflüssig. Selbstversorger leben minimalistisch und wortwörtlich von dem was sie sammeln, säen, ernten, bevorraten und selbst herstellen. Je nach Ausprägung steht der Anbau von Gemüse, Obst, Getreide, Kleidungsfasern und die Erzeugung von tierischen Produkten (z.B. Honig, Eier, Fleisch) für den Eigenverzehr ganz vorne. Was nicht selbst angebaut, erzeugt oder hergestellt wird, wird möglichst mit Naturalien bei anderen Selbstversorgern oder Spezialisierten getauscht. Erst danach kommt Geld zum Einsatz.

Wie wir erkennen gehen Angestellte und Selbstversorger komplett unterschiedliche Lebenswege: Geld, Konsum, Freizeit und Abhängigkeit auf der einen Seite und Naturalien, Naturkreislauf, Freiheit und Unabhängigkeit auf der anderen. Angestellte sind demnach auf eine Arbeitsstelle und Selbstversorger auf ein Grundstück angewiesen. Bevor du dir jetzt aber als angehender Selbstversorger ein geeignetes Grundstück zulegst, sollten vorher noch einige wichtige Dinge betrachtet werden. Immerhin musst du von dem auf dem Grundstück angebauten und erzeugten auch gut leben können.

Auswahl der Grundstücke: Der Nutzen steht im Mittelpunkt

Einfach mal ein Grundstück kaufen geht nicht immer gut. Es bringt nichts wenn Pflanzen nicht keimen oder anwachsen und kaum Erträge einbringen. Davon kannst du nicht leben. Das Grundstück sollte daher erst einmal zu deinen Nutzpflanzen passen, die du darauf anbauen möchtest. Sonnenliebende Pflanzen mögen keine schattigen Plätze im Tal. Besonders Gemüse und Obst lieben halbschattige bis sonnige Plätze. Sonnige Flächen sind daher immer zu bevorzugen, die sich mit entsprechender Bepflanzung im Nachhinein immer noch in Schattenplätze umwandeln lassen.

Gleich danach sollte die Wasserversorgung ganz weit oben stehen: Ob du Regenwasser sammelst, eine eigene Wasserquelle besitzt oder dein Grundstück direkt am Fluss liegt, wichtig ist nur das du immer genügend Wasser zum gießen hast. Das lässt sich wegen des Klimawandels aber immer weniger voraussagen. Wasserquellen können versiegen oder es regnet Monate lang einfach nichts mehr. Noch vor nicht allzu langer Zeit haben mir locker drei Wassertanks ausgereicht, ein paar Jahre später benötigte ich bereits zehn Wassertanks.

Dann sollte noch auf die Beschaffenheit und Fruchtbarkeit des Bodens geachtet werden, wobei dieser sich jederzeit noch nachträglich bearbeiten lässt. Bei den Tieren solltest du dich nach dem Tierwohl der jeweiligen Tierart ausrichten. Es gibt beispielsweise Ziegen, die sich nur in Hanglagen mit bestimmter Bodeneigenschaft und Klimabedingungen „artgerecht“ halten lassen.

Zu guter Letzt darfst du dich selbst natürlich nicht vergessen. Solltest du ein kleines kompaktes Grundstück bevorzugen, dann benötigst du keine motorbetriebene Unterstützung von Maschinen. Hecken lassen sich gut von Hand mit der Heckenschere schneiden und das wenige Gras mit der Handsense oder mit den Kaninchen mähen. Je weniger Maschinen eingesetzt werden, desto mehr ist man mit der Natur verbunden. Wenn du hingegen großflächige Grundstücke bevorzugst, dann kann der Einsatz von Arbeitsmaschinen durchaus notwendig werden. Ob du dein Grundstück nach den Maschinen auswählst oder umgekehrt hängt von deiner bevorzugten Arbeitsweise ab. Hanglagen lassen sich deutlich schwerer mit Maschinen bearbeiten als ebene Flächen. Dafür sind diese einfacher und günstiger zu bekommen.

Vorhandene Grundstücke nutzen

Wenn du wie ich damals bereits ein Grundstück besitzt, dann kannst du dieses vielleicht auch für die eigene Selbstversorgung nutzen. Zumindest wenn alle relevanten Bedingungen erfüllt sind. Bedenke aber, dass die Anforderungen und der Platzbedarf im Laufe der Zeit deutlich wachsen können. Dann wird es nicht mehr so einfach alles zu verkaufen und woanders einen Neustart zu wagen. Jahrelang erzogene Obstbäume, überlassene Flächen, Arbeitsabläufe, soziale Kontakte und Tauschpartner müssten komplett aufgegeben werden. Das war bei mir nicht anders. Ich löste das Problem jedoch damit, indem ich einige Nachbargrundstücke kaufte und weitere Grundstücke nutzen konnte. So vergrößerte ich meine Grundstücke, die es mir heute ermöglichten, meine Selbstversorgung zu leben. Vieles ist aber bis heute nicht möglich (z.B. größere Tiere). Deshalb, überlege dir sehr genau, wo du deine Basis als Selbstversorger aufbaust. Nicht das du nach ein paar Jahren wieder alles zugunsten eines neuen – größeren und geeigneteren – Grundstückes aufgeben musst.

EU-Flucht – Auswandern

Wenn du wie ich bereits ein Grundstück in optimaler Lage hast, dann kannst du dich wirklich glücklich schätzen. Wenn nicht und du noch ganz am Anfang stehst, dann solltest du vor der Grundstücksanschaffung auch das Auswandern in Erwägung ziehen. Das hat seinen guten Grund. Die meisten für uns Selbstversorger relevanten Vorschriften und Richtlinien werden durch die Europäische Union vorgegeben. Normalerweise sind die Gesetze für die industriell geprägten und landwirtschaftlichen Großbetriebe mit Massentierhaltung und Monokultur ausgelegt. Bis auf wenige Ausnahmen wird aber kein Unterschied zwischen profitorientierten Großlandwirten und kleinen Selbstversorgern gemacht. Da wir Selbstversorger im Gegensatz zu den heutigen Landwirten eher in die Breite (von jedem etwas) und weniger in die Tiefe (Spezialisierung) gehen, gelten für uns besonders viele Vorschriften. Viele Dinge die bei unseren Großeltern noch erlaubt waren sind heute verboten und andere wiederum unterliegen der Meldepflicht (z.B. Tierseuchenkasse), Überwachung (z.B. Veterinäramt), Sachkunde (z.B. Schlachtung) und einem Genehmigungsverfahren (z.B. Landwirtschaftsamt). Das wiederum sorgt zeitlich und manchmal auch finanziell (Grund-, Genehmigungsgebühren) für eine außer verhältnismäßige Belastung. In Mitteleuropa sind die Behörden hier sehr penibel und setzen diese Richtlinien hart durch. Das hat nichts mehr mit der Realität zu tun.

Hier liegt es doch nahe in das außereuropäische Ausland auszuwandern, wobei natürlich auch andere Aspekte berücksichtigt werden sollten. Den nicht alle heimischen Nutzpflanzen lassen sich weltweit anbauen. Aber auch die Sprache, Kultur, Staatsbürgerschaft oder dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung stellen je nach Staat neue Herausforderungen da. Das kann es aber Wert sein, wie ich in Ecuador bei einigen stolzen Selbstversorgern feststellen konnte. Auch andere südamerikanische Staaten, wie Paraguay (etwa 7% der Bevölkerung sind deutschstämmig!), sind unter den deutschen Selbstversorgern sehr beliebt.

In Südosteuropa, Südwesteuropa, Nordskandinavien und anderen europäischen Regionen, nicht ganz so weit weg, gelten zwar weitgehend die gleichen EU-Richtlinien, nach meiner Information werden diese allerdings kaum von den Behörden überwacht. Das wäre also auch eine echte Option für dich. Selbstversorger oder Migranten von dort können dir diesbezüglich sicherlich Tipps geben. Aber nicht nur der Staat macht die Unterschiede, sondern auch die jeweilige Region innerhalb eines Staates: Örtliche Vorschriften, Temperaturen, Niederschläge, Bodenbeschaffenheit, Besonderheiten, Menschenschlag, Traditionen, Bevölkerungsdichte und die Immobilienpreise sind weitere Kriterien. Du siehst schon es gibt einiges zu beachten.

Kauf, Pacht, Miete oder doch lieber ein Nießbrauch

Ob du ein Grundstück kaufst, pachtest oder mietest ist rechtlich betrachtet ein gewaltiger Unterschied. Zuerst einmal muss zwischen Besitz und Eigentum unterschieden werden. Der Kauf macht dich zum Eigentümer, die Zahlung einer Pacht oder Miete gewährt dir ein zeitlich befristetes Nutzungsrecht. Wenn du beispielsweise in Miete wohnst, dann bist du als Mieter der Besitzer und dein Vermieter der Eigentümer deiner Wohnung. Für die Nutzung zahlst du an den Eigentümer monatlich eine Miete. Dasselbe gilt bei einer Pacht, nur das sich zuerst einmal die Begriffe unterscheiden (Pächter, Verpächter) und der Pachtzins bzw. die Pacht auch jährlich anfallen kann.

Weiterhin macht es einen Unterschied, ob du eine landwirtschaftliche Fläche mietest oder wie üblich pachtest. Den als Pächter gehört dir im Gegensatz zum Mieter die sogenannte Frucht an der Sache (du kannst damit Gewinn machen). Das ist ein rechtlicher Begriff der wortwörtlich zu nehmen ist. Das bedeutet, wenn du eine Streuobstwiese pachtest, dann gehört dir als Pächter die darauf wachsenden Äpfel (Frucht): Du kannst diese verzehren, zu Most verarbeiten oder auf dem Wochenmarkt verkaufen. Bei einer Miete hingegen, würden die Äpfel nicht dem Mieter, sondern dem Vermieter gehören. Wir als Selbstversorger sollten also eine Pacht immer vorzuziehen – wir leben davon. Wenn du übrigens wissen möchtest ob der zu zahlende Pachtzins oder auch Kaufpreis fair angesetzt ist, dann solltest du die Bodenrichtwerte deiner Gemeinde mit dem angesetzten Pachtzins vergleichen. Das ist nicht abschließend (Marktwert kommt u.a. auch noch dazu), aber für die grobe Orientierung reicht es.

Wenn du stattdessen ein Grundstück kaufst, dann bist du mit allen Rechten und Pflichten sowohl der Eigentümer als auch (solange du es nicht weiter verpachtest oder vermietest) der Besitzer. Statt einer regelmäßigen Miete oder einem Pachtzins zahlst du nur einmalig einen höheren Preis. Hinsichtlich Abgaben wie Steuern, Gebühren und Beiträge gibt es noch ein paar feine Unterschiede: Als Eigentümer und Besitzer bezahlst du immer direkt alle Abgaben. Wenn du ein Grundstück hingegen pachtest, dann fallen neben dem Pachtzins nur solche „Nebenkosten“ für dich an die vertraglich auch vereinbart wurden (z.B. Grundsteuer) und anderweitig gesetzlich geregelt wurden (z.B. Berufsgenossenschaft). Manchmal sind diese auch schon in der Pacht inbegriffen (nicht immer legal). Letztendlich zahlst du aber alles.

Es gibt aber auch noch andere Formen. Beim Nießbrauch oder auch Nießrecht beispielsweise überträgst du jemanden dein Eigentum, behältst aber dein Leben lang das Recht zur Nutzung und Fruchtziehung (reicht für die Selbstversorgung völlig aus). Dem anderem bleibt vorerst lediglich die Verfügbarkeit aus dem Eigentum. Wenn du es richtig machst, dann hast du mit der “Außenwelt” nichts mehr zu tun. Der Nießbrauch selbst ist unveräußerlich, nicht vererbbar und auch sonst nicht übertragbar, die Ausübung des Nießrechtes kann aber anderen überlassen werden. Im allgemeinen ist der Nießbrauch nicht pfändbar. Im Alltag finden sich aber Beispiele, dass es u.a. über die Ausübung, den Fruchtnutzen oder Überschuldung des “verfügbaren (bloßen) Eigentümers” indirekt zu Pfändungen kommen kann. Hier solltest du dich vorher rechtlich beraten lassen.

Risiken als Eigentümer und Besitzer
Rechtlicher Status

Grundstücke sind für uns Selbstversorger überlebenswichtig. Ohne Grundstück kann kein Getreide, Gemüse, Obst und andere lebenswichtige Dinge angebaut werden. Ein Neubeginn würde wieder Zeit und Energie kosten bis sich die ersten Erträge sehen lassen. Wer sich hier nicht um die grundlegende Absicherung seiner Grundstücke kümmert lebt hoch spekulativ, auch wenn das Risiko sicherlich zum Leben dazu gehört. Im Kern geht es aber darum, seinen Grundstücken einen ausreichend “rechtlichen Status” zu verleihen, und zwar so, dass möglichst niemand an deine Grundstücke herankommt. Bereits mit der Entscheidung, ob du das besagte Grundstück besser kaufst, pachtest, mietest oder sogar überschreibst werden die Weichen gestellt. Wenn du ein Grundstück kaufst und dadurch Eigentümer wirst, dann kann das Grundstück durch staatliche Einrichtungen enteignet oder über Gläubiger zwangsversteigert werden. Bei einer Pacht oder Miete hingegen kann man dir höchstens die Rechte oder den Nutzen daraus nehmen – aber auch nur dann wenn es einen wirklichen Wert für jemanden anderes hat (eher nicht). Umgekehrt besteht bei einer Pacht und Miete das Restrisiko, dass man nach hohen Investitionen außerordentlich gekündigt wird – das kann beim Eigentum nicht passieren.

Staatliche Enteignung

Die größte existenzgefährdende Gefahr für das Grundstück sehe ich auf staatlicher Seite in der Regulierung und Enteignung. Zur Regulierung gehört alles was in Gesetzen irgendwann einmal geregelt wurde. Gesetze sind nichts anderes als fremde Werte, die dich in deiner freien Entwicklung einschränken und unterzuordnen versucht (Über- und Unterordnungsprinzip). Im Alltag kannst du beispielsweise dein Grundstück nicht immer so nutzen wie du es gerne möchtest und darüber hinaus musst du noch Abgaben wie die Grundsteuer auf dein eigenes Grundstück zahlen (Tribut). Schon verrückt, was alles geregelt ist. Je dichter die Bevölkerungsdichte, desto mehr wird reguliert und überwacht. Das ist weltweit beobachtbar. Gesetzen kannst du eigentlich nur durch auswandern entkommen (dafür kommen neue). Menschen in weit abgelegenen Gebieten gelten faktisch nur die Naturgesetze. Die Naturvölker und einige total autarke Selbstversorger machen uns das vor.

Hinsichtlich Enteignung wird dir von einer staatlichen Einrichtung dein Eigentum und Besitz gegen deinen Willen weggenommen. Nach dem Grundgesetz (Artikel 14 Absatz 3 und 15) ist das jederzeit zum Wohle der Allgemeinheit möglich. Da die Behörden formell immer im öffentlichen Interesse handeln und es entsprechende Gesetze gibt, sind die Voraussetzungen für eine Enteignung faktisch immer gegeben. Deshalb bringen auch Klagen nichts, außer diese werden in einer breiten Öffentlichkeit ausgetragen. Dann kann nämlich das öffentliche Interesse überwiegen. Man wird zwar finanziell entschädigt, aber nicht nach den eigenen Konditionen. Und auf das Herzblut für das Grundstück wird erst recht keine Rücksicht genommen. Das ist ein Kampf David gegen Goliath.

Zivilrechtliche Haftung

Eine weitere Gefahr für dein Grundstück besteht in der persönlichen Haftung. Privatrechtlich kannst du das Risiko reduzieren, indem du nur das unterschreibst was du auch erfüllen kannst. Wenn du dir dein Traumgrundstück noch nicht leisten kannst, dann kaufe auch keines (es gibt auch kostenlose Lösungen). Dann ersparst du dir schon einmal den Gerichtsvollzieher und letztendlich die Enteignung aufgrund einer Grund- oder Restschuld. Andere Risiken, die selbst nicht gestemmt werden können, kann man wiederum mit einer Versicherung wie der Privat- oder Agrarhaftpflichtversicherung reduzieren.

Es gibt aber auch legale Tricks die man von den Superreichen und Politikern abschauen kann. Ich kenne einige Weltbummler die das bereits umgesetzt haben. Nämlich der Eigentumsübertragung bzw. Übereignung auf beispielsweise einem Verein oder einer Stiftung. Alles zuvor selbst gegründet versteht sich. Als juristische Person (du bist rechtlich eine natürliche Person) sind diese wie du voll rechtsfähig, wobei es auch nicht rechtsfähige Stiftungen gibt. Wenn du es richtig machst, dann kannst du „deine“ Grundstücke immer kostenlos nutzen ohne dabei selbst Eigentümer zu sein. Mit entsprechender Satzung kannst du diese faktisch alleine verwalten. Auch steuerlich spricht einiges dafür. Der finanzielle und zeitliche Aufwand darf dabei aber nicht vergessen werden. Welche Rechtsform du letztendlich wählst hängt immer von den individuellen Gegebenheiten ab. Auch welches Recht du anwendest ist auf die Bundesrepublik Deutschland nicht beschränkt. Vereine lassen sich beispielsweise in manchen anderen Staaten auch unter sieben Mitglieder eintragen. Lasse dich aber unbedingt rechtlich beraten, nicht das du dich noch selbst enteignest und nicht mehr an dein Grundstück herankommst. Oder das ausländische Recht in Deutschland nicht anerkannt wird.

Eine weitere unbürokratische Möglichkeit besteht darin, indem dir nämlich jemand kostenlos sein Grundstück zu Nutzung überlässt. Nach außen bist du weder der Eigentümer noch der Besitzer. Du pflegst das Grundstück und im Gegenzug bekommst du die Erträge. Das Grundstück erhält dadurch seinen Wert (verwildert nicht) und du wirst davon satt. Alle profitieren davon. Nachteil: Du kannst von heute auf morgen verjagt werden und rechtlich kann es manchmal auch grenzwertig sein.

Land- und forstwirtschaftliche Flächen sind anzeige- oder genehmigungspflichtig

Wenn du in Deutschland ein land- oder forstwirtschaftliches Grundstück kaufen möchtest, dann vergesse die Siedlungsunternehmen und berufsmäßigen Land- und Forstwirte nicht. Diese haben nämlich wie die Kommunen ein Vorkaufsrecht. Sobald du dich mit dem Verkäufer geeinigt hast, solltest du dich noch vor dem eigentlichen Notartermin an die zuständige Landwirtschaftsbehörde wenden (Landratsamt im Landkreis oder Stadtverwaltung im Stadtkreis). Dort klärst du dann direkt alles notwendige. Theoretisch reicht es auch noch zum Notartermin über den Notar. Wenn aber der Notar „vergisst“ die Genehmigung zu beantragen (Antrag steht immer im Kaufvertrag) und ohne diese eine Grundbucheintrag erfolgt, dann kann die Behörde oder ein Gericht innerhalb eines Jahres diesem widersprechen oder berichtigen lassen. Sobald dann die Genehmigung durch dich als Käufer, dem Verkäufer oder dem Notar bei der die zuständigen Behörde beantragt wurde, wird diese ein Genehmigungsverfahren einleiten. Es sei den es ist keine Genehmigung erforderlich, dann kann auf Antrag ein Zeugnis ausgestellt werden. Wenn das Vorkaufsrecht nicht innerhalb einer bestimmten Frist von den Berechtigten wahrgenommen wird und auch sonst nichts dagegen spricht, wird die Behörde den Kauf ohne oder mit Auflagen zustimmen (z.B. Zwangsverpachtung an einen Landwirt). Grundlage hierfür ist das Grundstückverkehrsgesetz (GrdstVG) bzw. Agrarstrukturverbesserungsgesetz (ASVG in Baden-Württemberg), Reichssiedlungsgesetz (RSiedlG) und den landesspezifischen Bestimmungen.

Da manche dieser Gesetze erst ab einer Mindestgröße zwischen zehn Ar und einem bzw. zwei Hektar zusammenhängender Grundstücke gelten (nach oben und unten alles möglich), werden die Chancen bei kleineren Flächen für dich natürlich deutlich erhöht. Oder du meldest bei entsprechender Größe formell eine Landwirtschaft an, was aber – neben der Berufsgenossenschaft – eine Versicherungspflicht in der Landwirtschaftlichen Kranken-, Pflege und Alterskasse begründen kann (SVLFG). Zusammenhängende Grundstücke verkleinern, um die Mindestgrößen zu umgehen funktioniert übrigens nicht. Hierfür würde man wiederum eine Genehmigung von derselben Behörde benötigen – weitere Vorschriften können hinzu kommen (z.B. § 24 Waldgesetz für Baden-Württemberg). Daneben solltest du noch darauf achten, dass die für dich interessanten Grundstücke für Land- und Forstwirte schlicht und einfach wirtschaftlich uninteressant sind. Das sind oft diejenigen Grundstücke die früher einmal bewirtschaftet wurden und heute verwildert sind. Diese bekommt man sehr günstig oder sogar geschenkt. Manche dieser Grundstücke werden von der EU finanziell gefördert. Noch eine weitere Möglichkeit wäre einen überdurchschnittlichen aber noch realistischen Kaufpreis anzusetzen (nicht höher als 20% über den amtlichen Verkehrswert), der den Land- und Forstwirten zu hoch ist.

Ähnlich ist es mit der Landpacht, wobei diese nur anzeigepflichtig sind, aber dennoch von der Behörde beanstandet werden können. Wenn dir das alles zu kompliziert ist und der Preis (Kaufpreis, Grundsteuer) für dich nicht so ausschlagend ist, dann kannst du auch nicht-landwirtschaftliche Grundstücke kaufen oder pachten. Hier können sich allerdings andere rechtliche und gegebenenfalls auch vertragliche Einschränkungen bei der Nutzung ergeben. Das ist aber immer vom Einzelfall und den örtlichen Bestimmungen abhängig. Obwohl es die Selbstversorgung schon immer gab und seit der Sesshaftigkeit ein Vorläufer der modernen Landwirtschaft ist, gibt es in Deutschland leider keine ausgewiesenen Grundstücke nur für die Selbstversorgung. So müssen wir auf andere ausweichen.

Das GrdstVG bzw. ASVG und RSiedlG zusammen mit dem Flurbereinigungsgesetz (FlurbG) sind in Deutschland aufgrund fehlender Grünstreifen, großflächigen Monokulturen, zerstörerischer Maschineneinsatz und vieles mehr eine der Hauptursachen für das große Artensterben.

Land- und forstwirtschaftliche Flächen begründen die Mitgliedschaft in der landwirtschaftlichen Sozialversicherung

Sobald du land- oder forstwirtschaftliche Flächen besitzt, bist du in der Regel bei der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) automatisches Mitglied in der Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft. Befreien lassen kann man sich manchmal nur mit Flächen bis zu 2.500 Quadratmetern. Der Grundbeitrag ist für einen Selbstversorger dabei das teuerste. Dieser liegt derzeit zwischen 87,50 und 350 Euro jährlich, wobei der Mindestgrundbeitrag durch eine Korrektur auch etwas niedriger ausfallen kann. Hinzu kommt noch ein individueller Risikobeitrag, der allerdings aufgrund der geringen Flächen von Selbstversorgern kaum etwas ausmacht.

Die SVLFG ist aber nicht nur für die Landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft zuständig, sondern auch für die Landwirtschaftliche Alterskasse, Krankenkasse und Pflegekasse. Und hier solltest du aufpassen. Sobald du nämlich nicht mehr als Angestellter tätig bist und die Mindestgrößen der landwirtschaftlichen Alterskasse überschreitest, bist du faktisch Kassenmitglied in allen drei genannten Zweigen. Befreiungen hiervon sind aber manchmal möglich. Reine Selbstversorger (ohne großflächigen Ackerbau für Getreide und Kleidung) fallen aber normalerweise nicht darunter, weil die Mindestgrößen regelmäßig nicht überschritten werden. Zumindest dann nicht, wenn man nur soviel Land erwirbt und anbaut, wie man für die eigene Selbstversorgung auch wirklich benötigt. Grenzwertig könnte es allerdings werden, wenn man wie echte Land- und Forstwirte seine Erträge weiterverkauft und entsprechend mehr Anbauflächen benötigt.

Die Beitragshöhe erfolgt nicht wie bei Angestellten nach einem bestimmten Beitragssatz und deren Einkünften (Gehalt, Lohn), sondern nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des Unternehmens (= Größe der Selbstversorgung). Je kleiner die Selbstversorgung, desto geringer fallen faktisch die Beiträge aus. Nicht-landwirtschaftliche Grundstücke wären hier eine echte Option um der Beitragspflicht zu entkommen. Aber Vorsicht, es kommt nicht nur auf die Grundstücksgröße an, sondern auch auf den tatsächlichen Nutzen. Wenn du Gemüse und Obst auf einer nicht-landwirtschaftlichen Fläche anbaust, dann kannst du dennoch unter die Versicherungspflicht fallen. Das solltest rechtzeitig mit der SVLFG klären, da sonst rückwirkende Beitragsforderungen entstehen können.

Finanzierung

Echte Selbstversorger leben niemals über den eigenen Verhältnissen. Das würde dem Wesen der Selbstversorgung total widersprechen. Ein minimalistischer Lebensstil ohne Mangel steht im Vordergrund. Ich kenne Selbstversorger die unter aber niemals über den eigenen Verhältnissen leben. Schulden würden wie eine Vollzeitbeschäftigung zur Abhängigkeit führen – diese sind deshalb tabu.

Viele Angestellte sind heute auch systembedingt in einer schlechten Position: Viele haben Schulden, das Geld reicht hinten und vorne nicht und Zeit für die Selbstversorgung bleibt kaum. Diesen Teufelskreislauf gilt es erst einmal zu durchbrochen. Zuerst einmal musst du dir bewusst machen, dass nur du dich in die Situation gebracht hast und nur du dich wieder raus bringen kannst. Das was du heute denkst und tust wirkt sich auf den morgigen Tag aus (universelle Gesetzmäßigkeit). Wenn du die Bank zwecks Darlehen aufsuchst oder du dir von deinem Hausarzt unnötige IGeL-Leistungen andrehen lässt, dann liegt das nur an dir. Dein Kontostand ist ein Spiegelbild deiner selbst. Es gibt Menschen die hochverschuldet waren und heute Multimillionäre sind. Oft beginnt die Veränderung mit einer Lebenskrise, Krankheit oder Nahtoderfahrung. Das ist eine Chance und kein Schicksal – ich weis von was ich rede (habe ich hinter mir).

Beginne am besten sofort damit dir monatlich etwas Geld auf ein separates Konto zu überweisen – am besten per Dauerauftrag. Dieses Konto dient ausschließlich zum Aufbau deiner Selbstversorgung. Das sollten mindestens 10 % von deinen gesamten Netto-Einnahmen sein. Gleichzeitig bezahlst du deine Kredite zurück. Wenn dir das alles zu hoch erscheint, dann kannst du auch mit weniger beginnen. Jeder Anfang ist besser als das Geld für den unnötigen Konsum zu verschwenden. Das machst du solange bis alle Schulden zurück bezahlt sind und du dir dein Traumgrundstück und weiteres Equipment leisten kannst. Und wenn dir das ganze zu lange dauert, dann schaue dich nach neuen Geldquellen um – sei kreativ und erhöhe deinen wirtschaftlichen Wert. Vielleicht kannst du deine Selbstversorgung mit einem kleinen Nebenerwerb kombinieren (z.B. überschüssiger Honig auf dem Wochenmarkt verkaufen). Oder du triffst ein Arrangement, wo du beispielsweise ganz ohne Geld deine Arbeitskraft mit einem Wohn- und Nutzrecht eintauschst. Eine weitere Möglichkeit ist es, wenn du dich mit Gleichgesinnten zusammentust und ihr ein Selbstversorgerprojekt daraus macht. Dann ist die finanzielle und zeitliche Last für den einzelnen nicht so hoch. Vielleicht entsteht ja daraus eine Gemeinschaft oder ein Dorf voller Selbstversorger und Kleinhandwerker was die Unabhängigkeit nach Außen reduziert.

Wenn du überschuldet sein solltest und du dich mit deinen Gläubigern nicht einigen kannst, dann solltest du ernsthaft eine Privatinsolvenz in Erwägung ziehen. Dann kannst du spätestens nach 6 Jahren dich nur noch auf die schuldenfreie Selbstversorgung konzentrieren. Überdenke auch noch einmal deine Wunschliste. Ein kleineres Grundstück in Hanglage und ohne Maschineneinsatz könnte vielleicht schon ausreichen. Diese bekommt man oft schon für wenige hundert bis ein paar tausend Euro. Manchmal sogar geschenkt, weil keine Nachfrage vorhanden ist, Grundsteuer kostet und das Grundstück sonst nur Arbeit macht. Bei ebenen Flächen, mit Gebäude, Wasser-/Stromanschluss, Infrastruktur, Industrieregion und Städtenähe wird die ganze Sache schon deutlich teurer. Wobei auch bebaute Grundstücke sehr günstig zu bekommen sind – es muss halt noch viel gemacht werden. Frage dich daher wie deine Selbstversorgung zukünftig genau aussehen soll. Ein renovierter Bauernhof in Deutschland mit viel Land benötigt viel mehr Startkapital, als wenn man vollkommen autark in einer einfachen Holzhütte in Skandinavien lebt.