Wer sich bewusst, hochwertig und gesund ernähren möchte, kommt um den eigenen Gemüseanbau nicht herum. Im Gegensatz zur konventionellen Landwirtschaft verwenden wir hier keine künstlichen Dünger oder chemischen Pflanzenschutzmittel – diese Aufgabe übernimmt die Natur für uns. Teure Biosiegel und Händler sind überflüssig. Der Geschmack, die Gerüche und Farben des frisch geernteten oder selbst verarbeiteten Gemüse sprechen für sich.

Zuerst einmal brauchst du einen Platz

Gemüse kannst du eigentlich überall anbauen. Wichtig ist nur, dass deine Pflanzen genügend Sonne für die Photosynthese abbekommen. Halbschattige bis sonnige Plätze wären für die meisten Pflanzen optimal. Dauerschatten hingegen überhaupt nicht – hier kann nichts wachsen.

Die meisten jedoch bauen ihr Gemüse im klassischen Garten an. In der Literatur werden dafür rund 50 Quadratmeter je Mensch empfohlen – für eine fünfköpfige Familie wären das dann etwa 250 Quadratmeter. Ich für mich brauche in Kübeln nicht mal die Hälfte. Und je erfahrener du wirst, desto weniger Platz brauchst du, da sich die Ernteausfälle reduzieren.

Das tolle am Gemüse ist ja, dass man nicht viel Platz braucht. Es gibt Menschen die versorgen sich von dem, was so auf dem Balkon wächst. Das funktioniert deshalb so gut, weil die Saat-, Pflanzung- und Erntezeiten vorher genau abgestimmt wurden. Beim Obst- und Getreideanbau funktioniert das so nicht.

Solltest du überhaupt keinen Platz haben, dann zeige ich dir hier, wie du an ein Grundstück kommst.

Entscheide dich für eine Anbaumethode

Einen Gemüsegarten kannst du fast überall anlegen: Eine kleine sonnige Fläche reicht völlig aus. Du kannst beispielsweise deinen Ziergarten in einen Bauern- oder Klostergarten umwandeln. Oder du fragst einen Nachbarn, ob du dessen ungenutzte Fläche nutzen kannst. Diesen stichst du dann in der gewünschten Größe ab und gräbst die Fläche nur noch um. Fertig, schon hast du einen Gemüsegarten.

Oder du legst dir einen kleinen Acker zu. Der entscheidende Vorteil ist hier eindeutig der riesige Platz. So kannst du problemlos größerer Maschinen einsetzen und deine Pflanzen haben mehr Platz zum wachsen. Das ist bei kleineren Gärten und Kübeln so nicht möglich. Wenn du nur Gemüse anbaust, dann lohnt sich ein Acker allerdings nicht. Der Platz und Pflegeaufwand wäre viel zu groß. Solltest du hingegen Getreide anbauen, dann lässt sich die Fläche natürlich gleich für den Gemüseanbau mitnutzen.

Wenn dir nicht so viel Gießwasser zur Verfügung steht, du flexibel hantieren oder dich nicht so bücken möchtest, dann solltest du auf ein Kübelbeet zurückgreifen. Hier geht nämlich kein Wasser verloren und die Nährstoffe werden nicht ausgewaschen – alles bleibt im Kübel. Durch die höhere Bodentemperatur in den Kübeln stellen Mikroorganismen den Pflanzen schneller die wachstumsfördernden Nährstoffe zur Verfügung – bei Starkzehrern ein klarer Vorteil. Das trifft aber nur in der warmen Jahreszeit zu, im Winter ist es genau umgekehrt. Darüber hinaus kannst du mobile Kübel jederzeit auseinander stellen, so das deine Pflanzen mehr Licht für das Wachstum bekommen.

Das Equipment darf auch nicht fehlen

Das wichtigste ist ein handgeschmiedeter Spaten, eine hochwertige Hacke und einfache Gießkanne. Eine Reb– bzw. Astschere, Schubkarre, Gartenspritze und ein Allzweckmesser sollte auch nicht fehlen. Damit lassen sich die wichtigsten Gartenarbeiten erledigen (z.B. graben, auflockern, schneiden, gießen). Mehr brauchst du eigentlich nicht.

Soweit sich deine Fläche in Grenzen hält, rate ich vom Maschineneinsatz ab. Je mehr motorbetriebene Gartengeräte du nämlich einsetzt, desto weiter entfernst du dich von der Natur und desto weniger lässt sich ein „echtes“ Ökosystem umsetzten. Das ist deutlich in der Landwirtschaft, Industrie und Gesellschaft beobachtbar.

Wenn du die Vegetationszeit künstlich verlängern und somit deine Ernteerträge steigern möchtest, dann brauchst du noch ein Frühbeet, Gewächshaus oder Folientunnel. Alternativ tut es aber auch ein günstiges Gartenvlies oder eine schwarze und durchlöcherte Gartenfolie. So kannst du im Frühling und Herbst mit den ersten bzw. letzten Sonnenstrahlen die Temperatur erhöhen bzw. die Frostphasen reduzieren. Aussaaten sind somit früher möglich und Erntezeitpunkte lassen sich hinauszögern.

Verwende möglichst alte bewährte Gemüsesorten

Nicht jedes Gemüse lässt sich überall anbauen. Entscheidend ist neben der Bodenbeschaffenheit und Sonneneinwirkung insbesondere die Witterung: Temperatur, Niederschlag, Wind und Luftfeuchte beeinflussen enorm deinen Ernteerfolg. Da diese Einflüsse in unseren Breitengraden mit den Jahreszeiten schwanken, lassen sich die meisten Gemüsepflanzen nicht das ganze Jahr über anbauen.

Dennoch gibt es eine Hand voll Pflanzen, die du in unseren gemäßigten Klimazonen fast überall anbauen kannst. Das meiste während der Vegetationszeit mit dem aufkommenden Frühling, über den Sommer, bis in den Herbst hinein. Hierzu gehören u.a. Bohnen, Erbsen, Kartoffeln, Kohl, Linsen, Mangold, Salat, Tomaten, Zucchini und Zwiebeln. Eine umfangreiche Liste an Blatt-, Blüten-, Frucht-, Hülsen-, Kohl-, Hülsen-, Knollen-, Knospen-, Lauch-, Stängel-, Trieb-, Wurzel- und Zwiebelgemüse sowie Kürbisgewächse findest du hier.

Dann kommt es noch auf die Sorte der Pflanze an. Zur Auswahl stehen einerseits alt bewährte Sorten und andererseits die aus neueren Züchtungen. Letzteres sind oft genetisch verändert, rechtlich geschützt und die Sortenwahl ist sehr gering (Hobby-Gärtner, Erwerbslandwirte). Alt bewährte Sorten hingegen sind auf die Bedürfnisse von Selbstversorgern hin gezüchtet, waren ursprünglich regional spezialisiert und sind sehr vielfältig. Insbesondere die Lager- und Verarbeitungseigenschaften sprechen für sich, zumal alte Sorten sehr gut mit extremen Witterungen klar kommen.

Im Baumarkt und Supermarkt findest du fast ausschließlich die neuartigen Züchtungen. Alte (für uns relevanten) Sorten gibt es eigentlich nur noch bei anderen Selbstversorgern und Kleinbauern oder spezialisierten Shops und Vereinigungen. Hier kannst du dich auf die Detektivarbeit begeben.

Alle Jahre wieder – Von der Saat bis zur Ernte

Das meiste Gemüse wird jährlich von neuem angebaut. Hierzu säst, steckst oder pflanzt du rechtzeitig im Frühling das Gemüse aus (Hauptsaison). Dessen Zeitpunkt und Sorte entscheidet dann (u.a.), wann du ernten kannst: Frühe Sorten bereits im Sommer und späte Sorten teilweise bis in den Winter hinein. Einige spätere Aussaaten ermöglichen dir sogar noch die Ernte bis in das nächste Frühjahr. Meistens handelt es sich dann um lagerfähige und robuste Gemüsesorten.

Nach der Aussaat und dessen Keimung verbleiben die jungen Pflänzchen entweder direkt an Ort und Stelle oder du versetzt diese an den vorgesehenen Platz (pikieren). Die Abstände zueinander sollten der ausgewachsenen Pflanze entsprechen, zuzüglich einer Wegbreite. Wenn du zu eng pflanzt, dann gehen die Pflanzen ein oder diese „konkurrieren“ hin zum Sonnenlicht und schießen in die Höhe.

Während der Wachstumsphase ist die Pflege ganz wichtig. Hierzu gehört insbesondere das Gießen und Düngen (z.B. Mulchen), aber auch gelegentliches Auslichten (überflüssige Blätter und konkurrierende Pflanzen entfernen bzw. Stängel zurückschneiden) und vereinzeltes Boden-Auflockern.

Ernten kannst du entweder die ganze Pflanze oder dessen Blätter, Blüten, Samen, Stängel oder Wurzel. Manche Pflanzenteile kannst du gleich frisch essen, andere wiederum müssen wegen den enthaltenen Giftstoffen vorher verarbeitet werden (z.B. Kartoffel).

Da die Ernteerträge im Jahresverlauf stark schwanken, solltest du deine Ernteüberschüsse im Sommer für die kalte Jahreszeit haltbar machen (z.B. durch dörren, einfrieren, fermentieren). Nur so kommst du über den vegetationsarmen Winter.

Nährstoffe für dein Gemüse nicht vergessen

Genauso wie wir Menschen brauchen auch unsere Pflanzen ausreichend Nährstoffe. Stehen diese nicht zur Verfügung, dann wird dein Gemüse anfällig für Krankheiten, was den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln notwendig macht. Weiterhin wächst dein Gemüse kaum noch und manche verkrümmen auch oder gehen ein. Umgekehrt kann aber auch eine Nährstoff-Überversorgung zu den selben Effekten führen. Nur frisch ausgesäte Sämlinge brauchen keine Nährstoffe.

Zuerst solltest du deinen Nährstoffbedarf deiner Pflanzen kennen. Für den Anfang reicht es völlig aus, wenn du dein Gemüse in Schwach-, Mittel- und Starkzehrer einteilst. Schwachzehrer (z.B. Bohnen, Kräuter) brauchen dabei die wenigsten Nährstoffe und Starkzehrer (z.B. Kartoffel, Tomate) die meisten – Mittelzehrer (z.B. Mangold, Möhre) liegen irgendwo dazwischen. Damit dein Boden nicht auslaugt, solltest du die Fruchtfolge beachten: Das bedeutet, dass sich Stark-, Mittel- und Schwachzehrer auf derselben Fläche nacheinander abwechseln. Zudem darf nicht dieselbe Pflanzenfamilie in den Folgejahren gepflanzt werden.

Anschließend kannst du dein Gemüse mit entsprechenden Nährstoffen versorgen. Das tust du zum einen mit deiner Gartenerde und zum anderen durch gelegentliches Düngen. Bestandteile sind dabei der natürliche Boden (Erdoberfläche wie Lehm und Sand), pflanzlicher Humus (z.B. Kompost, Jauche, Äste, Blätter, Holzasche) und tierische Abfälle (Horn, Stallmist, Harn, Wolle). Letztere sind besonders für Starkzehrer geeignet.

Mehr zum Thema Nährstoffe und Naturdüngung erfährst du hier.

Dein Ökosystem sorgt für den Pflanzenschutz (Permakultur)

Eines vorweg: Wenn du deine Pflanzen in einem ökologischen und in sich geschlossenen Kreislauf anbaust (Permakultur), dann wird dein Gemüse nicht erkranken. Bakterien, Viren, Pilze oder Tiere (Insekten wie Läuse, Weichtiere, Nematoden, Milben) können zwar alle vorhanden sein, aber nicht in dem Maße, dass deine Pflanzen davon einen nennenswerten Schaden nehmen. Dieses Prinzip kennen wir bereits aus der Natur, nur das dort wir Menschen nicht eingreifen.

Es ist wichtig, dass dein Ökosystem gesamtheitlich und zueinander im Gleichgewicht steht. Jeder hat da seinen Platz, auch sogenannte „Schädlinge“ und „Unkräuter“. Solange es nicht zur Überpopulation kommt und deine Pflanzen gesund sind, kann deinem Gemüse nichts passieren. Und wenn du mal ein Ungleichgewicht feststellen solltest, dann schaue nach der eigentlichen Ursache und Bekämpfe nicht gleich die Symptome. Letzteres kann sogar dazu führen, dass die Überpopulation anderer Pflanzen- und Tierarten zunimmt und sich das Ungleichgewicht dadurch vergrößert.

Und wenn dein Gemüse doch mal dermaßen Befallen ist, dass du eingreifen musst (= ökologisches Ungleichgewicht), dann greife auf natürliche Pflanzenschutzmittel zurück (keine chemischen!). Was du da so verwenden kannst habe ich dir hier zusammengefasst.