Auch Selbstversorger und Minimalisten brauchen Geld

Erkennst du den Troll im Fels?

Auch autark lebende Selbstversorger und Minimalisten brauchen noch Geld. Zumindest für Dinge, die in industriellen Ländern wie Deutschland, Österreich und der Schweiz nicht mit Naturalien beglichen werden können. Das ist systembedingt. Insbesondere auf Tribute wie Steuern, GEZ, Zwangsmitgliedschaften und Pflichtversicherungen trifft das zu. In Agrarstaaten hingegen wäre eine geldlose Lebensweise durchaus möglich.

Dafür brauchst du noch Geld

Wie viel Geld du letztendlich brauchst, hängt immer von deiner individuellen Situation ab. Je nachdem wie hoch dein Lebensstandard ist bzw. deine Ansprüche sind, welches Sicherheitsbedürfnis du hast, wo du wohnst, wie viel du noch konsumierst und welche Verpflichtungen du eingegangen bist. Hier ein paar Beispiele und Tipps:

    • Branche: Mitgliedschaften (z.B. IHK, Handwerkskammer, SVLFG, Berufsgenossenschaft, Deutsche Rentenversicherung), Überwachungsbedürftiges Gewerbe, Genehmigungen, Mobilität, Versicherungen, Berufs- und Persönliche Schutzkleidung (PSA). Vermeidbar in weniger reglementierte Branchen, Änderung des rechtlichen Status (z.B. als Angestellter statt als Selbständiger oder Schaffung einer Juristischen Person) oder durch Umorganisation.
    • Einkünfte: Einkommensteuer (ggf. auch Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag), Gesetzliche Sozialversicherung (Kranken-, Pflege, Renten- und Arbeitslosenversicherung) und ggf. betriebliche Rente. Abhängig von der Einnahmehöhe, Einkunftsart (z.B. als Angestellter, Landwirt, Forstwirt, Gewerbetreibender, Freiberufler, Vermieter, Investor) und dem Wohnsitz bzw. Aufenthaltsort.
    • Konsum: Lebensunterhalt wie Lebensmittel, Konsum- und Pflegeartikel und alles was damit zusammenhängt (z.B. Mehrwertsteuer, Transport). Mit einem minimalistischen Lebensstil (geringerer Lebensstandard) und als Selbstversorger weitgehend vermeidbar.
    • Verpflichtungen: Vertragserfüllung (z.B. Arbeits-, Miet-, Kreditvertrag) und Pflichten kraft Gesetzes (z.B. Zwangsmitgliedschaften, Pflichtversicherungen, Zahlung von Steuern, Gebühren, Beiträgen). Teilweise vermeidbar, indem die Verträge beendet werden bzw. der rechtlichen Status angepasst wird.
    • Land- und forstwirtschaftliche Grundstücke: Pacht bzw. Kauf, Grund[erwerb]steuer, SVLFG (Berufsgenossenschaft, Alters-, Kranken-, Pflegekasse), Tierseuchenkasse, Sicherungspflichten und Mobilität. Weitgehend abhängig von der Grundstücksfläche (Größe und Art), Tierbestand oder Völkeranzahl (Bienen).
    • Organisation: Alle Abläufe die Ressourcen verbrauchen (z.B. Hilfskräfte, Strom, Papier, Porto, Software). Reduzierbar durch Bürokratieabbau (nur das Nötigste).
    • Mobilität: Fahrzeug, Führerschein, Steuer, Versicherung, Bußgelder, Verschleiß (z.B. PKW, Reifen, Keilriemen) und Verbrauchsstoffe (z.B. Benzin, Öl). Vermeidbar soweit kein Fahrzeug benötigt wird und man zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs ist. Oder reduzierbar mit einem Kleinwagen.
    • Staatsangehörigkeit: Staatsbürgerliche Pflichten wie Personalausweis bzw. Reisepass. Vermeidbar wenn man auswandert und vielleicht noch die Staatsangehörigkeit bzw. die Bürgerrechte aufgibt (Menschenrechte bleiben bestehen).
    • Technik: Alle Hardware, Software und Digitalisierung, die zur Arbeitserleichterung und Zeitersparnis führt. Vermeidbar durch nicht-motorisierte Mechanik und nicht-digitalisierte Technik (z.B. normales Fahrrad statt Elektrofahrrad, einfaches Handy statt Smartphone).
    • Wohnsitz: Unbeschränkte, Beschränkte oder Erweiterte beschränkte Steuerpflicht, Gesetzliche Kranken- mit Pflegeversicherung und Rundfunkbeitrag (GEZ). Größtenteils vom Staat abhängig, in einzelnen Gemeinden können noch weitere Kosten hinzu kommen (z.B. Zweitwohnsitzsteuer, Hundesteuer, Kirchengeld).
    • Wohnung: Miete, Strom, Wasser, Müll, Rundfunkbeitrag (GEZ), Grund[erwerb]steuer inkl. Mehrwert- und sonstige Steuern. Lässt sich teilweise durch einem minimalistischen Lebensstil  (z.B. Wohnwagen statt Mietwohnung) und Wegzug in ein anderes Bundesland, einen anderen Land-/Kreis bzw. kreisfreie Stadt oder eine andere Gemeinde reduzieren.
Werde Minimalist und reduziere so deine Ausgaben

Wie du siehst, brauchst du noch ordentlich Geld. Bevor du jetzt darüber nachdenkst, wie du an Geld kommst, solltest du deine Ausgaben reduzieren. Dann brauchst du letztendlich auch nicht mehr so viel für andere arbeiten. Am besten geht das mit einem minimalistischen Lebensstil. Was genau dahinter steckt, erfährst du hier.

Beispiel

Gehe, wo immer es geht, zu Fuß oder fahre mit dem Fahrrad. Melde dein Auto ab oder schaffe dir ein Kleinwagen an, dass günstig im Unterhalt ist. Du wirst überrascht sein, was du an Mobilität sparen kannst. Und das beste, du entschleunigst dabei.

Tribute sind der größte Kostenfaktor

Dann gibt es noch systembedingte Ausgaben, die es zu reduzieren gilt. Nach meiner Erfahrung machen staatliche Tribute das meiste Geld aus. Ohne diese Steuern, Gebühren, Beiträge, sonstigen Abgaben, Zwangsmitgliedschaften und Pflichtversicherungen wäre eine völlig autarke und damit geldlose Lebensweise durchaus möglich.

Spätestens sobald du einen Wohnsitz oder ein Auto anmeldest, Eigentum erwirbst, Einkünfte oder ein Bankkonto hast oder indirekt Verträge abschließt, setzt du die Meldekette u.a. zum Fiskus, zu den Sozialversicherungsträgern oder dem Beitragsservice in Gang. Und damit die systematische Kostenfalle. Das geschieht über die Meldepflichten deiner Arbeitgeber, Vermieter, Versicherer, Bank, des Notars ganz automatisch. Oft auch durch dich selbst.

Am besten lässt sich das Ganze vermeiden, indem du dafür sorgst, dass erst gar nicht die Voraussetzungen für eine Meldepflicht geschaffen werden und sich daher schlichtweg niemand für dich zuständig fühlt. Das ist nicht so einfach, kann aber bereits mit der Wahl des Wohnsitz, Aufenthaltsort, Arbeitsort, Firmensitz und der Besitzverteilung beeinflusst werden. Zumal nicht alles auf deinen Namen laufen muss.

Ein paar Gedanken

Ob du Steuern, Sozialversicherungen, GEZ und Co. für sinnvoll hältst, kannst nur du für dich entscheiden. Für mich ist das nichts anderes als Schutzgeld. Solange du zahlst, wirst du in Ruhe gelassen. Nicht zu vergessen, dass zwangsfinanzierte Medien uns spalten und mit unseren Steuergeldern Kriege finanziert werden. Wir machen uns damit mit schuldig.

Hierzulande hängen die Meldepflichten und damit die Zuständigkeiten insbesondere vom Wohnsitz, Aufenthaltsort, Besitz und den Einkünften ab. Wenn du im Staatsgebiet nirgendwo gemeldet bist (= überwiegender Auslandsaufenthalt), ohne Grundbesitz bist, keine Einkünfte und vertraglichen Verpflichtungen mehr hast, dann wirst du faktisch keine Tribute zahlen müssen. Die Konsequenz ist für dich jedoch das Auswandern, wo dafür neue Tribute auf dich warten. Deine Staatsbürgerschaft spielt hierbei nur eine untergeordnete Rolle.

Es ist durchaus möglich im Heimatland zu bleiben und zumindest teilweise aus den Systemkosten raus zukommen. Das lohnt sich aber nicht immer – gerade bei uns Selbstversorgern nicht. Der zeitliche und finanzielle Aufwand kann sehr hoch sein.

So kannst du zum Beispiel deine Grundstücke auf eine „juristische Person“ übertragen (Stiftung, Verein, Firma usw.), woran du selbst – gemäß „eigener“ Satzung – noch verfügen kannst. Oder deinen Wohnsitz, Aufenthalt, Besitz und deine Einkünfte auf mehrere Länder verteilen – Stichwort: Flaggentheorie.

Das sind, wenn du es richtig macht, alles legale Tricks. Global agierende Konzerne, Superreiche, Politiker, Möchtegernmächtige und Digitale Nomaden machen uns das ja alles vor.

So kommst du an Geld

Es gibt viele Möglichkeiten, um an Geld zu kommen, ohne gleich wieder einen Vollzeitjob nachgehen zu müssen. Hier ein paar Ideen für angehende Selbstversorger:

    • Produziere mehr und verkaufe es auf diversen Märkten

      Wenn es dein Platz zulässt, dann kannst du auch mehr produzieren, als du für dich selbst brauchst. Das kann beispielsweise Honig, Eier, Milch, Getreide, Gemüse, Obst, Wolle, Wachs und Brennholz oder daraus hergestellte Nudeln, Käse, Butter, Kerzen, Gestricktes und geschnitzte Skulpturen sein. Das verkaufst du dann auf den Wochenmärkten, in Kultureinrichtungen, über Kleinanzeigen oder direkt „ab Hof“.

    • Saisonarbeit in der Land- und Forstwirtschaft oder dem Garten- und Landschaftsbau

      Es ist natürlich nicht nur die Saisonarbeit möglich, aber in landwirtschaftlich geprägten Regionen werden gerade in der Hochsaison viele zeitlich befristete Jobs vergeben. Insbesondere Erntehelfer für Erdbeeren, Äpfel, Trauben und Spargel werden massenweise gesucht. Mit entsprechender Qualifikation auch bei der Getreide- und Holzernte. Oft in Akkord und wenig bezahlt. Wem das aber nicht stört, kann hier langfristige und branchennahe Kooperationen aufbauen und andere Arbeitsweisen kennenlernen.

    • Mache dich Selbstständig

      Als Freiberufler, Selbstständiger oder Unternehmer verdienst du dein Geld mit Dienstleistungen, Verkauf von Waren oder du zeigst anderen wie etwas geht. Du kannst zum Beispiel anderen die Bäume schneiden, selbstgemachtes bzw. hinzugekauftes verkaufen oder zeigen wie man Gemüse fermentiert. Je nach deinen Vorlieben, kannst du das entweder Face-to-Face machen oder Online anbieten.

    • Arbeite in Teilzeit als Mini- oder Midijobber weiter

      Wenn du bereits einen Job hast, dann kannst du deine Arbeitszeit reduzieren. Du arbeitest also zeitlich weniger als deine Kollegen in Vollzeit. Alternativ kannst du dich aber auch auf einen Teilzeitjob bewerben.

      Je nach Verdienst bzw. Zeitaufwand, kann daraus zuerst ein Midijob (über 450 bis 1.300 Euro) und dann ein Minijob (z.B. bis 450 Euro) entstehen, wo sich Sozialversicherungsbeiträge enorm einsparen lassen. Was genau dahinter steckt, erfährst du hier.

    • Arbeite zeitlich begrenzt in Vollzeit (kurzfristige Minijobs)

      Du kannst auch einen Vollzeitjob als Minijobber nachgehen. Im Gegensatz zum 450 Euro-Job kannst du hier unbegrenzt Geld verdienen. Auf die Verdiensthöhe kommt es nicht an. Worauf du allerdings achten solltest, ist, dass du höchstens 3 Monate oder 70 Arbeitstage arbeitest. Mehr erfährst du bei der Minijob-Zentrale.

    • Investiere in fremde Werte (Geld wo du übrig hast)

      Mittel- bis langfristig sind Investitionen in fremde Werte interessant. Aktien, Fonds, ETF, Fremdwährung und Kreditvergabe sind nur einige Beispiele. Was genau, ist stark von deinen Erfahrungen und deiner Risikobereitschaft abhängig. Du solltest allerdings nur Geld verwenden, dass du übrig hast und worauf du verzichten kannst. Dann bleibst du auch Liquide.

    • Du hast noch eine Idee, wie man als Selbstversorger zu Geld kommt?

      Dann schreibe mir.

Viel verdienen und weniger Abzüge

Spätestens sobald du Geld einnimmst, interessieren sich die Sozialversicherungsträger und der Fiskus für dich. Die Abzüge, die dein Arbeitgeber abführt, siehst du auf deiner Gehaltsabrechnung. Bei Vollzeit-Angestellten kann das schon mal die Hälfte des Verdienstes ausmachen.

Das muss nicht sein. Wenn du statt eines Vollzeitjobs, mehrere kleinere Jobs hast und dabei einige Dinge beachtest, dann kannst du fast so viel wie ein Vollzeitbeschäftigter verdienen und hast dennoch kaum Abzüge in der gesetzlichen Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung. Auch Steuern lassen sich damit sparen.

Wichtig dabei ist u.a. dein persönlicher Status (z.B. Lohnsteuerabzugsmerkmale), die Jobs selbst (z.B. Anzahl, Dauer, Verdienst), gesetzlichen Grenzen und dessen Abhängigkeiten untereinander. Hier solltest du dich auskennen, sonst kann es sein das du drauf zahlst. Deine Jobs können sich zum Beispiel so zusammensetzen:

    • Ein Midijob (450,01 bis 1.300 Euro monatlich)
    • Erster 450-Minijob (bis 450 Euro monatlich)
    • Kurzfristiger Minijob (unbegrenzte Höhe, höchstens 3 Monate oder 70 Arbeitstage)
    • Eine Übungsleiterpauschale (maximal 2.400 Euro jährlich) oder Ehrenamtspauschale (maximal 720 Euro jährlich)
    • Gewerbe (Kleinunternehmerregelung, bis mindestens 450 Euro monatlich keine Rentenversicherungspflicht) und/oder Freiberuflich (zuzüglich keine Gewerbesteuer)

In diesem Fall wärst du über deinen Midijob günstig sozialversichert. Da die Jobs nicht miteinander verrechnet werden und es Freigrenzen gibt, sind diese weitgehend sozialversicherungsfrei und teilweise auch steuerfrei. Informiere dich aber nochmals, da sich die Regeln ständig ändern.

Und vergesse nicht die Nachteile (Beispiele):
    • Anfahrtswege nehmen zu.
    • Der Organisationsaufwand erhöht sich.
    • Gut bezahlte Teilzeitjobs wie Minijob und Midijob und Ehrenämter sind rar.
    • Rente und Arbeitslosengeld verringert sich im Versicherungsfall (ggf. auch Pflegeleistung).
    • Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung können auch mal höher ausfallen.
    • Mehrere Jobs führen ggf. zur Mehrfachversicherung in der Deutschen Rentenversicherung.
    • Mit Gewerbe oder als Freiberufler entstehen ggf. zusätzliche Steuern und Mitgliedsbeiträge.
    • Steuerlich lässt sich nicht mehr so viel absetzen.
    • Tribute müssen neben deinen Arbeitgebern ggf. auch durch dich abgeführt werden.
    • Du solltest dich mit dem Recht etwas auskennen und dich ständig Updaten.

Du solltest dich davon aber nicht abschrecken lassen. Denn wenn du mal den Dreh raus hast, dann kannst du dir so ganz legal unnötige Beiträge und Steuern sparen. Aber wie gesagt, hier solltest du dich auskennen, nicht das die Nachteile überwiegen oder es zu Nachzahlungen kommt (manchmal reicht ein Euro zu viel verdient aus). Es kommt immer auf deine Gesamtsituation an.