Apfelessig gehört in einem Selbstversorgerhaushalt schlichtweg dazu. Einfach herzustellen, vielseitig verwendbar und kosten tut es schon gar nichts. Das erspart viele chemische Produkte aus dem Supermarkt. Das Ausgangsprodukt des Apfelessigs sind immer die Äpfel und das Wasser.

Aus den in den Äpfeln enthaltenen Zucker entsteht durch Vergärung zuerst Alkohol bzw. Ethanol, auch als Most bzw. Apfelwein bekannt. Anschließend wandeln natürliche Essigsäurebakterien durch Oxidation den Alkohol in Essigsäure um. Dabei spielt beim gesamten Prozess der Zuckergehalt, pH-Wert, die Umgebungstemperatur und teilweise auch der Sauerstoff eine entscheidende Rolle. Der Säuregehalt der Essigsäure wiederum lässt andere unerwünschte Mikroorganismen absterben, so das beispielsweise in Essig eingelegte Gurken nicht faulen. Damit lässt sich der Apfelessig vielseitig einsetzen. Im Gegensatz zum industriell hergestellten Essig, ist dein Apfelessig über Wochen und Monate ausgereift und enthält noch die vielen gesundheitsfördernden Bakterien. Auch Zusatzstoffe kommen nicht rein.

Wozu das ganze

  • Gesundheit: Zur innerlichen (Mundraum; als Probiotikum gut für die Verdauung und Darmflora) und äußerlichen Anwendung (Haut, Haare, Wunden). Beruht auf meinen Erfahrungen.
  • Desinfektionsmittel für alles mögliche.
  • Konservierungsmittel: Mit Apfelessig gefüllte Gläser lässt sich eingelegtes Gemüse länger haltbar machen (z.B. Essiggurken).
  • Kochbeigabe: Ein hervorragendes Gewürzmittel (nicht abkochen).
  • Körperpflege: Entfernt den Körperschmutz, aber nicht die Schutzschicht der Haut und Haare.
  • Reinigungsmittel: Natürlicher Allzweckreiniger für den ganzen Haushalt (z.B. Fenster, Kalk).
  • Fliegenfänger: Fliegen lieben den Duft von Apfelessig. Apfelessig einfach in eine Fliegenfalle geben.
  • Kleber: Bestandteil eines natürlichen Papierklebers.

Was ich brauche

  • Äpfel oder Apfelreste die nicht verfault, verschimmelt oder gespritzt sind (alte Sorten aus Streuobstwiesen sind perfekt).
  • Sauberes Leitungswasser (kein destilliertes Wasser).
  • Apfelessig aus dem Vorjahr (nur soweit vorhanden).
  • Eimer oder anderes wasserdichtes Behältnis.
  • Mehrere Stofftücher, dass den Eimer abdeckt und für die spätere Filterung.
  • Schnur oder Gummi, um das Stofftuch um den Eimer festzubinden.
  • Messer um die Äpfel zu zerkleinern (keine Raspel).
  • Raum mit Zimmertemperatur (Wohnzimmer) und für später einen kühlen und dunklen Lagerplatz.
  • Verschließbare Gläser, wo der Apfelessig abgefüllt wird.
  • Geduld für ein paar Wochen und Monate (Reifung des Apfelessigs).

Und die jeweilige Menge einfach nach Gefühl.

Los gehts

1.  Äpfel mit dem Messer grob klein schneiden, so das die Apfelstücke später mit einem Geschirrtuch noch gefiltert werden können (keine Raspel, dass wäre zu fein). Kerne und Schale kann alles dran bleiben.

2.  Trinkwasser bzw. sauberes Leitungswasser in den Eimer füllen und dabei mindestens ein paar Zentimeter bis zum Eimerrand frei lassen.

3.  Den mit Wasser gefüllten Eimer mit den zerkleinerten Äpfeln füllen und kurz umrühren. Das reicht völlig aus. Die benötigten Kulturen kommen von ganz alleine.

Für einen guten Start empfiehlt sich – wenn vorhanden – ein Schuss Apfelessig aus dem Vorjahr. Auch Haushaltszucker beschleunigt den Reifeprozess, jedoch rate ich davon dringend ab, da der industriell hergestellte Zucker unnatürlich ist und wir unseren Apfelessig Zeit geben sollten natürlich zu reifen.

4.  Anschließend ein Geschirrtuch über den Eimer spannen und mit einer Schnur oder einem Gummi festbinden, damit Sauerstoff, aber eben keine Fliegen, in den Eimer gelangt.

5.  Damit sich Apfelessig bilden kann, muss dieser nun für ein paar Wochen in einen Raum mit „Zimmertemperatur“ gestellt werden. In dieser Zeit entwickelt sich bereits der typische Geruch des Apfelweins bzw. Apfelessigs und die unbedenkliche Essigmutter (weiße Schicht auf der Wasseroberfläche). Die Temperatur hat dabei einen entscheidenden Einfluss auf die Dauer des Reifeprozesses – bei mir sind es üblicherweise 16 bis 20 Grad.

6.  Jetzt sollte spätestens alle paar Tage oder besser täglich das Geschirrtuch kurz abgenommen und der Essig umgerührt werden. Damit verhinderst du Schimmel auf den Apfelstücken.

7.  Sobald die ersten Wochen vorbei und die Apfelstücke größtenteils abgesunken sind (am Anfang schwimmen diese noch an der Wasseroberfläche), filterst du mit einem Geschirrtuch die Apfelreste vom Essig heraus. Die sich noch entwickelnde Essigmutter (feine weiße Schicht auf der Wasseroberfläche) sollte möglichst dem Essig wieder hinzugefügt werden.

8.  Im besten Fall deckst du den Eimer mit dem gefilterten Essig wieder mit einem sauberen Geschirrtuch ab und lässt ihn noch bis zu zwei Monate stehen (guter Geruch). Diese Zeit braucht der Essig um „fertig genug“ zu reifen. Dann entwickelt sich an der Wasseroberfläche eine dicke Schicht Essigmutter (wie ein Pizzateig), der für warme Mahlzeiten wirklich eine leckere Delikatesse ist. Umrühren ist nicht mehr nötig, gelegentliches nachschauen schon noch.

9.  Sobald der Apfelessig ausgereift ist, kann dieser verwendet werden. Für die Lagerung empfiehlt sich die Abfüllung in verschließbare Gläser. Den Apfelessig kannst du vorher nochmals mit einem Geschirrtuch filtern (mache ich selbst nicht). Die Gläser lagerst du dann in einen kühlen und dunklen Raum.

Bis wann verbrauchen

Der natürlich hergestellte und voll ausgereifte Apfelessig kann bei richtiger Lagerung faktisch nicht schlecht werden. Manchmal entwickelt sich nochmal eine Essigmutter, die aber unbedenklich ist. Auch der Geschmack, Geruch und die Wirkung kann zunehmen (ist halt ein Naturprodukt). Nur wenn der Essig einen ungewöhnlichen Geruch, Schimmelbildung oder andere Abweichungen haben sollte (das lernst du mit der Zeit), darf dieser nicht mehr verwendet werden.