Früher war so gut wie jeder noch Selbstversorger. Das notwendige Wissen für die Selbstversorgung wurde traditionell über Generationen in der Großfamilie weitergegeben. In Agrarstaaten und bei den Naturvölkern ist das heute noch so.

Mit Beginn der Industrialisierung und spätestens mit dem Wirtschaftswunder war jedoch systembedingt damit Schluss. Vieles altes Wissen ging damit zusammen mit den Traditionen für immer verloren.

Die Anbau-, Verarbeitungs-, Lager- bzw. Haltungsmethoden von Getreide, Gemüse, Obst und Tieren veränderten sich enorm. Monokultur, Massentierhaltung, industrielle Fertigprodukte und strombetriebene Kühlschränke standen auf einmal für die zukünftigen abhängig Beschäftigten im Vordergrund.

Die Folge war das große Aussterben regionaler Nutzpflanzen und Haustierrassen (Nutz- und Heimtiere). Und mit diesen das Wissen darüber.

Heute stehen angehende Selbstversorger vor der Herausforderung, dass noch vorhandene Wissen irgendwie zusammentragen. Ursprünglich heimische Pflanzensorten und Tierrassen müssen manchmal mühevoll über weite Strecken zusammengetragen und bewährte Lager- und Verarbeitungsmethoden neu entdeckt werden.

Um dir das altbewährte Wissen über die Selbstversorgung und minimalistische Lebensweise anzueignen, kannst du nun folgendermaßen vorgehen:

Was die Nachbarschaft zu erzählen hat

Das naheliegendste ist, die Familien zu fragen, die bereits über Generationen im selben Dorf leben. Im besten Fall lebt dort sogar noch jemand, wo das Ganze mehr oder weniger miterlebt hat. Und wenn nicht, dann findet sich vielleicht manches Schriftstück oder Equipment in der Scheune, auf dem Dachboden oder im Keller, die vielleicht auf alte Pflanzensorten, Tierrassen, Verarbeitungs- oder Lagerweisen hindeuten.

Historische GebäudeDie meisten Menschen haben an solchen Sachen kein Interesse mehr, weshalb du vielleicht auch etwas ergattern und für deine eigene Selbstversorgung nutzen kannst.

Solltest du erst in ein Dorf gezogen sein, dann frage in der Nachbarschaft nach ehemaligen Bauernhöfen oder Gutshöfen.

Der entscheidende Vorteil ist hier, dass du dir Wissen aneignest, die sich in deiner Region über die Jahrhunderte bewährt haben. Das ist ein entscheidender Standortvorteil. Viele (ausgestorbene) Haustierrassen und Pflanzensorten gab es nämlich nur direkt im dörflichen Umfeld und sonst nirgendwo.

Öffentliche Archive sind Schatzkammer

Weiteres Wissen kannst du dir über historische Karten, Register und regionale Heimatbücher aneignen.

Gute Bezugsquellen sind die örtlichen Buchhandlungen, Kirchen, Stadtverwaltungen und Rathäuser in den früher noch eigenständigen Dörfern (Ortsvorsteher fragen).

Vielleicht finden sich bei dieser Gelegenheit auch bürokratische Aufzeichnungen von Naturalabgaben, -transporten oder -verkäufen.

Viele Flurkarten, Zeichnungen, Schriftstücke und historische Fotos sind heute aber auch öffentlich im Internets einsehbar – meist über Archive auf Kreis- oder Landesebene und manchen Hochschulen.

Manchmal finden sich alte Postkarten mit Fotos oder Karten auf den digitalen Marktplätzen (z.B. ebay). Mit diesen zusammengetragenen Informationen kannst du dann vor Ort forschen.

So lässt sich beispielsweise herausfinden, was früher auf den eigenen und umliegenden Grundstücken so angebaut wurde.

Andere Selbstversorger, Bauer, Imker, Schäfer …

Schafe beim weidenJeder stand irgendwann mal am Anfang seiner Selbstversorgung. Hier liegt es doch nahe auf den langjährigen Erfahrungsschatz anderer Selbstversorger und Erzeuger zurückzugreifen (z.B. Imker, Schäfer).

Wenn du einen regionalen Selbstversorger finden solltest, der deinen Vorstellungen entspricht, dann können sich darüber hinaus auch lebenslange Kooperationen, Synergien und Tauschgeschäfte ergeben. Damit machst du dich gegenüber der „Außenwelt“ noch unabhängiger.

Vielleicht begleitet dich dein Lieblingsselbstversorger sogar beim Aufbau deiner eigenen Selbstversorgung, wie man es bereits von der Imkerei her kennt (Patenschaft).

Besuche regionale Freilandmuseen und darüber hinaus

In den ländlich geprägten Freiland- und Freilichtmuseen werden die historisch versetzten Gebäude und das damalige Leben der Menschen hautnah dargestellt. Hierzu gehört insbesondere das Zusammenleben der Bauernschaft, Berufsstände und Landlosen in einer längst untergegangenen dörflichen Gemeinschaft.

Historische FunktionsgebäudeIn diesen Museen lernst du aber nicht nur etwas über den gesellschaftlichen Wandel, sondern sehr viel über die Selbstversorgung. Das kommt daher, weil bis zur Industrialisierung noch so gut wie jeder Selbstversorger war – im Kleinen wie Großen. Selbst Handwerker, Pfarrer und landlose Knechte und Mägde züchteten nicht selten noch kleine Nutztiere und bauten Gemüse für sich an.

Im Gegensatz zu heute, hatte damals alles eine Funktion. So auch das eigentliche Wohngebäude (Hauswirtschaft): Je nach Bautyp und Epoche wurden im kühlen Gewölbekeller die un- oder verarbeiteten Lebensmittel und unter dem Dach das Getreide gelagert. Im Erdgeschoss wurden Schweine, Schafe, Kühe oder Pferde gehalten, die das Obergeschoss im Winter wärmten. Nach der Feldarbeit durfte in der Wohnstube geschnitzt, gewebt und gesponnen werden, die während des Kochens von der Küche aus mitgeheizt wurde.

Wie du siehst, sind die Freiland- und Freilichtmuseen eine gute Adresse deine Selbstversorgung voranzutreiben, zumal man gelegentlich auch andere Selbstversorger und regionale Bauern antrifft und sich austauschen kann.

Viele Museen bieten darüber hinaus interessante Kurse und Veranstaltungen mit Themenschwerpunkten an (z.B. Imkern, Sense mähen, Spinnen).

Hier findest du eine Liste von deutschsprachigen Freiland- und Freilichtmuseen.

Gehe Wandern oder fahre Fahrrad und entdecke die verrücktesten Dinge

Zu Fuß mit Rucksack unterwegsDie meisten Vollzeit-Selbstversorger und Kleinbauern sind der Öffentlichkeit nicht so bekannt. Oft sind es Menschen mit Herzblut, die sich zurückgezogen haben, abgelegen leben und nur einem kleinen Personenkreis bekannt sind.

Wenn du solche tollen Menschen  oder dessen Werke kennenlernen möchtest, dann solltest du auf den ländlichen Strecken öfters Wanderungen unternehmen oder mit dem Fahrrad unterwegs sein. Man trifft diese immer wieder auf ihren Grundstücken an. Manchmal sind es aber auch bereits die angetroffenen Jäger, Förster oder Imker.

Und wenn du schon unterwegs bist, dann achte auf deinen Wanderungen und Fahrradtouren auf die vielen historischen Wege und Gebiete. Immer wieder trifft man auf Schilder, Zeugnisse und Menschen, die die Lebensweise der damaligen Menschen beschreiben.

Suche nach Vereinigungen, die sich auf alte Pflanzensorten und Tierrassen spezialisiert haben

Während einerseits viele alte Pflanzensorten und Haustierrassen immer mehr aussterben, entstehen andererseits zunehmend Gruppierungen und Gemeinschaften, die sich dem Schutz der Vielfalt alter Sorten und Rassen verschrieben haben.

AckerlandAngefangen von Hochschulen mit wissenschaftlichen Versuchsfeldern, über die Rettung regionaler Sorten durch Vereine oder kommunale Unterabteilungen bis hin zu kooperativen Hobbyzüchtern. Und natürlich wir Selbstversorger und einige Herzblutbauern untereinander.

Ohne diese (oft illegalen) Helden würde es wortwörtlich kaum noch Saatgut zu Ursorten und damit eine Vielfalt von Getreide, Gemüse und Obst geben – ein Massenaussterben kraft Lobby-Gesetze. Ähnliches gilt für die vom Aussterben bedrohten Haustierrassen.

Anzutreffen sind diese Vereinigungen neben der Webpräsenz und den sozialen Netzwerken auf öffentlichen Veranstaltungen und Messen mit bestimmten Themenschwerpunkten (z.B. Museen, Messen).

Nutze das Internet

Auch wir Selbstversorger sind im digitalen Zeitalter längst angekommen, wobei das natürlich keine Voraussetzung ist. Egal welche Themen oder Fragen du hast, nutze die sozialen Netzwerke, Videoplattformen, Suchmaschinen und Websites wie diese.